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Alltagsjobber werden zu Anzugträgern: Müllmann und Gentleman

Daniel Sima an seinem Arbeitsplatz - allerdings in einer etwas anderen Kluft... Bilder > Daniel Sima an seinem Arbeitsplatz - allerdings in einer etwas anderen Kluft...
Frankfurt. 

Ohrenbetäubender Lärm, ein gewaltiger Schlund tut sich auf und von oben greift ein Kran wie eine Krake nach einem Haufen Hausmüll. Im Minutentakt fahren im Heddernheimer Heizkraftwerk die Müllwagen vor, um ihre streng riechende Ladung abzukippen.

Daniel Šima ist schon hunderte Male am Müllbunker gewesen, wie der Schlund richtig heißt. Nur diesmal ist alles anders, der Müllmann tauscht seine Arbeitskleidung gegen einen dunkelblauen Nadelstreifen-Anzug. Den teuren Maß-Zwirn hat ihm der Frankfurter Herrenausstatter und Stilexperte Stephan Görner geschneidert, der damit ein künstlerisches Experiment verfolgt. Zwölf Männer, die in ihrem Job Schutzanzug, Blaumann oder Schmutzkittel tragen, kleidet der Maßschneider für die Charity-Kampagne „Kleider machen Leute“ zugunsten der Leberecht-Stiftung dieser Zeitung von Kopf bis Fuß auf das Eleganteste ein. Dann setzt er die Arbeiter mit Fotograf Nikita Kulikov und PR-Mann Sven Müller wie Models in Szene. Immer am Arbeitsplatz, immer mittendrin. Spargelstecher, Polizist und Kanalarbeiter sind bereits im Kasten. Der 35-jährige Müllmann ist Nummer acht, sein Foto wird das Kalenderblatt August. Denn die Aktion zielt auf einen Jahreskalender nebst einer großformatigen Fotoserie, die am 21. November bei einer Spenden-Gala im Kempinski-Hotel in Gravenbruch versteigert wird. Der Erlös kommt dann der Leberecht-Stiftung zugute. Die Stiftung dieser Zeitung verfolgt seit mehr als 60 Jahren das Ziel, behinderten und benachteiligten Kindern sowie Jugendlichen und ihren Eltern zu helfen. Karten für die Gala mit Programm und 3-Gang-Menü gibt es zu 195 Euro unter 0 61 83 -
899 48 99.

Daniel Šimas Augen leuchten. „Sonst gebe ich maximal 150 Euro für einen Anzug aus“, sagt er und schlüpft in die Gentleman-Jacke. Mehrmals war er in den letzten Wochen zum Maßnehmen und zur Anprobe im Atelier von Stephan Görner. Das Resultat aus Schurwolle, sitzt, passt und hat Luft. Wie ein Laufsteg-Profi posiert der junge Bartträger vor der Kamera, das Drumherum scheint vergessen.

„Ein Naturtalent, ein cooler Typ“, findet auch der Maßschneider. Dabei ist es für den gebürtigen Tschechen ungewohnt derart im Rampenlicht zu stehen: „Kurz nach der Wende kam ich nach Frankfurt, verkaufte Staubsauger und arbeitete lange in einer Großfleischerei.“ Seit drei Jahren holt er den Müll in Nieder-Eschbach und anderen Stadtteilen ab, ein Knochenjob. „Oft laufe ich mehr als 25 Kilometer am Tag“, erzählt er. Danach gehe er ins Sportstudio, Rückenschule sei bei seiner schweren Arbeit ein Muss.

„Laderfahrer zu sein ist eine gute Arbeit“, sagt er noch. Jede Arbeit hat ihre Ehre, ist die Einstellung dahinter. Den geschenkten Anzug will er auch zur Gala tragen, wenn dort alle zwölf Teilnehmer aufeinandertreffen. Initiator Stephan Görner ist zufrieden: „Wir wollen mit der textilen Verwandlung auf Menschen aufmerksam machen, die gleichsam im Maschinenraum der Stadt arbeiten und die täglich dafür sorgen, dass Frankfurt sauber und sicher bleibt.“ fai

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