E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 16°C

Stadtgeflüster: Geburtstagssause mit 300 Gästen

Das Motto des Tigerpalasts: „Liberté, Egalité, Varieté“. Das Finale einer grandiosen Show. Bilder > Das Motto des Tigerpalasts: „Liberté, Egalité, Varieté“. Das Finale einer grandiosen Show.

Es ist das Fest, das alle zu diesem Anlass erwartet haben: Glanz, Glamour und viele außergewöhnliche Künstler prägten den 30. Geburtstag des Tigerpalasts, der mit etlichen Hundert Gästen im Palmengarten Gesellschaftshaus gefeiert wurde. „Der Tiger unter Palmen“, scherzt Johnny Klinke , der mit Margareta Dillinger und Matthias Beltz vor drei Jahrzehnten diesen Palast der Künste ins Leben rief. Zunächst in einem Hinterhof an der Heiligkreuzgasse, wo eins die Heilsarmee untergebracht war. Wieder ein echter Klinke: „Hochkultur im Hinterhof“. Aber recht hat er ja. Schulterklopfer gibt es an diesem Abend ebenfalls viele. Und auch sie haben recht.

Zu den ersten Gratulanten zählt Ministerpräsident Volker Bouffier , der trotz der heißen Wahlkampfphase lange bei dieser Geburtstagssause blieb – und Dillinger und Klinke den Hessischen Kulturpreis überreichte (wir berichteten). Übrigens: Der Tigerpalast erhielt vor gut zwei Wochen bereits den mit 50 000 Euro dotierten Binding-Kulturpreis. Johnny Klinke („viele wissen das gar nicht, aber er heißt eigentlich Johannes“, erklärte der Ministerpräsident dem Publikum) sprach von einem „unheimlich großen Netzwerk von Menschen und Institutionen“, das im Lauf der Jahre entstanden sei, und bedankte sich brav, aber herzlich bei den vielen Helfern. Etwa bei Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger , „der mein Chef bei der Eintracht ist“. Allerdings war Ehinger der einzige Vertreter des Erstligisten an diesem Abend. Kein Adler beim Tiger. Johnny Klinke, Margareta Dillinger und Robert Mangold , geschäftsführender Gesellschafter der Palmengarten-Gastronomie, die zum Tigerpalast zählt, werden es verkraften.

Und dann gibt es die gute Nachricht des Abends: „Ich habe mich mit dem Intendanten des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp , vertragen. Und ich glaube, dass der hr wirklich passt zu diesem Land“, sagt Johnny Klinke – vielleicht etwas zweideutig –, der sich auch beim Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill bedankte. Aber auch hier ging es nicht ohne Spitze. „Stellen Sie sich mal vor, vor 30 Jahren wären sie privat mit Ihrer Frau zu einer unserer Geburtstagsfeiern gekommen. Das wäre nicht ohne zwei Wasserwerfer und zwei Hundertschaften gegangen.“

Klinke plauderte auch aus dem Nähkästchen: Landgraf Donatus von Hessen („heute wäre er König von Hessen“) habe seiner Frau Floria nach einer „Tigerpalast“-Premiere auf dem Weg nach Hause im Auto einen Heiratsantrag gemacht. „Ganz eindeutig: Auch mein Verhältnis zum Hochadel hat sich verändert“, so Klinke, der Alt-68er, der früher auf die Barrikaden ging.

Der Palast animierte auch einen anderen zu einem Heiratsantrag: Fraport-Chef Dr. Stefan Schulte . „Bei einem Abendessen im Tigerpalast habe ich Astrid gefragt, ob sie meine Frau werden will“, erinnert sich Schulte. Ein Jahr später gab sich das Paar das Jawort.

Ein Slogan von Matthias Beltz, der, viel zu früh verstorben, am Jubelabend zumindest über die Leinwand flimmerte, prägte das Leben rund um den Tigerpalast: „Liberté, Égalité, Varieté“. Und auch das griff der Ministerpräsident, der den Tigerpalast als „besonderen Stern“ in Hessen bezeichnete, in seiner Lobeshymne auf.

Doch nicht nur für Bouffier oder die, die sich im Dunstkreis des Tigerpalastes verliebt und verlobt haben, hat dieses Etablissement eine besondere Bedeutung. „Der Tigerpalast passt einfach zu Frankfurt mit seiner Internationalität und seiner Multikulti-Atmosphäre“, findet Dieter Graumann , der ehemalige Präsident des Zentralrats der Juden, der mit seiner Frau Simone „ab und zu zu den Premieren“ gehe. „Anfangs waren wir sehr oft im Tigerpalast“, sagt Sylvia von Metzler , die die „Vielfalt und den freien Gedanken und die hervorragenden Artisten“, schätzt. Sie sei bisher nur einmal dort gewesen, sagt hingegen Ellen Harrington , Chefin des Filmmuseums, die mit ihrem Mann Clay Crosby zur Feier kam.

Es war ein Abend mit Darbietungen der Superlative, den Joan Faulkner mit „The Time of your Life is now“ eröffnete. Was folgte, war Atemberaubendes von Könnern ihres Fachs. Das Einzige was freilich fehlte, war der Namensgeber: ein Tiger. Ein echter.

(es)

Zur Startseite Mehr aus Stadtgeflüster

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen