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Kritischer Filmer schätzt Visionen

Der preisgekrönte Regisseur Andres Veiel posiert gern vor dem Beuys-Kunstwerk im Deutschen Filmmuseum am Schaumainkai – sein neuer Film beschäftigt sich mit dem Beuyschen Œuvre. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Der preisgekrönte Regisseur Andres Veiel posiert gern vor dem Beuys-Kunstwerk im Deutschen Filmmuseum am Schaumainkai – sein neuer Film beschäftigt sich mit dem Beuyschen Œuvre.

Im Foyer des Filmmuseums am Schaumainkai stehen unter einer gläsernen Abdeckung mehrere Filmrollen. Sie bilden ein Kunstwerk, genauer gesagt eine Skulptur des Künstlers Josef Beuys . Sie enthalten das Filmdrama „Das Schweigen“ des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergmann . Hinter der Vitrine steht ein anderer Regisseur: Andres Veiel , bekannt geworden unter anderem durch seinen Streifen „Black Box BRD“. Er betrachtet das Beuys-Werk.

Mit dem Film „Die Überlebenden“ gewann Veiel 1996 den Adolf-Grimme-Preis, ehe er 2001 mit „Black Box BRD“ einem größeren Publikum bekannt wurde. In dem Dokumentarfilm stellte er die Biografien des Bankmanagers Alfred Herrhausen und des Terroristen Wolfgang Grams der Rote Armee Fraktion (RAF) einander gegenüber. Diese parallele Betrachtung bescherte Veiel den Deutschen und den Europäischen Filmpreis. Während der Dreharbeiten zu „Black Box BRD“ hatte er zwei Monate in Frankfurt gewohnt. Und erinnert sich: „Ich erlebte hier die kontroversesten Debatten zu all’ meinen Filmen.“ Einmal hätten in einer Vorführung Vertreter des Bundeskriminalamtes, der Deutschen Bank sowie ehemalige und teils aktuelle Sympathisanten der RAF gesessen. „Das ist Frankfurt, wo das alles nebeneinander existiert. Und wo wir in einem Theater die Premierenfeier abhielten, bei der diese Gruppen mehr oder weniger den Film gemeinsam gefeiert haben“.

Und nun erlebte Veiel eine ganz besondere Kombination im Deutschen Filmmuseum am Main: Denn der 57-Jährige präsentierte im proppenvollen Kinosaal des Hauses seinen neuesten Streifen. Der viel gefeierte Dokumentarfilm trägt den Titel „Beuys“ und wurde bei der diesjährigen Berlinale erstmals gezeigt. In der Reihe „Was tut sich im Deutschen Film?“ stellte Veiel ihn nun in Frankfurt vor.

„Dem Deutschen Filmmuseum bin ich seit etlichen Jahren sehr verbunden“, erzählte Veiel, der vor ziemlich genau zehn Jahren seinen Film „Der Kick“ hier vorstellte, und zwar als Teil jener Reihe, in der nun auch „Beuys“ über die Leinwand flimmerte. „Für diesen Film habe ich damals hier einen sehr, sehr schönen Preis bekommen– er war Film des Jahres des Evangelischen Pressedienstes (epd).“

Nicht nur fürs Filmmuseum schwärmte Veiel, nein, auch für die Reihe „Was tut sich im Deutschen Film?“. Denn: „Es ist eine Reihe, in welcher Filme nicht nur einem interessierten Publikum gezeigt werden und es dann dazu ein Publikumsgespräch gibt. Vielmehr taucht man hier gründlicher und tiefer in die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Films ein und betrachtet den Gesamtkontext richtig gründlich“, lobt Veiel. Dies sei „ außergewöhnlich“.

Die Reihe sei keine Veranstaltung wie jede andere. „Mit dem Film ,Beuys‘ habe ich gut 40 Vorstellungen begleitet. Und ich habe mich dazu entschieden, eigens zu dieser Veranstaltung nach Frankfurt zu kommen, weil sie eben in meinen Augen einen ganz besonderen Stellenwert hat“, so Veiel. Für ihn ist es „sehr interessant zu sehen, wie eine Figur wie Beuys in den verschiedenen Ländern aufgenommen wird“. Veiel präsentierte den Streifen bereits auch im Ausland.

Joseph Beuys, der Kunsttheoretiker und Künstler mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke – 30 Jahre nach seinem Tod zeigt sich, wie weit der Visionär seiner Zeit voraus gewesen war. Früh erklärte er, dass Geld keine Ware sein dürfe; er wusste, dass der Geldhandel die Demokratie unterwandern würde und fragte „Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?“. Sein Kunstbegriff führte ihn in den Kern gesellschaftlicher Debatten.

Veiels Filmcollage skizziert, warum Beuys als einflussreichster deutscher Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts gilt. „Ein Künstler, der von der Kunst aus die Grundfragen stellt, was Demokratie eigentlich ist und wie sie gelebt und verteidigt werden kann, gibt diesem Film eine ganz andere Wirkung und Aktualität“, sagte Veiel. Er arbeitet bereits am nächsten Projekt: „Es handelt sich um ein Theaterstück, mit dem wir in die Zukunft gehen. Ein auf Fakten beruhendes Stück Science Fiction: Wir setzen eine Wirtschafts-Finanzkrise im Jahr 2026 an“.

(es)
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