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Aktionstage: Fabian Hambüchen: Rechtschreibung statt Riesenfelge

Fabian Hambüchen setzt sich als Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung ein. Fabian Hambüchen setzt sich als Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung ein.

Früher kam er zum Turnen am Reck nach Frankfurt. Oder er schritt über den roten Teppich, der zum Sportpresseball vor der Alten Oper ausgelegt wird. Doch gestern düste Fabian Hambüchen aus einem vollkommen anderen Grund in die Mainmetropole. Der Olympia-Goldmedaillen-Gewinner am Reck von 2016, der für seine Riesenfelge bekannt war, schaute im Bildungszentrum Nord der Volkshochschule (Vhs) in seiner Funktion als Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung vorbei.

In Wiesbaden hatte der 30-Jährige zuvor mit Kultusminister Alexander Lorz den Startschuss zur landesweiten Aktionstagen „Lesen und Schreiben“ gegeben. Nach seinem gut zweistündigen Frankfurtaufenthalt ging es weiter nach Darmstadt.

Hambüchen ist derzeit das Gesicht der Kampagne „Mach Dich stolz! Trainiere Lesen und Schreiben.“ des Hessischen Kultusministeriums. Mit der Kampagne und ihren Aktionstagen soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass allein in Hessen rund eine halbe Million Menschen nur sehr schlecht lesen und schreiben können. Die Macher fragten den Weltmeister und mehrfachen Europameister sowie „Sportler des Jahres 2016“ vor etwa zwei Jahren, ob er sich vorstellen könne, diese Aufgabe zu übernehmen. Er konnte und wollte.

„Ich bekomme natürlich immer sehr viele ähnliche Anfragen“, gibt Fabian Hambüchen zu bedenken. Dass er just diese Aktion unterstützt liege daran, „dass ich mich jedes Mal frage, wo ich auch wirklich etwas bewegen kann“. Bei dieser Aktion sehe er die Möglichkeit, etwas umzusetzen, gerade das motiviere ihn. „Eine derartige Chance hat man bei Botschafterrollen doch eher selten“, sagt Hambüchen, der auch Botschafter für Mittelhessen ist. Einen „direkten Draht“ zu diesem Tabuthema habe er zwar nicht, aber er erzählte von jemanden, der in seiner Familie unter einer Schreibschwäche gelitten habe. „Die wurde überwunden“, so Hambüchen.

Ein weiterer Grund für seinen Einsatz sei, dass er sich Hessen sehr verbunden fühle. Und noch eins kommt hinzu, „dass ich ganz erstaunt war über die Zahlen“. Denn laut einer Studie sollen ungefähr 7,5 Millionen Menschen in Deutschland und davon 550 000 in Hessen erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. „Und viele davon leiden darunter, obwohl sie einen Schulabschluss haben“, so Hambüchen. Diese große Tabuthema hat es ihm also angetan und gestern sowie heute tourt er durch Hessen, um dafür zu werben. „Eine Schwäche beim Lesen und Schreiben zu haben bedeutet nicht, dass man dumm ist“, stellt Hambüchen klar. Viele Betroffene hätten es einfach nicht richtig gelernt. „Aber lesen und schreiben zu können ist genauso wichtig wie etwa das Laufen“, betont Hambüchen.

Ihm selbst sei es nicht schwergefallen, lesen und schreiben zu lernen, erzählt der Kunstturner, der zurzeit in Wetzlar baut. Aber er versetzte sich in die Rolle von Betroffenen und verglich ihre Herausforderung mit denen, die er in seiner Sportart überwinden musste.

(es)

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