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Stadtgeflüster: Frauen dürfen in den Herren-Klub

Von Knut Günthers Klage gegen die Frankfurter Gesellschaft ist auch von dem Oberlandesgericht abgeschmettert worden.
Knut Günther Foto: Bernd Kammerer Knut Günther
Frankfurt. 

Auch Frauen dürfen Mitglieder des Vereins Frankfurter Gesellschaft sein. Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) hat gestern entschieden, dass die Satzungsänderung der Gesellschaft nicht unwirksam ist.

Der Kunsthändler Knut Günther hatte den Club in zweiter Instanz verklagt, weil dieser im November 2015 die Satzung geändert hatte. Seitdem war es möglich, Frauen aufzunehmen.

Zuvor war der Club 96 Jahre lang ein reiner Herrenclub gewesen. Günther wollte, dass das so bleibt. Seine Begründung: Der Vereinszweck sei das Gespräch „von Mann zu Mann“.

Darüber war bereits einmal vor sechs Jahren abgestimmt worden. Und damals fiel die Wahl so aus, dass alles so bleiben sollte, wie gehabt: Für eine Änderung wäre eine Dreiviertelmehrheit notwendig, und die wurde nicht erreicht.

2015 hieß es dann, dass die Satzung insoweit geändert werden sollte, dass jeder, der die Vereinszwecke fördert, Mitglied werden könne. Bei dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung sprach sich die Mehrheit der Anwesenden gegen eine geheime Abstimmung hierüber aus.

Genau diesen Umstand prangert Knut Günther an. Er hält diese Art der Wahl per Akklamation für die falsche. Dagegen hatte er schon einmal geklagt und war vor dem Landgericht gescheitert.

Nun hat auch das OLG die hiergegen eingereichte Berufung nach Anhörung von zehn Zeugen zurückgewiesen. Die Satzungsänderung sei wirksam, so das Oberlandesgericht. Dem Präsidenten seien bei der Versammlung jedenfalls „keine für die Wirksamkeit des Beschlusses relevanten Fehler unterlaufen“, so Richter Dr. Rainer Oberheim in seinem Urteil.

Es wäre zwar möglicherweise sachgerechter gewesen, die Abstimmung geheim statt offen durchzuziehen. Da sich jedoch die Mitglieder in der Versammlung für eine offene Abstimmung ausgesprochen hätten, sei dies „zu respektieren“ gewesen. Weder die Satzung der Frankfurter Gesellschaft noch das Gesetz gingen grundsätzlich von der Notwendigkeit einer geheimen Abstimmung aus, heißt es in dem Urteil weiter.

Der satzungsmäßige Zweck der Frankfurter Gesellschaft umfasse „einen lebendigen Gedankenaustausch im Dienste der Gesellschaft“; „tolerantes Denken und Verhalten“ sei Voraussetzung einer Mitgliedschaft. Die Diskussion über die Öffnung des Vereins „für Personen jeden Geschlechts“ und der Umgang mit den hierzu vertretenen Meinungen stelle sich damit „geradezu als Erprobung der zentralen Werte des Vereins dar“, so der Richter weiter.

Der Beschluss über die Satzungsänderung sei auch mit der erforderlichen Mehrheit gefasst worden. Die vom Kläger behaupteten „chaotischen Zustände“ bei der Abstimmung habe die Beweisaufnahme nicht bestätigt.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Knut Günther gestern zu der Entscheidung des Gerichts: „Dem Stil unserer Gesellschaft folgend, bitte ich um Verständnis, dass ich mich zu solchen Sachen nicht äußere.“

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