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Mit großen Pötten übers Meer

Für den rührigen Starkoch und Buchautor Mirko Reeh ist die „Welt ein Kochtopf mit vielen spannenden Zutaten“. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Für den rührigen Starkoch und Buchautor Mirko Reeh ist die „Welt ein Kochtopf mit vielen spannenden Zutaten“.
Frankfurt. 

Er ist ein Tausendsassa. Überall auf der Welt zu Hause. Frankfurts Starkoch Mirko Reeh gibt nicht nur pausenlos Kochkurse, die ständig ausgebucht sind, sondern er schreibt auch Bücher – gleich mehrere in einem Jahr – und ist durch das Fernsehen bekannt.

Ein Leben am Limit. Zumindest am Puls der Zeit. Denn bei so vielen Aktivitäten, die meist fast gleichzeitig laufen, bleiben nur wenige Stunden für Familie und Freunde. Deshalb lebt der Mann, der vor wenigen Tagen seinen 40. Geburtstag feierte, auch allein. „Es gibt eben niemandem, der mit meinem Tempo mithalten kann“, sagt Mirko Reeh. Das klingt nicht sonderlich bedauernd.

In Selbstmitleid zergeht er jedenfalls nicht, wie er da so in seinem neuen Lokal sitzt. Die Tische schon gedeckt und vorbereitet für den nächsten Ansturm von Lernwilligen, welche die Grundlagen italienischer Kochkunst erfahren möchten. Alles ist neu, denn Reeh hat in diesem Jahr umgebaut, die Küche verlegt und das Lokal überhaupt vergrößert.

2016 war ein gutes Jahr für den Fernsehkoch. „Ich habe unglaublich viel gemacht“, sagt er rückblickend. „Sehr viele Veranstaltungen hier. Aber das ist gut so“, weiß Reeh. 2017 könnte noch besser werden. Es stehen etliche neue Buchprojekte an. Eins über Kräuter und eins über Gewürze und „außerdem schreibe ich auch ein Buch über ein Land oder eine Region“. Los geht es mit Tel Aviv, Frankfurts Partnerstadt, und Jerusalem. „Auch über die USA wollte ich schon immer mal ein Buch schreiben, weil die Menschen meinen, die Amerikaner könnten nicht kochen“. sagt Reeh, der das Gegenteil demonstrieren möchte.

Auch mit dem Fernsehen geht es im kommenden Jahr weiter. „Statt ,Mega!Hotels‘, wie eine der Sendungen heißt, geht es dann um Schiffe“, erklärt Reeh. „Ich bin dann mit den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt unterwegs und stelle sie vor.“ Gesendet wird mittwochs um 22.15 Uhr. „Da haben wir rund zwei Millionen Zuschauer“, erzählt Reeh, der selbst drei Festangestellte in seinem Betrieb hat. „Auch ,Koch Undercover‘ läuft weiter. Allerdings ein wenig verändert.“ Nach fünf Jahren und 75 Folgen hätte die Serie ursprünglich eingestellt werden sollen, „aber Sat1 sagte, dass da noch mehr geht“. Das Format wird erweitert. „Ich werde Freizeitparks, öffentliche Einrichtungen, Gaststätten und Kantinen besuchen“, erzählt Reeh. Er wird nicht mehr klassische Restaurants testen – „diese Geschichten sind auserzählt.“ Zehn neue Folgen sind geplant, und vier Folgen auf den Kreuzfahrtschiffen sollen entstehen. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. „Ich werde eine eigene Talkshow machen“, sagt Reeh. „2013 hatte ich schon den Versuch gestartet.“ Der war aber nicht vom Glück gesegnet.

„Jetzt mache ich das in Eigenregie für Facebook und Youtube und spreche mit Promis übers Kochen.“ Das Konzept erinnert ein wenig an das von Alfred Bioleks „Alfredissimo“ und soll „Reehderei“ heißen. Es war ein langer, nicht immer einfacher Weg, bis zu diesem Punkt in Reehs Leben. Vor genau zwei Jahrzehnten begann Reeh mit seiner Karriere. Seitdem er 20 Jahre alt ist, kocht er. Das will er auch feiern. „Hier, bei mir. Mit vielen Gästen“, freut er sich. „2005 hatte ich meinen Durchbruch, 1997 habe ich angefangen, und es ist irgendwie erschreckend, wie schnell diese zwei Jahrzehnte vergangen sind“, findet Reeh.

Das vergangene Jahr war zwar ein erfolgreiches und schönes für Mirko Reeh, „aber ich habe auch gemerkt, dass ich körperlich an meine Grenzen stoße“, berichtet er. „Pro Nacht schlafe ich vier Stunden“, sagt Reeh, der auch im Guinness-Buch der Rekorde steht, weil er die längste Nudelbahn der Welt schuf. „Auch wenn ich ausschlafen kann, werde ich trotzdem wach.“ Selbst mit Urlaub sieht es mau aus. „War geplant, aber wie immer kam mal wieder was dazwischen“, sagt Reeh, der jetzt drei Wochen Pause machen möchte. „Aber auch da ist schon wieder ein Fotoshooting angekündigt“, sagt er. „Aber es macht doch Spaß.“ Er könnte gar nicht ohne. „Es wäre, als würde man mir beide Arme abhacken, denn ich liebe, was ich tue. Es ist ein Lebensgefühl und Lebensfreude. Und es ist geil, die Leute zu unterhalten. Daraus ziehe ich meine Kraft, meinen Ansporn, und das ist das, was mich motiviert“, so Reeh, der trotz der vielen Arbeit noch sehr viele Freundschaften hat, die er pflegt. „Man darf sich nicht zurückziehen, und wenn freie Tage sind, dann treffen wir uns.“ Bei dem Tempo, das er vorlegt, mitzuhalten, sei schwierig. „Das Umfeld, in dem ich mich bewege, ist ein spezielles, denn alle sind zeitlich am Limit. Jemand mit einem normalen Job, der könnte aus Zeitgründen schon gar nicht mithalten.“ Am heutigen Mittwoch strahlt Sat1 die letzte Folge von „Mega!Hotels“ aus.

(es)
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