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Stadtgeflüster: Ihr Leben – ein filmreifes Drama

Gisela Getty in den E-Kinos. Sie präsentierte einen Film und ihr Buch über die Entführung ihres Mannes 1973. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Gisela Getty in den E-Kinos. Sie präsentierte einen Film und ihr Buch über die Entführung ihres Mannes 1973.

Sie blickt auf ein Jahr voller Trauer zurück. In wenigen Tagen jährt sich der Tod ihrer Zwillingsschwester Jutta Winkelmann zum ersten Mal. Und vor nur wenigen Wochen starb Schauspieler Rolf Zacher , mit dem sie ihre Tochter Anna hat. Doch wie Gisela Getty da in der Bibliothek der Villa Orange auf der Couch sitzt, wirkt sie im Reinen mit sich und der Welt.

Nach Frankfurt ist sie aus zwei Gründen gekommen. Zum einen lief gestern der Film „Alles Geld der Welt“ von Ridley Scott , ein Streifen über die Entführung von John Paul Getty im Jahr 1973, mit dem sie ebenfalls verheiratet war. Nach Zacher. Zum anderen kam vor Kurzem ihr neuestes Buch „Kidnapping Paul“ auf den Markt. „Es ist eine neue und erweiterte Auflage des Buchs ,The Twins’, das meine Schwester und ich vor acht Jahren schon geschrieben haben“, erklärt die 68-Jährige, die eine lange Einleitung und ein Nachwort für diese Edition verfasste, die auch wieder im Weissbook-Verlag erschien. „Es war uns beiden damals wichtig, dieses Buch zu machen, um auch die weibliche, sonst unsichtbare Geschichte zu zeigen. Sie war der Hintergrund, der alles bewegt hat und wir mussten sagen, was wir alles erlebt haben.“ Auch Scotts Film sei sehr männlich, findet sie. Die Buchveröffentlichung kommt im richtigen Moment, schließlich ist der Streifen in aller Munde – unter anderem auch weil Schauspieler Kevin Spacey herausgeschnitten und durch Christopher Plummer ersetzt wurde, der jetzt für die beste Nebenrolle für den Oscar nominiert ist.

Obwohl Gisela Getty damals alles miterlebte, kamen von den Filmemachern keine Anfragen. „Ich kann es auch verstehen, denn man kann nicht nur ein Familienmitglied fragen, und als Künstler darf man sich diese Freiheit nehmen“, findet sie. „Der Film ist nicht meine Geschichte, aber er zeigt eines: dass Liebe und Geld nicht zusammengehen“, findet Gisela Getty, die in Kassel das Licht der Welt erblickte. „Die Monate der Entführung waren unendlich lang“, erinnert sich Gisela Getty, die ebenfalls mit ihrer Schwester entführt wurde. „Der Mafia-Boss war in meine Schwester verliebt, aber wir konnten nach drei Tagen entkommen“, berichtet sie.

In der dieses Jahr startenden Serie „Trust“ von Danny Boyle , die sich ebenfalls mit der Getty-Entführung befasst, „werden wir sehr prominent vertreten sein durch die beiden deutsch-italienischen Bellini-Zwillinge Laura und Sarah, die uns spielen“, so Gisela Getty.

Zurzeit arbeitet sie mit ihrem Neffen an einem Film. Trotz des schwierigen Themas, dem Tod, „solle es ein schöner Film werden, der den Menschen Mut macht“, erklärt sie. Die letzten sechs Monate des Lebens ihrer Schwester sind darin festgehalten. Im nächsten Jahr soll der Streifen mit einer großen Gedenkfeier an Jutta Winkelmann erscheinen, und in diesem Jahr will Gisela Getty sich der Arbeit daran widmen. „Wir haben Juttas Asche nach Indien gebracht, das war ihr letztes Geschenk an uns“, sagt sie. Wir, das waren Jutta Winkelmanns Tochter, ihr Sohn und dessen Frau sowie Rainer Langhans , mit dem die Schwestern in Berlin in der Kommune 1 lebten. Langhans begleitete Jutta auch auf ihrem letzten Weg. „Ich glaube, es ging ihr gar nicht so sehr darum, dass ihre Asche nach Indien gelangt, sondern dass wir zu dieser Erfahrung kommen“, sinniert Gisela Getty.

(es)

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