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Lottofee macht Märchen wahr

Bei ihr ist das tapfere Schneiderlein gar nicht wirklich tapfer: Franziska Reichenbacher, hier mit ihrer dem Grimm-Märchen entlehnten Bühnenfassung vor der Alten Oper. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Bei ihr ist das tapfere Schneiderlein gar nicht wirklich tapfer: Franziska Reichenbacher, hier mit ihrer dem Grimm-Märchen entlehnten Bühnenfassung vor der Alten Oper.
Frankfurt. 

Sie hat es wieder getan. Moderatorin Franziska Reichenbacher nahm sich mal wieder ein Märchen vor, schrieb es um und setzte es nun für die Bad Hersfelder Festspiele um. Zurzeit probt die Lottofee intensiv mit ihren acht Darstellern das Kindertheaterstück „Das tapfere Schneiderlein“.

„Es ist meine zweite Regiearbeit“, sagt die 49-Jährige. „Es ist immer eine Herausforderung. Es geht darum, Figuren zu schaffen, die nah an uns heute sind. Denn die in den Märchen sind auf den ersten Blick erstmal fern – 200 Jahre alt. Aber in den Märchenstoffen gibt es immer einen Kern, der sich auf heute übertragen lässt“, sagt die zweifache Mutter. „Ich nehme ein Bild oder ein Thema oder die Grundsituation eines Märchens und entwickle daraus eine neue Geschichte“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise. „Das war beim ersten Stück ,Die Eule’ nach einer Erzählung der Brüder Grimm auch schon so. Die ,Goldene Gans’ war ebenfalls eine Weiterentwicklung. Beim ,tapferen Schneiderlein’ bin ich noch ein Stück weiter zu einer ganz neuen Geschichte gegangen – aber inspiriert vom Märchen der Brüder Grimm. Der Gürtel war die Inspiration. Sieben auf einen Streich“ – eine grandiose Idee.“

Reichenbachers „Das tapfere Schneiderlein“ spielt mit Wahrnehmungen. „Jemand wird als vermeintlich starker Mann und großer Kämpfer angesehen und dementsprechend verhalten sich die anderen ihm gegenüber. Haben Angst vor ihm, Respekt, wollen vermeiden, sich mit ihm anzulegen. In der Vorstellung der anderen entsteht so eine Figur, die es gar nicht gibt“, erzählt sie. „Dadurch, dass sie sich so verhalten, machen sie das Schneiderlein zum starken Mann – obwohl er keiner ist.“ Das Märchen habe einen unsympathischen Schneider, „aber mein Schneiderlein will niemanden reinlegen“. Im Leben sei es auch so. „Wenn wir ein Bild von einem Menschen haben, machen wir ihn zu dem, wie wir ihn sehen. Mit unserer Sicht erschaffen wir eine neue Wirklichkeit.“

Theater, das ist Franziska Reichenbachers Leidenschaft. „Ich liebe das Theater, habe ja auch mal Theaterwissenschaft studiert, dann kam erst mal eine Zeitlang der Journalismus und natürlich die Moderation der Lotto-Sendung. Und als die Kinder größer wurden, habe ich neben der Fernsehmoderation wieder mehr in Richtung Theater gemacht.“ Dass sie zur Regie kam, sei „ein bisschen“ auch Zufall gewesen, und sie erinnert sich an ihr erstes Mal: „Sagen wir mal so: Ich habe gewagt zu fragen.“ Weil sie das Buch auch selbst geschrieben hatte, „hing ich so an den Figuren und an der Geschichte, dass ich sie nicht hergeben wollte in fremde Hände.“

„Die goldene Gans“ kam gut an. „Wie immer im Berufsleben: Wenn etwas gut geklappt hat, dann besteht eine Chance, dass man es noch mal machen kann.“ Also engagierte Dieter Wedel , Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Reichenbacher erneut als Regisseurin. Wedel hatte Reichenbacher übrigens vor drei Jahren in seinen „Nibelungen“ in Worms eine Schamanin spielen lassen. Bei Wedels Hersfelder Debüt „Komödie der Irrungen“ war sie auch zu sehen. Als Garantie auf weitere Engagements sieht sie das nicht. „Das war, weil die ersten zwei Produktionen gut funktionierten.“

Der Schreibprozess ist nun beendet. Nun beginnt die gut vierwöchige Arbeit an der Inszenierung. „Es ist immer eine intensive Arbeit gemeinsam mit den Schauspielern. Auch ein persönlicher, intimer Prozess manchmal. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Schauspieler, ein schwerer Beruf! Und man ist so glücklich, wenn eine Szene gelingt“, weiß Franziska Reichenbacher, die sehr in Bad Hersfeld involviert sein wird und samstags zur Sendung nach Frankfurt fährt. Die Besetzung allein war schwierig: „Wir hatten vier Castings“, erinnert sie sich. Wedel sei sehr anspruchsvoll, was Theaterproduktionen für Kinder angehe. „Er kommt auch bei den Proben vorbei und übt Kritik. Er ist sehr kritisch, sehr genau. Jeder fürchtet seine Probenbesuche und hofft doch, dass er kommt und vielleicht – was selten vorkommt – sogar noch ein Lob sagt“, beschreibt sie die Arbeit des Kult-Regisseurs.

„Eine Theatervorstellung, wenn es gelingt, ist einfach etwas Wunderbares. Wenn ich – neben meinen anderen Projekten und meiner Arbeit für die Lotto-Sendung – weiterhin in diesem Bereich arbeiten kann, freue ich mich“, beschreibt sie ihre Ambitionen. „Aber ich habe es nicht in der Hand. Man braucht auch ein bisschen Glück.“

Lust, selbst auf der Bühne zu stehen, hätte sie auch. „Aber man kann nicht immer alles unter einen Hut bekommen.“ Hinzu kommt, „dass ich auch noch sehr gerne Moderatorin bin. Ich freue mich jeden Samstag auf die Lotto-Sendung im Ersten“. Jede Woche hat sie die Sendung, hat Termine für Lotto und arbeitet auch noch für andere Moderationen. Zudem hat sie Familie. Franziska Reichenbacher ist Realistin durch und durch, vor allem, was die Schauspielerei betrifft. „Das ist eine hart umkämpfte Branche. Dazu kommt: In dem Fach, dem sogenannten ,Spielalter’, in dem ich bin, werden die Rollen für Frauen weniger und man konkurriert mit hervorragenden Kolleginnen, die seit 25 Jahren in diesem Beruf sind und eine exzellente Vita haben.“

(es)
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