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Nachruf: Ferry Ahrlé malt jetzt im Himmel

Er war ein großer Künstler, grandioser Erzähler und ein echter „Schaffer“ – der bekannte Frankfurter Maler und Autor Ferry Ahrlé ist am Mittwoch gestorben. Er wurde 93 Jahre alt.
Der bekannte Frankfurter Maler Ferry Ahrlé ist am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Der bekannte Frankfurter Maler Ferry Ahrlé ist am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben.
Frankfurt. 

Es war ein Schlaganfall, der Ferry Ahrlé am Mittwoch aus dem geliebten Leben riss. Und von der Seite seiner Muse, großen Liebe und Ehefrau Sigrid. „Erst kommt sie, dann die Malerei“, sagte er. Ein größeres Kompliment konnte er ihr nicht machen, bestimmte doch die Kunst, das Malen und Zeichnen, das Schreiben über die Kunst, und ja, auch über seine Kunst, sein Leben. Es war ein wahrlich erfülltes.

Friedlich sei er gestorben, jedoch überraschend, sagt seine langjährige Agentin und gute Freundin Edda Rössler. Bis kurz vor seinem Tod schuf er noch zahlreiche Werke, darunter ein großformatiges Wandgemälde für das Leipziger Restaurant „Augustiner“. Er hatte noch Pläne.

Stammtisch im „Adler“

Hilmar Hoffmann, Frankfurts großer ehemaliger Kulturdezernent und der beste Freund des Künstlers – sie trafen sich zum Stammtisch im „Adler“ – beschrieb Ahrlé als „kreative Doppelnatur“. Tatsächlich war er einer, der die Klaviatur vieler Künste trefflich zu bespielen wusste. Und er fand das Leben schön, mochte nie nur eine Stunde verschwenden. Ein Bohémien war er nie: „Ein Tag ohne Malen oder Musik ist kein gelebter Tag“, sagte er.

Ferry Ahrlé, Träger unter anderem des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse (1985), der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main (2004) und des Hessischen Verdienstordens (2014) zählte zu den renommiertesten Künstlern Deutschlands. Der gebürtige Frankfurter wuchs in Berlin auf, lernte dort sein Metier an der Hochschule für Bildende Kunst.

Und er – der seine Agilität angeblich dem über 30 Jahre lang betriebenen Tennisspiel verdankte und der guten Küche seiner Sigrid, mit der er im Mai 2016 den 50. Hochzeitstag feierte – hat sie fast alle gemalt, die Berühmten und Reichen, die Politiker, Musiker und Schauspieler, die Schlauen und die Schönen, sei es in Frankfurt, in Berlin, dem zweiten Wohnsitz, oder sonstwo auf der Welt.

Unerschöpflich kreativ

Er porträtierte Theater-Legenden wie Gustaf Gründgens, Paul Wegener oder Klaus Maria Brandauer, er malte die Schell und die Knef, Peter Ustinov, Carl Zuckmayer, den Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin, die Dirigenten Georg Solti, Pierre Boulez, Kent Nagano. So vielseitig wie er selbst, so vielseitig ist sein Œuvre: Etwa 4000 Porträts malte er. Dazu Ölgemälde, Tusche- oder Rötelzeichnungen und Aquarelle.

In den 50er Jahren schuf er im Auftrag der Constantin Film AG Plakate zu Streifen von Fellini, Bergmann, Buñuel, Truffaut und Polanski. In den 60er Jahren lebte und arbeitete er in Paris, widmete sich Stadtlandschaften und der Architektur. 1965 kehrte er nach Frankfurt am Main zurück.

Weitere einflussreiche Werke entstanden, wie etwa der Zyklus „Gemalte Musik“, eine malerische Interpretation bedeutender Musikwerke der Klassik. Auch im Fernsehen war er jahrzehntelang präsent. Er schrieb für seine Serien wie „Da sind sie wieder“ oder „Galerie der Straße“ die Drehbücher, trat selbst in diversen Rollen auf. Legendär wurde die TV-Serie „Sehr ähnlich, wer soll’s denn sein“, in der er sich mit berühmten Menschen unterhielt und sie gleichzeitig zeichnete. Für diese Art des Porträtierens in doppelter Form erhielt er 1980 den „Golden Award“ auf dem Internationalen Film- und Fernsehfestival in New York. Es folgten Werk-Zyklen zum Leben und Werk von E. T. A. Hoffmann und zu Gedichten von Goethe, Morgenstern und Ringelnatz. Im Jahr 2014 erschien seine Biografie „Jahre wie Tage“, natürlich mit einem Vorwort des Freundes Hilmar Hoffmann. Ferry Ahrlé war ein Glückskind. Das Leben warf ihn nie aus der Bahn, sondern katapultierte ihn dorthin, wo er am glücklichsten war: Vor einer Staffelei.

Die Beerdigung

Ferry Ahrlé wird am Freitag, 13. April, um 10.30 Uhr auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beerdigt.

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