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Stadtgeflüster: Lange als Gemüsehändler abgestempelt

In der Kleinmarkthalle gefällt es Giovanni Arvaneh. Als Gemüsehändler in der ARD-Soap „Marienhof“ wurde er bekannt – doch für den Schauspieler blieben danach die Engagements in Deutschland aus. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) In der Kleinmarkthalle gefällt es Giovanni Arvaneh. Als Gemüsehändler in der ARD-Soap „Marienhof“ wurde er bekannt – doch für den Schauspieler blieben danach die Engagements in Deutschland aus.

Der Besuch der Kleinmarkthalle lässt Erinnerungen bei Schauspieler Giovanni Arvaneh aufkommen, mehr als 17 Jahre spielte der gebürtige Münchner in der ARD-Daily-Soap „Marienhof“ den Gemüsehändler Sülo Özgentürk. Noch bis zum 18. März ist er in der Frankfurter „Komödie“ im Stück „Alles über Liebe“ an der Seite von Renan Demirkan („Dr. Klein“) und Tanja Schumann zu sehen.

Arvanehs Hundedame Anna muss vor der Markthalle warten, was der süße Jack Russell ohne Murren und Leine tut. „Anna bleibt eisern bei mir“, erklärt das Herrchen. Auch im Café kann man beobachten, wie die beiden ein Herz und eine Seele sind. Nach seinem dramatischen „Marienhof“-Tod blieben für ihn die Filmangebote aus: „Ich hatte dadurch in Deutschland einen Stempel, war festgelegt. Dann aber kamen spannende Rollen in der Türkei, auch durfte ich mal den Bösewicht spielen“, erzählt er. Mittlerweile ist er in der Türkei mindestens so bekannt wie hierzulande, und es kommt gar nicht selten vor, dass Türken in Deutschland den Serienstar auf der Straße erkennen.

Mehrere Sprachen waren im Münchner Elternhaus präsent: „Mein verstorbener Vater war Perser, der in der Teheran aufgewachsen ist, meine Mutter ist Italienerin.“ Wenn er über seine Kindheit spricht, wird der Schauspieler ernst. „Mein Vater, zeitlebens Analphabet, aber dennoch ein erfolgreicher Geschäftsmann, war sehr gewalttätig uns gegenüber. Auch verbale Abwertungen waren an der Tagesordnung. Er starb nach vier Ehen einsam und allein in Persien, meine Mutter fand noch mit 78 Jahren eine neue glückliche Beziehung.“

Verzweifelt ist Giovanni Arvaneh nicht an der Gewalt, „auch wenn es paradox klingt, all das, was passierte, machte mich zu dem Menschen, der ich heute bin, ich lernte viel daraus.“ Er wurde parallel zum Schauspielberuf Gestalttherapeut und ließ sich zum Heilpraktiker für Psychologie ausbilden, „zunächst zur Selbsterforschung“. Heute arbeitet er als Business-Coach und hilft im eigenen Netzwerk anderen, Lasten aus dem Weg zu räumen. „Ich bin gefragt als emotionales Trüffelschwein, als ,Spürer‘ der Gefühle mir fremder Menschen“, beschreibt er selbstbewusst seine Arbeit.

Er selbst lebe heute in einer glücklichen Beziehung ohne Trauschein, und zu seiner Tagesroutine gehöre die Meditation. Das klingt nach guter Erdung. Im Westend hat der sympathische Schauspieler nun Quartier bezogen, bevor es für ihn im April zurück geht ans Theater nach Stendal, wo er unter anderem in die Rolle des „Professor Higgins“ in „My Fair Lady“ schlüpft.

Frankfurt genießt er, die Berger Straße mit den vielen Cafés hat es ihm besonders angetan. Im aktuellen Stück gibt er seiner Partnerin mit dem therapeutischen Schaumstoffschläger Paroli, umgekehrt steckt er ebenso Hiebe ein – und das alles, um eine Ehe zu retten. „Ein sehr lustiges und zugleich schnelles Stück. Jeder in einer langjährigen Beziehung kann sich darin selbst erkennen.“ Reihenhaus, Sonntagskuchen, der Kartoffelsalat der Schwiegermutter und der verstaubte Pfeil von Amor – der Alltag frisst die Liebe auf. Auch als Therapeut weiß er: „Redet mehr miteinander, ist die Botschaft, die zum Schluss mit tosendem Applaus quittiert wird.“

(fai)

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