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Stadtgeflüster: Léa Linster: Energiebündel am Herd

Die Luxemburger Sterneköchin Léa Linster und der Frankfurter Küchenchef Leo Caporale sind ein eingespieltes Team. Nun standen sie gemeinsam im Ristorante Brighella am Herd. Foto: Bernd Kammerer (.) Die Luxemburger Sterneköchin Léa Linster und der Frankfurter Küchenchef Leo Caporale sind ein eingespieltes Team. Nun standen sie gemeinsam im Ristorante Brighella am Herd.

Wäre diese Frau nicht Köchin geworden, hätte ihr eine Karriere als Spitzenathletin mehr als nur gut zu Gesicht gestanden. Die Energie, über die Léa Linster verfügt, scheint grenzenlos. 62 Jahre soll sie alt sein. Die sind ihr nicht anzumerken.

Bekannt ist die luxemburgische Gastronomin in Deutschland übrigens wegen ihrer Fernsehauftritte im Fernsehgarten oder in „Die Küchenschlacht“. „Ich bin froh, bei euch im Fernsehen zu sein“, sagt die lebensfrohe Köchin. Nun war sie vor Kurzem in Frankfurt. Sie lernte „Handkäs’ mit Musik“ kennen und bildete sich schnell ein Urteil: „Wenn du die Nacht durchgemacht hast und du hast am Morgen einen Termin, dann bringt dich dieses Gericht wieder auf die Erde zurück.“ Dein Gegenüber dann aber ebenfalls.

Begeistert zeigt sich der Profi von unserer Grie Soß’: „Richtig zubereitet ist sie eine Delikatesse.“ Doch nicht nur kulinarisch war die 62-Jährige in der Mainmetropole unterwegs. Sie kaufte sich auch einen Rock und einen Pulli. Mit dem Frankfurter Koch Leo Caporale stand sie dann auch gemeinsam am Herd. Aber bevor sie zusammen in die Küche gingen, genehmigten sie sich einen Crémant. „Es kocht sich einfach besser, wenn man einen kleinen Ansatz von Alkohol im Blut hat“, meint Léa Linster, die auch Winzerin ist. Und der Crémant stammt – wie sollte es anders sein? – aus ihren Weinbergen. „Léas Freude und Energie sind besonders ansteckend, wenn man sie in ihrem Restaurant erlebt“, weiß Leo Caporale. Nicht zuletzt deshalb kann er das behaupten, weil er sie dort live in Aktion beobachtete. Klar, dass er sie einlud, mit ihm diesen Abend zu gestalten. Unter dem Motto „Léa und Leo – Luxemburg trifft Italien“ zauberten die beiden Ausnahmeköche für ungefähr 60 Gäste typische Gerichte aus beiden Ländern. Für die italienische Küche hat Léa Linster einiges übrig. Das gibt sie knackig kund. „Wer die italienische Küche nicht mag“, da ist sich die Gastronomin sicher, „der hat eh noch ganz andere Probleme.“

Die Veranstaltung feierte zwar in der Mainmetropole Premiere, doch die beiden sind ein eingespieltes Team, kennen sich seit Jahren und haben vor einiger Zeit in Linsters Restaurant sozusagen die Generalprobe durchgezogen und für Politiker und andere Ehrengäste gekocht. Es gehe nicht um gegenseitige Inspiration, „sondern um die Kraft und die Energie, die man erlebt, die einem hilft, weiterzumachen. Wenn ich jemanden wie Léa erlebe, spüre ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, sagt Caporale. „Das Anstrengende beim Kochen“, sagt Léa Linster, „das ist nicht das Kochen, sondern das sind die Zweifel.“ Und sie fügt, mit Blick auf das luxemburgisch-italienische Event hinzu: „Nationalgerichte dürfen niemals verloren gehen.“ Deshalb gab es an diesem Abend im „Brighella“ an der Eschersheimer Landstraße, das Caporale seit mehr als 28 Jahren mit Mario Borazio führt, „Bouneschlupp mat Speck a Mettwurscht“. „Die habe ich neulich für Joschka Fischer gekocht – und er war begeistert.“ Zurecht. Aber Linster und Caporale stellen auch sofort eins klar: „Heute geht es nicht um einen Wettbewerb, sondern ums zusammen Kochen.“ Léa koche in „höchster Perfektion“, findet Caporale. „Und dass sie sich Zeit genommen hat, das mit uns hier und jetzt zu tun, das ist eine große Freude“, schwärmt Caporale, der mit Léa Linster einiges gemeinsam hat. Etwa, dass sein Lieblingsjahr 1989 ist. Damals öffnete sein Lokal die Pforten, im selben Jahr gewann sie den Bocuse d’Or in Gold. „Ich bin bis heute die einzige Frau, die diese Auszeichnung erhalten hat“, sagt Léa Linster, die 1987 vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wurde – den sie sich bis heute auch immer wieder erkocht hat. Und noch eins haben Léa und Leo gemeinsam: „Wir sind beide bei Alfred Biolek aufgetreten.“

Nichts lieben die zwei Köche mehr „als unsere Gäste“, versichern sie. Léa Linster etwa arbeitet nach drei einfachen Vorgaben: „Qualität, Zufriedenheit der Gäste und nicht zu viel Stress.“ Aber sie sagt auch: „Wenn bei mir einer unzufrieden ist, nehme ich ihm das schwer übel.“ Und sie meint das durchaus ernst. Es sei eben wichtig, „Gäste zu haben, die zu uns passen“. Und die haben an diesem Abend gepasst. Wie die Trüffel zu den Tagliolini.

(es)
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