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Stadtgeflüster: Ergraute Hippies und die Neo-Spießer

Simone Rethel und Joachim H. Luger spielen bis 11. Februar in der Komödie „Wir sind die Neuen“ im Fritz Rémond-Theater zwei Alt-68er. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Simone Rethel und Joachim H. Luger spielen bis 11. Februar in der Komödie „Wir sind die Neuen“ im Fritz Rémond-Theater zwei Alt-68er.

Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden. Keiner? Eher locker gehen die Bewohner einer Alt-68er-WG ans eigene Altern heran, wie die Komödie „Wir sind die Neuen“ im Fritz Rémond-Theater noch bis 11. Februar mit lakonisch-feinem Blick filetiert. Schauspielerin Simone Rethel-Heesters (68), Lutz Reichert („Tatort“) und „Lindenstraßen“-Urgestein Joachim H. Luger (74) spielen die ergrauten Hippies, die aus finanziellen Gründen zusammenziehen und so ihr altes Studentenleben auferstehen lassen, inklusive lauter Partymusik und unkonventionellen Ansichten. Die Neo-Spießer wohnen im gleichen Haus, drei ehrgeizige Studenten, unpolitisch, verkrampft und ruhebedürftig. Schnell rücken sie den fröhlichen Rentnern auf den Pelz, die wiederum über das diskutieren, was sie schon vor 40 Jahren nervte – der Putzplan.

Joachim Luger erinnert sich noch gut an den verstaubten Plan im Flur: „Die Küche war immer ein riesiger Saustall. Anfang der 70er Jahre lebte ich in Lübeck in einer WG, sechs Personen und nur ein Telefon an einer ellenlangen Leitung. Man hörte alles, was im Zimmer nebenan vor sich ging. Später wohnte ich in einer Bochumer WG, wo eine alte Dame uns mit dem Besenstiel, den sie an die Zimmerdecke stieß, zur Ruhe aufforderte. Zuletzt war es eine lustige Zeit, denn wir wohnten mit Freunden und vielen Kindern in einem Haus.“ Heute wieder mit Mitbewohnern von damals zusammenziehen? Der Schauspieler wehrt ab, so spaßig wie im Bühnenstück kann er sich das nicht vorstellen.

Wie es ist, wenn Mitbewohner etwa nachts spontan eine Küchenparty mit 20 engsten Freunden feiern, während man selbst morgens früh raus muss, hat Simone Rethel-Heesters nie erlebt. „Die 68er-Bewegung habe ich nicht so mitbekommen, ich war jung am Thalia-Theater in Hamburg. Außerdem hatte ich tolle Eltern mit einer sehr modernen Haltung, sie lasen Sartre und nannten mich nach der feministischen Schriftstellerin Simone de Beauvoir. Meinen Freunden gefiel die antiautoritäre Haltung meiner Eltern. Es gab für mich nichts zu protestieren.“ Ihr eigenes Alter sehen die Mimen wie ihre Bühnenfiguren mit Gelassenheit. „Letzteres ist nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln“, wirft Joachim Luger ein und erklärt: „Ich lerne mehr die Dinge zu genießen. Überholt mich einer beim Autofahren, soll er doch. Da war ich früher nervöser.“

Ein gutes Altern habe viel mit Eigeninitiative zu tun, darin sich die sympathischen Stars einig. „Man muss sich rechtzeitig überlegen, was kann ich später machen?“, so Simone Rethel, die sich als Botschafterin der Initiative „Altern in Würde“ des Deutschen Grünen Kreuzes stark macht und bei ihrem 2011 verstorbenen Mann, Bühnengröße Johannes Heesters , erlebte, wie agil man selbst mit 108 Jahren noch sein kann. Dass Humor in jedem Alter guttut, vermittelt das Stück. Darin rät der Hippie den Studenten: „Übrigens, wenn ihr euch mal fortpflanzen wollt, dann müsst ihr eure Laptops für ’ne Viertelstunde von den Knien runternehmen!“

(fai)

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