Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Es Margitsche’ ist wieder da

Hier steht sie und kann nicht anders, als gute Laune zu verbreiten. Margit Sponheimer, Fastnacht-Ikone und Frankfurter Mädche. Foto: Heike Lyding Hier steht sie und kann nicht anders, als gute Laune zu verbreiten. Margit Sponheimer, Fastnacht-Ikone und Frankfurter Mädche.
Frankfurt. 

Wenn in gut zwei Monaten die fünfte Jahreszeit beginnt, heißt es wieder Narrenkappen auf. Zwar hat die Mainzer Stimmungs-Ikone Margit Sponheimer („Am Rosenmontag bin ich geboren“) bereits 1998 ihre Fastnachtskarriere offiziell beendet, aber ihr „Konfetti im Blut“, wie sie sagt, pulsiert nach wie vor, wenn auch zurückhaltender. Davon erzählte die Sängerin und Schauspielerin gestern dem Publikum beim Salongespräch im Hotel Hessischer Hof und ließ Stationen ihrer Karriere, die 1963 in der Männerdomäne der Mainzer Fastnacht begann, Revue passieren.

Die 73-Jährige ist nachdenklicher geworden, eine schwere Krankheit vor vier Jahren legte ihr Nervensystem lahm. „Mir geht es heute wieder gut. Ich litt am Guillain-Barré-Syndrom, was glücklicherweise von den Ärzten gleich erkannt wurde.“

Eiserner Wille und Optimismus habe ihr bei der Genesung geholfen. „Es ist alles nur geliehen auf dieser schönen Welt“, sang einst ihr enger Freund Heinz Schenk, dessen Nachlass unlängst versteigert wurde. Dass dabei Fremde in das Refugium des Entertainers kamen, stört sie: „Heinz lebte sehr zurückgezogen, Besuch durfte normalerweise nur in ein Zimmer, weiter nicht. Er war hochempfindlich, was das anging. Meiner Nachwelt werde ich das jedenfalls nicht erlauben.“

Dynamisch wirkt die gebürtige Frankfurterin, die von ihrer Großmutter einmal im Scherz „Kuckuckskind“ genannt wurde, da keiner sonst in der Familie so große Ambitionen für die Fastnacht hegte, erzählt sie. „Ich wollte immer auf die Bühne“, sagt sie, nicht ohne ihre Jahre am Frankfurter Volkstheater wie einen Schatz leuchten zu lassen. Und noch immer kann sie nicht vom Scheinwerferlicht trotz Lampenfieber lassen, schauspielert am Mainzer Unterhaus Theater und haucht dort mit ihrer unverwechselbaren Stimme Chansons Seele ein.

Ihre Fastnachtslieder jedoch seien für sie „wie Kinder, sie haben mir Glück gebracht“. Vier Goldene Schallplatten, wird man da eigentlich reich? Sie lacht: „Reich an Erfahrungen. Ich wusste immer, die Hälfte gehört dem Finanzamt. Ich sparte früh, so bin ich erzogen worden.“

Sie erinnerte auch an den blinden Komponisten Toni Hämmerle („Humba Täterä“), der ihr in seiner Wahlheimat Gießen Evergreens schrieb. „Von ihm habe ich viel gelernt, feinfühlige Gesten bei Auftritten etwa. Seine Frau Tina lebt noch, sie ist inzwischen 101 Jahre alt.“

Kürzlich sei sie übrigens auf dem Wochenmarkt von einem Dreijährigen erkannt worden: „,Hallo, Margitsche‘, rief der Bub. Dieser Name macht mich stolz, er ist mein Adel, und so darf man mich nennen.“

(fai)
Zur Startseite Mehr aus Stadtgeflüster

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse