Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 23°C

Mimin mit Faible für Goethe

Die Schauspielerin Myriam Tancredi schätzt die Glaskunst eines Fensters in der Frankfurter Liebfrauenkirche aus ganz persönlichen Gründen. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Die Schauspielerin Myriam Tancredi schätzt die Glaskunst eines Fensters in der Frankfurter Liebfrauenkirche aus ganz persönlichen Gründen.
Frankfurt. 

Bevor Hollywood ruft, haben freie Schauspieler einen schweren Stand. Doch die Bornheimerin Myriam Tancredi (42) sieht das gelassen – vor ihrer Schauspielausbildung versuchte sich die Tochter einer Deutschen und eines Italieners, in vielen Jobs und fernen Ländern, von der Krankenschwester bis zur Glasmalerin in Südafrika. „Ich habe lange gesucht nach einem Beruf, der mir ein wirklich gutes Gefühl gibt – die Schauspielerei ist es definitiv. Die Umwege helfen mir heute flexibel zu sein.“

Mehrere, ganz unterschiedliche Theaterprojekte beschäftigen sie derzeit in Frankfurt. So spielt sie etwa in der vom Volkstheater Hessen aufgeführten Komödie „Der Anecker“ die resolute Gattin eines Schusters. „Mit 50er-Jahre-Kittelschürze und Frankfurter Zungenschlag“, erzählt die Schauspielerin und demonstriert gleich wie gut sie die Mundart im Stück kann: „,Dumm wie en alte Latsche’ bekommt mein eifersüchtiger Ehemann von mir zu hören. Doch trotz ihrer Streitereien lieben sich die beiden. Diesen Respekt schätze ich sehr.“

Myriam Tancredi freut sich über den Spaziergang zu Goethe-Orten in der Innenstadt, sie gibt dabei offen zu, noch nie in einem Stück des Dichterfürsten aufgetreten zu sein. Ein Lieblingszitat hat sie dennoch parat und lässt umgehend „Mephisto“ sprechen: „Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

In der Liebfrauenkirche, dem ersten Stopp, hängt über dem Dreikönigsportal jene steinerne Pietà, die der Dichertfürst einst vor Augen gehabt haben soll, als er das schwangere Gretchen verzweifelt zur Madonna beten ließ. Mehr noch interessieren die Schauspielerin die sakralen Glasmalereien: „Im Kirchenraum sind sie eine hohe Kunst. Als ich in Südafrika lebte, malte ich Motive für Touristen. Im Kreativ-Viertel ,Waterfront’ am Kapstadter Hafen fragte mich eine Glasmalerin, ob ich ihr helfen will. So fing es an.“ Zurück in Deutschland betrieb sie die Glasmalerei weiter, verkaufte die Produkte auf Märkten.

Im Hirschgraben geht Großes vor sich. Baustellenstaub wirbelt auf, das Romantik-Museum nimmt langsam Gestalt an. Erinnerungen werden bei der Schauspielerin wach: „Im Cantate-Saal stand ich in drei Produktionen auf der Bühne. Jetzt ist ein Stück Geschichte weg.“ Es sei reizvoll, sich Zeitsprünge auszudenken, sinniert sie, überhaupt schätze sie Kostümrollen wie seinerzeit beim 125. Geburtstag des Frankfurter Hauptbahnhofs, als sie beim „Nachttheater“ an den Gleisen eine Frau aus dem 19. Jahrhundert spielte. „Befände ich mich plötzlich in der Goethezeit – und der Dichter daheim in seinem Elternhaus – würde ich ihn fragen, in welcher Rolle er mich sieht. Dass mein Papa Italiener ist, wäre sicher von Vorteil“, träumt Myriam Tancredi, kam ihr Vater, ein Schlosser, doch als Gastarbeiter nach Frankfurt. Aber die Konsequenz, eine weitere Liebschaft von Goethe zu sein, wehrt sie ab, denn wer will einen bindungsscheuen Mann?

Im echten Leben liebt die Mimin den Freiburger Regisseur Ralf Buron, in dessen schonungslosem Kriegsdrama „Zerbombt“ sie ab dem 23. Juni im „Theater Landungsbrücken“ gastiert. Darin erlebt man die Frankfurterin radikal und getreu ihrem Credo: „Ich stürze mich gern in Rollen, sauge sie in mir auf.“

(fai)
Zur Startseite Mehr aus Stadtgeflüster

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse