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Mit Stutzwecken ins neue Jahr

Schauspieler Christopher Krieg lässt sich die traditionellen Stutzwecken schmecken. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Schauspieler Christopher Krieg lässt sich die traditionellen Stutzwecken schmecken.

Wie lecker“, schwärmt Schauspieler Christopher Krieg (55) und beißt wieder herzhaft in den frisch gebackenen „Stutzweck“. Das Gebäck aus süßem Hefeteig ist eine Frankfurter Spezialität, die nur an Silvester und Neujahr für zwei Euro zu haben ist, auch die Konditorei „ConditCouture“ im Haus Wertheim am Römer hält diese Tradition hoch. Konditormeister Jesco Mann und sein Geschäftspartner Jens Iwan Schönfelder öffnen ihren kleinen Laden heute sogar bis Punkt Mitternacht, um Feiernden auf der Straße die Stutzwecken und auch Neujahrskreppel anzubieten.

Zeit, um dann vorbeizuschauen, hat Christopher Krieg nicht, denn er spielt über Mitternacht in der „Komödie“, und der Jahreswechsel fällt genau in die Pause des Gaunerstücks „Auf und davon“. Umso mehr genießt er es, dass der Traditionsweck zum Probieren vorgebacken wurde. Zwar kam der Schauspieler in Frankfurt zur Welt, doch seine Eltern, beide Künstler, zog es weiter in andere Städte.

Der längliche Weck schmeckt ihm, aber dessen Brauchtum kennt er nicht. Gern lässt er sich von Jesco Mann die Symbolik des Gebäcks erklären: „Die runden Enden stehen für das vergangene und kommende Jahr. Mit den Einschnitten in der Mitte werden die zwölf Monate des Jahres abgebildet. Der Stutzweck gehört zu den sogenannten Gebildbroten und hilft dem Glück auf die Sprünge.“ Wer sich mit der Stadtgeschichte beschäftigt, findet den Hinweis, dass die Frankfurter schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts den Stutzweck schmausten, bis kurz vor Mitternacht rollten die „Neujahrswürfel“ in den Bäckereien – wer beim Würfeln gewann, bekam den Weck. In den Gaststätten trank man damals Silvesterpunsch.

Bis heute gilt der Jahreswechsel als beste Zeit für Zukunftsorakel, und auch Christopher Krieg kennt das Bleigießen aus seiner Kindheit. „Wir liebten Knallbonbons dazu“, erinnert er sich. Einen sehr privaten Wunsch hegt der Schauspieler fürs neue Jahr, dieser hat mit seiner schwer demenzkranken, 84-jährigen Mutter Eva Kotthaus, ein Filmstar der Wirtschaftswunderjahre, zu tun. „Sie lebt in einem Pflegeheim im Taunus. Für einen Menschen, der immer so aktiv und großartig war, ist dieser Weg dramatisch.“

Derweil geht das Leben für den Mimen auf Hochtouren weiter, schon ab 16. März spielt er im Fritz-Rémond-Theater in der Renaissance-Komödie „Mandragola“. Geschrieben hat das frivole Stück Niccolò Machiavelli, den man sonst eher mit rücksichtsloser Machtpolitik assoziiert.

Der Weck ist verzehrt, seinem Glück hat Christopher Krieg damit neuen Treibstoff gegeben. Würde da nicht im Laden schon die nächste Versuchung in Gestalt eines französischen Neujahrskuchen warten. Der Clou: In der Marzipanfüllung ist die ,Fève’, ein Porzellanfigürchen, versteckt. Wer es im Mund hat, ist König für einen Tag, daher wird auch gleich eine Papierkrone mitgeliefert.

„In Frankreich haben diese ,Galette des Rois’ genannten Kuchen eine lange Tradition. Die Figürchen sind begehrt, richtig wertvolle Sammlungen gibt es inzwischen. Für Touristen aus Frankreich, die zu uns kommen, ist das ein Stück Heimat“, sagt Jesco Mann.

Vor einigen Monaten schauten Touristen aus Taipeh vorbei und überredeten die Inhaber an einem europäischen Weihnachtsmarkt in China teilzunehmen. Jens Schönfelder war über die Resonanz überrascht: „Wir waren dort nach einem Tag ausverkauft, unsere Stollen und das Gebäck gingen weg wie warme Semmel, wir wurden praktisch überrannt. Das zeigt, wie sehr Frankfurter Handwerk in China geschätzt wird.“ fai

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