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Stadtgeflüster: Martyrium Krankheit

Gisela Getty stellte Ausstellungshalle an der Schulstraße das Buch ihrer krebskranken Schwester Jutta Winkelmann vor.
Nach der Lesung ging’s ins „Ebbelwoi Unser“. Für Gisela Getty war dies der erste Besuch einer Ebbelwei-Wirtschaft. Sie begnügte sich aber mit einem Apfelsaft. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Nach der Lesung ging’s ins „Ebbelwoi Unser“. Für Gisela Getty war dies der erste Besuch einer Ebbelwei-Wirtschaft. Sie begnügte sich aber mit einem Apfelsaft.
Frankfurt. 

Sie führte ein Leben in Saus und Braus. Mit ihrer Zwillingsschwester Jutta Winkelmann jettete Gisela Getty um die Welt. Die Frau, die 1949 als Gisela Martine Schmidt in Kassel zur Welt kam, lernte in Rom, Los Angeles und München Größen des Show-Business wie die Sänger Mick Jagger und Bob Dylan oder die Schauspieler Dennis Hopper und Robert de Niro und viele andere kennen. Wie „Götterkinder“ fühlten sich die beiden. Über dieses ausschweifende Leben erschien 2008 ein Buch, das erste des Frankfurter Weissbook-Verlags. Nun ist im selben Verlag wieder ein Buch erschienen. Dieses Mal beschäftigt es sich aber nicht mit dem prallen Leben, sondern mit dem Sterben. Jutta Winkelmann leidet nämlich an Knochenkrebs und hat nicht mehr lange zu leben.

Gestern sprach Gisela, die mit dem amerikanischen Multimillionär John Paul Getty III verheiratet war, in der Ausstellungshalle an der Schulstraße mit Journal Frankfurt-Chefredakteur Nils Bremer über das letzte Buch ihrer Schwester mit dem Titel „Mein Leben ohne mich“. Winkelmann, die seit zwei Monaten nichts mehr gegessen hat und unter 30 Kilo wiegt, schildert darin ihren Alltag mit der Krankheit, berichtet von schier unerträglichen Schmerzen, vom Verlust ihrer Haare durch die aggressive Chemotherapie. „Es geht ihr überhaupt nicht gut“, sagt Gisela Getty, Mutter des US-Schauspielers Paul Balthazar Getty , der aus Filmen wie „Herr der Fliegen“ oder „Lost Highway“ bekannt ist.

Der Krebs trennte die Geschwister, die zuvor fast alles teilten. „Wir waren mal sehr symbiotisch. Aber durch die Krankheit haben wir realisiert, dass wir unterschiedliche Leben haben.“ Auch deshalb sei es kein „zwillingsbasiertes“ Buch, sondern eins, das allein ihrer Schwester gehöre, so Getty.

Auf deren Tod bereite sie sich nicht vor. „Ich lebe im Moment. Es präsentiert sich jeden Tag eine andere Situation und jeden Tag sage ich: ,Jutta lebt’“. Deshalb schmerze es sie, nun in Frankfurt und nicht in München zu sein. „Aber es ist in ihrem Sinn. Ich will das Buch unterstützen.“

Im Umgang mit dem Sterben hat Getty leider Erfahrung. „Ich habe meinen Mann begleitet.“ Bei Jutta sei das aber etwas ganz anderes. „Sie vollzieht jeden Schritt sehr bewusst und nimmt kaum Schmerztabletten. Ich habe Angst vor dem Sterben“, sagt Getty, die teilweise Schmerzen an denselben Stellen bekam wie ihre Schwester. „Ich fühle auch, wenn sie eine unruhige Nacht hat.“

Gisela Getty hat auch Angst vor dem Verlust ihrer Schwester. „Ich bin so verzweifelt.“ Der Weg, den Jutta Winkelmann geht, ist sehr schmerzhaft für Gisela Getty. „Mir geht es nicht gut“, sagt Getty angesichts des bevorstehenden Todes der geliebten Schwester. Es gibt noch mehr Gründe: Denn auch ihr Bruder ist erkrankt. „Er hat Lungenkrebs“, erzählt Getty.

(es)
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