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Stadtgeflüster: Glück zum Anfassen

Wünschen viel Glück für das neue Jahr: Schornsteinfeger Ralf Kohn und Schauspielerin Isabell Berghout in luftigen Höhen. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Wünschen viel Glück für das neue Jahr: Schornsteinfeger Ralf Kohn und Schauspielerin Isabell Berghout in luftigen Höhen.

Wenn Schornsteinfegermeister Ralf Kohn den traditionellen Kehranzug trägt, noch dazu mit Zylinder, wollen ihn alle anfassen – denn im Volksglauben verheißt eine Berührung des schwarz gekleideten Handwerkers pures Glück. „Dann bitte ich diejenigen, den goldfarbenen Knopf an meiner Jacke zu berühren und sich etwas zu wünschen. Viele wünschen sich Gesundheit oder einen Lottogewinn“, erklärt der 45-jährige Kamin-Experte aus Bad Homburg, der in Frankfurts Innenstadt als selbstständiger Schornsteinfegermeister tätig ist. Er kennt die Dächer auf der Zeil und auch die entlang der Eschersheimer Landstraße und Berger Straße, so weit erstreckt sich sein Bezirk.

Früher stieg er als Mitarbeiter eines Betriebs der Fressgass’ aufs Dach, „dort auf der Straße konnte man keine fünf Meter gehen, ohne angesprochen zu werden. Das ganze Jahr über und nicht nur zum Jahreswechsel wollten mich die Menschen als Glücksbringer berühren“, erinnert er sich.

Auch während des Interviews an der Kleinmarkthalle sprechen Passanten den Handwerker an, lächeln, berühren den Knopf und freuen sich über den erhofften Nachschub an Glück. Zylinder und das altertümliche Kehrgerät mit Kugel, Kette, Hanfleine und Aufschlagring sieht man eben nicht alle Tage auf der Straße. Den Hut trage er auch bei Hochzeiten, für die er gebucht werde, erzählt Ralf Kohn, denn manche gehen beim Start ins Eheglück lieber doppelt auf Nummer sicher. Über die Schornsteinfegerinnung Rhein-Main können Paare mit ihm Kontakt aufnehmen.

Die Gründe, weshalb Schornsteinfeger so viel Glück bringen, reichen ins Mittelalter zurück. Offene Herdstellen und verrußte Kamine verursachten früher oft verheerende Brände. Erst der Kaminkehrer schuf Abhilfe und brachte durch den ausgeführten Brandschutz buchstäblich Glück für das Haus und die Bewohner. Im magischen Denken übertrug sich das auf die Gestalt des Schornsteinfegers.

„In der Stadt haben wir heute mehr mit Überprüfungstätigkeiten, etwa an Gasgeräten, zu tun als mit Kehrtätigkeiten“, beschreibt der Meister seine Arbeit, um dann Schauspielerin und Wahlfrankfurterin Isabel Berghout – bekannt aus der Serie „Soko Wismar“ – den schönen Nebeneffekt seiner Tätigkeit zu zeigen: den Skyline-Blick. Auf dem Dach geht es gleich ans Wünschen fürs neue Jahr, unter anderem hofft die Mimin auf „weitere tolle Engagements und viel persönliches Wachstum, das Lernen an sich selbst“.

Noch bis 4. Februar tritt sie in der Komödie im Stück „Monsieur Claude und seine Töchter“ auf, und sogar in der Silvesternacht steht sie in einer Doppelvorstellung auf der Bühne: „Kurz vor Mitternacht machen wir die Pause, damit die Gäste auf das neue Jahr anstoßen können.“ Durch ihre Arbeit werde der Jahreswechsel anders als sonst. „Normalerweise feiere ich ganz gemütlich zu Hause, viel essen und ein Zusammensein mit Freunden, auch tanzen.“ Zündeln sei aber nicht ihr Ding, denn: „Ich bin gegen Böller, mir tun die Tiere leid, die von diesem Lärm überrascht werden. Auch das Geld zerspringen zu sehen finde ich schade. Lieber spende ich das Geld.“ Und wie es in den Märchen heißt, Wünschen will gelernt sein, denn ein Lottogewinn, Ruhm oder ein schöner Prinz machen nicht immer glücklicher. „Beim Formulieren muss man vorsichtig sein“, rät die Schauspielerin.

(fai)

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