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Stadtgeflüster: Ob Dur, ob Moll: Sie sind toll

Weiß nicht nur die Werbetrommel zu rühren: Stadion Chef Patrik Meyer, der als junger Mann sogar überlegte, Profi-Schlagzeuger zu werden. Bilder > Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Weiß nicht nur die Werbetrommel zu rühren: Stadion Chef Patrik Meyer, der als junger Mann sogar überlegte, Profi-Schlagzeuger zu werden.

In Frankfurt spielt die Musik. Und das nicht nur zu Messezeiten. Das ganze Jahr greifen auch Menschen zum Instrument, die zwar oft im Rampenlicht stehn, aber im Hauptberuf nicht Musiker sind.

So etwa Stadion-Boss Patrik Meyer . (49) „Ich habe mit sechs Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen.“ Ursprünglich trompetete der kleine Patrik. Aber dann fiel er beim Schlittschuhlaufen aufs Gesicht. Zähne weg. Trompete auch. Klein Patrik verlegte sich aufs Trommeln. So gut, dass er sich damit sein Studium finanzierte und auch sechs Monate in Montreal hinter der Schießbude saß in einem angesagten deutschen Ausgehlokal. Sein größtes Konzert gab er im Vorprogramm eines Eis-Hockey-Spiels vor 16 000 Zuschauern. „Und ich habe beim Kölner Karneval gespielt, saß mit Bands wie Bläck Fööss oder Höhner auf der Bühne.“ Heute haut er beim Musikverein Harheim auf die Felle, wo er auch stellvertretender Vorsitzender ist.

Auch Robert Restani, Chef der Frankfurter Sparkasse, verdiente sein Geld einst hinterm Schlagzeug: „In Jazzbands habe ich mir während des Studiums Geld dazu verdient.“ Angefangen hat Restanis Karriere mit der Blockflöte. Später folgten die Drums. Bis heute hat der 60-Jährige, der auf Rockgrößen wie Deep Purple steht, ein elektrisches zu Hause stehen. „Darauf spiele ich zur Entspannung.“ Vor ein paar Jahren habe er auch auf einem Betriebsfest mitgespielt.

Noch einer, der von der Flöte zum Schlagzeug kam, ist der frühere Frankfurter Planungsdezernent und Bürgermeister Olaf Cunitz . „Der Flötenunterricht war schrecklich. Die Lehrerin wäre besser für die Grundausbildung von Rekruten geeignet gewesen“, erzählt Cunitz, der heute bei der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft in Wiesbaden arbeitet. „Eine Art Erweckungserlebnis war ein Queen-Konzert 1982 in der Festhalle. Das hat mich restlos begeistert.“ Cunitz lernte Schlagzeugspielen, war als Student Mitglied in zwei Bands, „denen der verdiente Weltruhm aber versagt blieb.“

Ein kurzes Revival gab es vor fünf Jahren. Damals feierte der frühere FSV-Manager Bernd Reisig seinen Fünfzigsten mit einer ungewöhnlichen Combo: Cunitz an den Drums, Michael Boddenberg , damals Staatssekretär, heute Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, als Gitarrist, außerdem der Sport-Moderator Markus Philipp und Schlagersänger Markus.

Anders als für den Grünen war dieser Auftritt für den CDU-Mann Boddenberg keine Eintagsfliege. Immer mal wieder geht er mit befreundeten Musikern auf die Bühne. Sein nächster Auftritt: 21. April, 20 Uhr, Südbahnhof. „Da gibt die Ärzteband Lickin’ Boys ein Benefizkonzert. Ich habe die Schirmherrschaft übernommen und werde bei zwei Stücken zur Gitarre greifen“, erzählt der 58-Jährige. Die Mitglieder der „Lickin’ Boys“ sind Ärzte aus Langen und Umgebung. Musikalische Mediziner gibt es natürlich auch in der Stadt. Ein Beispiel ist Dr. Alexandra Weltzien , Chefärztin der Kinderchirurgie am Klinikum Höchst. Sie hat vor der Medizin Tanz studiert, spielt Klavier und Altflöte auf „konzertantem Niveau“.

Zur Musik kam Boddenberg mit sieben Jahren. Sein erstes Instrument: ein Akkordeon. Mit 13 brachte er sich selbst das Gitarrespielen bei, mit 16 stieg er in die Schüler-Band seines älteren Bruders ein, spielte Gitarre und Bass, sang.

Aufs Singen hat sich auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann (51) verlegt. Eine Entscheidung aus Zeitnot: „Da kann man, auch ohne viel zu üben, echte Fortschritte machen.“ Genau genommen ist sie ihr eigenes Orchester. Als Schülerin lernte sie Geige, Klavier und Saxophon, spielte im Schul-, später im Uni-Orchester. .„Sehr beeindruckt hat mich damals ein Auftritt in einem französischen Gefängnis, der bei den Insassen fast ehrfürchtige Begeisterung auslöste.“ Doch schon während des Studiums ging der Politikwissenschaftlerin, die vier Kinder hat, die Zeit zum Üben aus. „Musik gehört zu den Dingen, für die ich mir am meisten wünsche, mehr Zeit zu finden.“ In der wenigen Freizeit nimmt sie Gesangsunterricht. Seit nunmehr 14 Jahren. Ehrensache, dass auch die Töchter Instrumente lernen, in Orchestern spielen. Zu Hause und auf Familienfesten kann man Bettina Wiesmann hören, auch beim 60. Geburtstag des Stadtverordneten Thomas Dürbeck erhob sie kürzlich ihre Stimme.

Eine weitere singende Politikerin ist Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Sie singt seit gut drei Jahrzehnten als Sopran im Chor „Randale Vocale“, gegründet in einer Studi-WG im Nordend. Sängerin ist auch Marketing-Expertin Gabriele Eick . Sie hat den Blues, ab und an singt sie für Freunde, neuerdings spielt sie auch wieder Gitarre. Ein Vermächtnis ihrer Eltern: „Meine Familie wollte unbedingt, dass ich schlesisches Kulturgut lerne“, erzählt sie. Ihr alter Herr steckte sie in eine Volkstanzgruppe. „Da gab es lauter coole Typen, und in einen habe ich mich total verknallt.“ Die Verliebtheit verging, aber die Liebe zur Musik blieb.

Die ist auch bei Prof. Volker Mosbrugger groß, dem Generaldirektor der Forschungsinstituts Senckenberg, „Meine Lieblinge derzeit: Joe Cocker, lateinamerikanischer Folk, Klaviermusik der Romantik.“ Der Paläontologe spielt aber auch selbst Klavier, wenn auch für seinen Geschmack viel zu selten. Ihm bleibe wenig Zeit, „mein mageres Talent zu verbessern“. Wenn, dann spielt Mosbrugger Werke von Debussy, Brahms, Chopin, Schubert oder leichte Jazz-Stücke.

Da geht es Roland Kaehlbrandt besser. Er spielt, wann immer es geht: „Immer wenn ich ein Klavier sehe spiele ich.“ Nicht selten öffnet der Vorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Herzen von Menschen, die ihm bis dahin noch völlig fremd waren. „Das sind beglückende Momente.“ Er wuchs mit klassischer Musik auf, seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Kaehlbrandt Klavier, wobei ihm die ersten Lektionen gar nicht gefielen. „Der Klavierlehrer war ein strenger Professor. Ich fand die Stücke, die er mich spielen ließ, alle viel zu traurig.“ Nach einem knappen Jahr gab der Professor auf, sein Schüler klimperte fortan allein auf dem Klavier. Als er 1964 das Album „Lang tall Sally“ der Beatles hörte, verfiel Kaehlbrandt der Musik mit Haut und Haar. Er übte nun Gitarre, gründete als Zehnjähriger seine erste Band und spielte mehr als zehn Jahre in verschiedenen Gruppierungen. Zuletzt in einer Rockband. Kaehlbrandt komponiert auch selbst, das Lied „Dräume“ des Kölner Trios „L.S.E.“ ist von ihm. Stets spielt der 64-Jährige, der auch zur Stiftungsband „PlanZehn“ gehört, nach Gehör und nicht vom Notenblatt. Und das so gut, dass ihn auch professionelle Musiker gern an die Instrumente lassen. „Kürzlich hat mich die Blind Foundation auf die Bühne geholt, weil ihr Pianist erkrankt war.“

Eine Jugend mit Musik und eigener Band erlebte auch Jürgen Conzelmann, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Eigentümervereinigung Haus & Grund. Er stammt aus einer musikalischen Familie. „Es gab sogar einen Großonkel, der Lieder aus dem ,Rosengarten’ des Dichters Hermann Löns für den bedeutenden Tenor der 20er Jahre, Richard Tauber, komponierte“, erzählt der Jurist, der als Sechsjähriger mit dem Klavierspielen begann. Als vom Rock begeistertes Bandmitglied spielte er Gitarre, heute ist das Saxophon sein Instrument, zu dem er aber erst mit Ende 40 gekommen ist. Im Laufe seines Lebens entdeckte der Immobilienspezialist seine Liebe zu Bach. „Bach ist der Größte. Ihn wirklich gut zu spielen, schaffe ich aber nicht.“

Juristen mit einer mehr oder weniger heimlichen Leidenschaft für Musik gibt es noch einige mehr: Laura Karasek-Briggs , Tochter des berühmten Literaturkritikers, ist Anwältin und hat mit Kollegen eine Band.

Und als klassischer Pianist nahezu legendär ist der Rechtsanwalt Rüdiger Volhardt (87), der als großer Förderer von Musik und Kunst in der Stadt Spuren hinterlassen hat, – das Haus der Chöre gäbe es ohne ihn nicht.

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