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Starpianist und Steinway-Künstler Joja Wendt: Geschichtenerzähler am Piano

Der Virtuose Joja Wendt aus Hamburg macht Klavierabende zu einem unterhaltsamen Erlebnis. Foto: Michael Faust Der Virtuose Joja Wendt aus Hamburg macht Klavierabende zu einem unterhaltsamen Erlebnis.
Frankfurt. 

Ihn zu treffen ist ein wenig wie ein Kurzurlaub im Land der guten Laune: Joja Wendt sprüht geradezu vor positiver Energie und hat sichtlich Spaß daran, Menschen seine Leidenschaft für die Musik näherzubringen.

Das tut der Ausnahmepianist während seiner Konzerte, bei denen er stets mit dem Publikum in Interaktion tritt, und das tut er im Interview. So auch kürzlich beim Besuch in Frankfurt, wo er im Restaurant Opéra seine große Tournee 2016 ankündigte, die ihn auch an den Main führen wird: am Mittwoch, 6. April, in die Alte Oper.

„Ich komme gerne hierher“, sagt er. „Schließlich hat Frankfurt ja eine lange, spannende Jazz-Tradition in Deutschland, und ich habe in der Mainstadt viele sehr treue Fans. Auch erinnere ich mich immer gerne an die Stunden nach dem Konzert im Großen Saal, bei einem oder meist mehreren Drinks im Operncafé oder Charlot.“

Auch privat verbindet den Musiker so einiges mit der Mainmetropole. „Eine gute Jugendfreundin, genauer gesagt meine erste Knutschfreundin, lebt hier“, erzählt er lachend. „Vor zwei Wochen habe ich sie und ihren Mann besucht und wir hatten eine tolle Geburtstagsfeier in Königstein. Das Restaurant hieß Miro’s, und dort stand ein schöner Flügel. Natürlich haben wir zu später Stunde noch so richtig gejammed, und das ganze Lokal hat mitgemacht.“ Und das ist es, was Joja Wendt an der Musik so liebt: ihre verbindende Kraft. „Es ist immer wieder ein ergreifendes Gefühl, wenn man eine bekannte Melodie anstimmt und man damit die verschiedensten Menschen erreicht.“

Doch nicht nur mit Evergreens von Blues über Rock und Pop bis Klassik berührt Joja Wendt sein Publikum: In seinem neuen Album, das im Februar erscheint, macht der Vollblutmusiker deutlich, „dass es auch heute noch möglich ist, Klaviermusik zu komponieren, die eine breite Öffentlichkeit erreicht und bewegt – wenn man denn bereit ist, den Geist und die Mechanismen der Zeit aufzunehmen, in der wir leben.“

Wie das geht? Laut Joja Wendt ganz einfach: „Indem man stets mit offenen Augen und wachem Geist durch die Welt geht. Man muss Ideen und Bilder sammeln. Daraus mache ich dann Geschichten.“ Und diese „erzählt“ er nicht bloß, er macht das Publikum auch zu einem Teil davon. Wie beim „Regenlied“, das dem allseits bekannten Klischee vom Hamburger Dauerregen und seinen verschiedensten Erscheinungsformen gewidmet ist; liebevoll natürlich.

„In meiner Heimat haben wir für jede Art von Regen den passenden Begriff: Mal pladdert’s, mal gallert es, und das hört sich natürlich immer unterschiedlich an.“ Und so animierte Joja Wendt nicht nur das Orchester während der Albumaufnahmen, die Regengeräusche zu imitieren, sondern er brachte vergangenen Sommer die Besucher des Klassik Open Air am Gendarmenmarkt dazu, mit den Fingern zu schnippen, die Hände zu reiben, die Schenkel zu klopfen und so „gemeinsam die richtige Soundkulisse zu schaffen. Ein tolles Erlebnis!“ Getoppt wird dieses sicherlich nur von seinem skurrilsten Auftritt, der ihn fernab der Heimat zum Superstar gemacht hat: In der chinesischen Version von „Wetten dass“ gab er seinen „Ping-Pong-Song“ zum Besten. Gemeinsam mit den hessischen Tischtennis-Legenden Timo Boll und Jörg Roßkopf , mit denen er eng befreundet ist und die bei einem Ballwechsel auf dem Flügel den Takt vorgaben. „Diese Schnapsidee hatte ich im Jahr 2010, als ich bei Thomas Gottschalk zu Gast war und Lizenznehmer des Show-Formats aus China mich einluden. Was soll ich sagen? Wir haben den Nationalsport und das Nationalinstrument vereint und damit einen Hit gelandet, den man in China überall kennt.“ Sogar bei der Neujahrsgala im chinesischen Staatsfernsehen, eine der Shows mit der größten Reichweite weltweit, war er als einziger deutscher Pianist Stargast.

Ob man das fußballverrückte deutsche Publikum auch mit der Tasten-Tischtennis-Komposition begeistern kann? „Florian Silbereisen hat uns eingeladen, den Ping-Pong-Song am Samstag, 20. Februar, in seiner Show zu performen. Spaßig wird das auf jeden Fall!“ Und Spaß ist ja bekanntlich die Hauptsache für Joja Wendt. nr

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