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Stadtgeflüster: Nigel mag Ampeln

In „Scaramouche Jones“ am „Internationalen Theater Frankfurt“ spielte Nigel Francis ebenfalls schon. Bilder > In „Scaramouche Jones“ am „Internationalen Theater Frankfurt“ spielte Nigel Francis ebenfalls schon.
Frankfurt. 

Rote Fußgängerampeln haben in London eine mehr beratende Funktion. „Wir gehen dort einfach über die Straße, die Autos passen sich an, das ist normal“, vergleicht der britische Schauspieler und Sänger Nigel Francis den Verkehr auf der Insel mit dem in Frankfurt. Seit acht Jahren lebt er der Liebe zu einer Deutschen wegen in der Mainstadt und schätzt deutsche Ampeln und „die Beschaulichkeit“. In der Metropole London sei er von mehr Trubel umgeben gewesen. Dabei wohnt er auch am Main mittendrin, unweit der Alten Oper, wo es ihn oft zum großen Brunnen zieht.

Das Frankfurter Publikum feierte ihn als Drag Queen Hedwig, die schräge Rolle spielte er im English Theatre, ebenso den Conférencier im Musical „Cabaret“. Jetzt wagt sich der Schauspieler mit dem Solo-Kammerspiel „Fragile“ von Autor Geoff Thompson an ein heikles Thema: Missbrauch in der Kindheit. Premiere ist am Mittwoch, 7. September, im Galli Theater, gefolgt von Aufführungen am 8. und 11. September. In London schlug Nigel Frances mit dem intensiven Stück hohe Wellen, im Oktober folgt ein Gastspiel in München. „Das Stück basiert auf Thompsons Erinnerungen, er wurde als 11-Jähriger von seinem Lehrer missbraucht.“ Der Brite verkörpert einen Mann, den die Geister der Vergangenheit nicht loslassen und der sich austherapiert einem Voice-Recorder anvertraut. „Eine große Herausforderung, aber genau die suche ich“, betont der Darsteller und Co-Regisseur, um dann zu schildern, wie er täglich durch den nahen Rothschildpark läuft und laut den Text spricht: „60 Seiten, das ist eine Menge!“

Von Nervosität noch keine Spur. Was es heißt, seelenruhig eine Premiere zu bewältigen, hat er beim Oscar-Preisträger Maximilian Schell erlebt, mit dem er im berühmten Londoner Old Vic Theatre in einem Stück von Arthur Miller auftrat. An den Kollegen erinnert sich Nigel Francis mit leuchtenden Augen: „Er war einer der charismatischsten Menschen, die ich je traf, ein Star, der sich aber nie in den Vordergrund drängte. Außerdem war sein Bühnen-Englisch phänomenal.“ Und als wäre die damalige Premiere für Francis nicht schon aufregend genug gewesen, erspähte er im Publikum seinen Lieblingsschauspieler, den dreifachen Oscar-Gewinner Daniel Day-Lewis . Der Grund für dessen Kommen lag auf der Hand: „Das Stück hatte sein Schwiegervater geschrieben, er ist mit Arthur Millers Tochter Rebecca verheiratet.“ Ausgesucht wurde Nigel Francis für die Rolle eines Soldaten von Schauspieler Kevin Spacey, („American Beauty“), seinerzeit künstlerischer Leiter des Old Vic, und der Regie-Legende Robert Altman . „Ich ahnte nicht, bei wem ich vorsprechen sollte. Plötzlich saßen in diesem winzigen Raum solche Hollywood-Größen. Für Aufregung blieb keine Zeit, ich gab mein Bestes und sie baten mich wiederzukommen.“ Zum Film hat es Nigel Francis nie wirklich gezogen, nur ein paar Independent-Streifen hat er gemacht. „Filme sind ein zu langer Prozess, ich spiele lieber im Hier und Jetzt“, erklärt er. Schon mit 13 Jahren stand der Londoner auf den Theaterbrettern. Eine Rolle, über die er heute lachen kann, denn der Teenager gab den gegelten Schönling Danny Zuko im Musical „Grease“. „Damals hatte ich noch mehr Haare“, scherzt er mit Griff an seinen rasierten Heldenkranz. fai

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