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Kulturpreis für die Kinothek

Rosley Schweizer (Mitte) übergab im Kaisersaal den Binding-Kulturpreis an Heidi Schlüpmann und Karola Gramann (von links) von der „Kinothek Asta Nielsen“. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (.) Rosley Schweizer (Mitte) übergab im Kaisersaal den Binding-Kulturpreis an Heidi Schlüpmann und Karola Gramann (von links) von der „Kinothek Asta Nielsen“.

Der Kaisersaal verwandelt sich in einen Kinosaal. Zu sehen ist: „Die Nielsen trinkt“. Es ist ein Stummfilm, eine kurze filmische Revue, begleitet von Pianistin Elvira Plenar am Flügel. Nach der Verleihung des Binding-Kulturpreises an Karola Gramann und Professorin Heide Schlüpmann vom Verein „Kinothek Asta Nielsen“ ist dies der zweite Höhepunkt der Feierstunde an diesem späten Vormittag. Damit reiht sich der Verein in eine illustre Reihe von Preisträgern ein. Zu ihnen zählen neben anderen Theatermann Michael Quast , der ehemalige Städel-, Liebieghaus- und Schirnchef Max Hollein und das Literaturhaus.

Im Römer dabei: Felix Semmelroth (links) und Friedrich von Metzler Bild-Zoom Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (.)
Im Römer dabei: Felix Semmelroth (links) und Friedrich von Metzler

Seit 1996, dem 125. Geburtstag der Binding-Brauerei, ehrt die Binding-Kulturstiftung mit dieser mit 50 000 Euro dotierten Auszeichnung Kulturschaffende aus der Mainmetropole und dem Rhein-Main-Gebiet. Das Geld kann der Verein „Kinothek Asta Nielson“ gut gebrauchen. Die Mitglieder setzen sich für den Erhalt der Filmgeschichte in ihrer Vielfalt ein und retten Filmkunst, die durch das Raster aktueller Filmbetrachtung fällt und zu vergessen werden droht. Sie seien froh, dass sie sich jetzt in ihren Räumen an der Stiftstraße eine Büroausstattung leisten könnten, bei der sich alle Computer verstehen, so die beiden Mitbegründerinnen der Kinothek, die sich seit 1999 vor allem der Filmarbeit von Frauen in Geschichte und Gegenwart widmet. Aber sie setzen die Mittel auch für weitere Projekte ein. Zu diesen gehören auch Filmreihen, wie etwa die zum Thema hundert Jahre Frauenwahlrecht oder der Frankfurter Frauenfilmtag unter dem Motto „Der zweite Blick“ im kommenden Jahr.

Die Kinothek leiste mit ihren Aktivitäten einen unschätzbaren Beitrag zur Rettung des Filmerbes, begründete die Jury unter dem Vorsitz des ehemaligen Frankfurter Kulturdezernenten Felix Semmelroth ihre Entscheidung für die Kinothek. Überreicht wurde der Preis von Rosely Schweizer als Vertreterin der Unternehmerfamilie Oetker. Sie vertrat ihre Schwester Gräfin Bergit Douglas , die Vorsitzende des Vorstands der Binding-Kulturstiftung. Diese hatte ihre Teilnahme aus persönlichen Gründen abgesagt, weil ihr Mann, Christoph Graf Douglas , Vorsitzender der Jury, im September des vergangenen Jahres plötzlich verstorben war.

In ihrer Laudatio ging Rosely Schweizer auch auf das Leben und Wirken der Namensgeberin der Kinothek ein. Asta Nielsen hatte ihre schauspielerische Karriere im Jahr 1911 in Frankfurt begonnen und sei eine „erotische, willensstarke und unternehmerische Frau“ gewesen. Wenn Asta Nielsen feierte, so sei es überliefert, habe sie ihre Freunde stets zu einem Butterbrot und einem Glas Bier eingeladen. „Diese Frau hatte Geschmack“, scherzte die Laudatorin.

„Asta Nielsen haben wir als Namensgeberin gewählt“, sagte Gramann, „weil sie, heute zwar vergessen, einst ein weltweit bekannter und beliebter Star war, der die Menschen von Japan bis Argentinien in die Kinos zog“. Sie habe eine eigene Ästhetik des Spielfilms entwickelt. Für die Mitbegründerinnen der Kinothek steht fest, dass der Preis für sie einen Ansporn darstellt, weiterzumachen. Der Erhalt des Kulturpreises zeige, dass der Verein in der Kulturszene, bei der Politik und in der Stadt fest verankert und vernetzt sei – weit über Frankfurt hinaus. Durch die Auszeichnung sei der Verein im Bewusstsein der Frankfurter Kulturförderer angekommen.

„Das ist Ehre und Freude zugleich und wir wünschen uns, dass dies der Start für eine Verbreiterung und Intensivierung unseres Wirkens in der Stadt und der Region ist“, so Gramann weiter. Der Preis sei Ermutigung, nicht nachzulassen, sondern dafür zu sorgen, dass „unsere Arbeit in der nächsten Generation weitergeführt wird“, sagte Schlüpmann. Oberbürgermeister Peter Feldmann würdigte die „große Leistung für die Kulturlandschaft unserer Stadt“, die die Kinothek Asta Nielsen vollbracht habe. Der Verein kümmere sich um Filme „jenseits des Kanons“ und habe eine „einzigartige Sammlung“ aufgebaut.

(es)
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