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Musikalischer Abenteurer

Lawrence Zazzo ist einer der gefragtesten Countertenöre unserer Zeit. Sein Repertoire umfasst neben barocken Partien auch zahlreiche Werke des 20. Jahrhunderts. Morgen gibt er einen Liederabend. Lawrence Zazzo ist einer der gefragtesten Countertenöre unserer Zeit. Sein Repertoire umfasst neben barocken Partien auch zahlreiche Werke des 20. Jahrhunderts. Morgen gibt er einen Liederabend.
Frankfurt.  Als er gefragt wird, was das Verrückteste gewesen sei, was er jemals auf einer Opernbühne getan habe, fällt Lawrence Zazzo , einem der außergewöhnlichsten Countertenöre unserer Zeit, sofort eine Szene ein: „Das war in David Böschs Inszenierung von Mozarts Mitridate in München. Als Farnace musste ich an einem Kronleuchter schwingen, ich habe Bierdosen mit einem Baseball-Schläger weggeschlagen und mich dann selbst mit einem Messer geblendet – das Kunstblut spritzte in den Orchestergraben, durchweichte die Noten des Cembalisten und hätte beinahe noch Ivor Bolton getroffen, der dirigierte...“ Dolle Geschichte!

Zazzo, geboren 1970 in Philadelphia (USA), sang als Kind in einem Knabenchor. Gesänge in der Gruppe liebt er noch heute. Sein Talent zum Countertenor entdeckte man nach seinem Stimmbruch. Er lebt seit 23 Jahren mit seiner Frau Viviane , einer Professorin für englische Literatur und nordische Dichtung, in Cambridge (England). Davor sieben Jahre in Nord-Irland. Dort, in Belfast, lernte er sie kennen. Vielleicht sorgt dieses Umfeld für sein Understatement, Starallüren sind ihm fremd. Er kann nicht nur wunderbar singen, sondern besitzt auch Humor und Temperament, sprüht vor Daseinsfreude.

Gerade erst ist er aus Madrid, wo er die Oper „Rodelinda“ von Händel einstudiert, nach Frankfurt gereist, um mit Simon Lepper (Klavier) zu proben. Schließlich geben die beiden einen ganz besonderen Liederabend in der Oper Frankfurt am Fastnachtsdienstag um 20 Uhr: „Songs my Mother taught me – A celebration of 20th Century American Song“. Zazzo lacht und sagt: „Das Ganze wird ein bisschen blutig und unheimlich; bewegt sich zwischen Nostalgie und Kommentar zur Gegenwart. Es ist kein üblicher Liederabend mit Liedern von Schumann und Schubert. Kein Barock, kein Purcell“. Der Titel des Abends sei aber ironisch, „denn meine Mutter hätte mir sicher nicht solche Lieder beigebracht“. Er wird singen von Gefühlen, Sehnsucht und Heimat, darunter Werke von Charles Ives, Samuel Barber, William Bolcom oder die „War Scenes“ (Kriegsszenen) von Ned Rorem mit Texten des großen US-Lyrikers Walt Whitman. „Ich beginne mit einer Szene im Opernhaus, es geht um Heiliges und Profanes“, erzählt Zazzo und streut deutsche Sätze ein. Das Programm sei durchaus „schwer, ja hart zu singen“, gibt er zu, verspricht aber einen „lustigen Abend“, denn er sei auch ein Entertainer und wolle das Publikum zum Lachen bringen. Er nennt das so: „In einem Löffel voll Zucker serviere ich bittere Medizin“.

Zazzo, der vor seiner Gesangsausbildung Musik und Englische Literatur studierte und kürzlich in Musikwissenschaft promovierte, freut sich sehr auf die Main-Stadt, war er doch bereits mehrere Male hier zu Gast. Die Frankfurter Oper sei fast seine „Hausoper“. Er wohnt wieder bei Freunden nahe der Berger Straße, „das ist so bequem und ich liebe diese Leute“. Seine Frau reise auch gern mit nach Frankfurt, sie hätten etwa den Weihnachtsmarkt besucht.

Aber Achtung: Wer behauptet, dass Countertenor nichts mit Falsettgesang zu tun habe, den nennt Zazzo ganz uncharmant „einen Lügner“ – diese Stimmlage sei ein „reinforced (verstärktes) Falsetto“. Er liebt es, hoch zu singen: „Ich bekomme dabei eine Art Karma im Kopf, fühle mich wie unter ein Glocke“.

(uve)
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