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Frankfurter darf in der Schweiz Filme schauen

Schon als Jugendlicher war Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom, begeisterter Kinobesucher. Foto: Holger Menzel Schon als Jugendlicher war Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom, begeisterter Kinobesucher.

Schwitzen muss Joachim Valentin . „Selbst abends sind es noch über 30 Grad“, sagt der Direktor des Hauses am Dom, der zurzeit im Kanton Tessin weilt. Doch der katholische Kirchenvertreter macht nicht etwa Urlaub in der Schweiz, sondern er schaut sich im Kurstädtchen Locarno am Nordufer des Lago Maggiore Kinofilme an – 29 an der Zahl.

Erneut ist der Frankfurter ein Mitglied und Direktor der Ökumenischen Jury beim Internationalen Filmfestival in Locarno. Gemeinsam mit fünf anderen Experten des religiösen Films sichtet er noch bis zum 12. August beim renommierten Festival, das in diesem Sommer zum 70. Mal stattfindet, jene Beiträge, die ihren Fokus auf religiöse, menschliche oder soziale Werte legen. Insgesamt gehen mehr als 300 Spiel- und Dokumentarfilme in den verschiedenen Kategorien ins Rennen.

Besonders auf den Flair der Abendvorführungen auf der mittelalterlichen Piazza Grande freut sich Valentin – es ist das größte Freilichtkino Europas mit 9000 Plätzen und einer „riesigen Leinwand“, so der Jury-Direktor. Sein Hotel liegt im Nachbarort Ascona, wo er noch vor Festivalstart das große Feuerwerk zum Schweizer Nationalfeiertag erlebte. „Wir Juroren fahren täglich mit dem Shuttle nach Locarno rein. Um so viele Filme an elf Tagen zu schaffen, fangen wir morgens an.“ Hinzu kommen weitere Veranstaltungen, auf die er sich freue. So wird heute (4. August) Oscar-Preisträger Adrien Brody („Der Pianist“) mit dem Leopard Club Award geehrt – der Ehrenpreis des Festivals für Filmpersönlichkeiten, „deren Arbeiten sich in das kollektive Gedächtnis eingeprägt haben.“

Alle zwei bis drei Tage treffen sich die Jury-Mitglieder, tauschen sich aus und diskutieren, aber ohne den persönlichen Favoriten untereinander zu kommunizieren. „Denn der kann sich bis zum Schluss noch ändern, manchmal kommen großartige Filme nicht am Anfang“, betont Valentin. Eine Tendenz ließe sich bereits jetzt feststellen: „Viele Beiträge widmen sich den Themen Beauty, Fitness und Wellness, dem Selbstoptimierungsgedanken dahinter. Auch um Familienproblematiken und die weltweite Migration geht es.“ Dahingehend sei das Festival ein Spiegel der Themen, welche die Menschen umtreiben.

Schon als Schüler in der Nähe von Limburg war Joachim Valentin ein großer Kinofan: „Ich weiß noch, wie ich als 17-Jähriger im Kino ,Mondpalast’ den Musik- und Ballettfilm ,Carmen’ von Carlos Saura gesehen habe. Dieser hat mich nachhaltig geprägt.“ Im Theologiestudium beschäftigte er sich mit der Apokalyptik im Spielfilm, schlug so die Brücke zum Beruf. „Ich gehe jede Woche einmal ins Kino, die aktuellen Filme schaue ich mir regelmäßig an. Anders geht es nicht, sonst bleibt man nicht auf dem Laufenden“, sagt der Cineast und nennt, gefragt nach seinem Lieblingsschauspieler, den Kanadier Ryan Gosling . „Ihn habe ich neulich im Offenbacher Hafenkino im Drama ,Song to Song’ gesehen, großartig.“

Und weit zum „eigenen“ Kino hat er es auch nicht. Auf der Dachterrasse des Hauses am Dom gibt es wieder Sommer-Freiluftkino. Noch bis zum 13. August locken Filme und Sternenhimmel. Die letzten Tage dieser Saison wird er verpassen, denn nach dem Festival-Marathon geht es für den Kirchenmann gleich weiter in den Urlaub „nach Ligurien“.

(fai)
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