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Sänger in Plauserlaune: Rainhard Fendrich, ungeschminkt

Der österreichische Sänger Rainhard Fendrich ist bekennend eitel. Schnappschüsse von sich liebt er gar nicht, wenn, dann darf nur sein schönstes Lächeln aufs Foto. Foto: Sandra Ludewig (BMG Rights Management) Der österreichische Sänger Rainhard Fendrich ist bekennend eitel. Schnappschüsse von sich liebt er gar nicht, wenn, dann darf nur sein schönstes Lächeln aufs Foto.

Er gilt allgemein als nicht besonders pflegeleicht, der Rainhard Fendrich . Dazu passt, was die PR-Agentur des Österreichers bereits Tage und Wochen vor einem vereinbarten Interview-Termin zu bemerken hat: Der Mann, der einst die legendäre ARD-Kuppelsendung „Herzblatt“ von Rudi Carrell übernahm und mit Songs wie „Es lebe der Sport“ oder „Macho Macho“ bekannt wurde, wolle so einiges nicht. Zum Beispiel fotografiert werden. Das möge er nicht, weil ja keiner da sei, der ihn schminken könne. Er wolle auch nicht alles gefragt werden, der Fokus des Gesprächs müsse auf der kommenden Tournee, auf Fendrichs Musik, den politischen Botschaften seiner Songtexte liegen, nicht etwa auf Höhen und Tiefen seines Privatleben.

Aha, dann also auf ins Gefecht. Denn ein solches scheint ein Treffen mit dem Popstar wohl eher zu sein als ein Gespräch. Oder etwa doch nicht? Ganz friedlich sitzt er da im Restaurant des Hessischen Rundfunks, trägt ein blaues, kleinkariertes Hemd, trinkt einen Kaffee. Scheint gar nicht so böse zu sein. Obwohl er große weiße Zähne hat. Und einen großen Bauch. Sonst aber: fesch, dieser Österreicher. Und die Zähne zeigt er gern, wenn er lacht. Das tut er oft, denn der 61-Jährige ist gut gelaunt. Zumindest gibt er sich so. Schauspieler ist er ja auch, der Rainhard Fendrich.

Nach Frankfurt kommt er aber der Musik wegen. „Schwarzoderweiss“, heißt seine neue CD. Das Vorgängeralbum hörte auf den Namen „Besser wird’s nicht“. Ist doch jetzt doch alles besser geworden? „Na!“, antwortet Rainhard Fendrich wie aus der Pistole geschossen. Das ist schönstes Wienerisch und bedeutet ein klares „Nein“. „,Besser wird’s nicht‘ war nicht bezogen auf meine Schaffenskraft, sondern auf Situationen unseres Lebens“, erklärt der Sänger. Und da werde es eher schlechter. „Ich habe mal geschrieben, dass alles, was stabil war, kippt – und so ist es gekommen.“ Er spreche sich selbst keine seherischen Fähigkeiten zu und „man muss auch kein politisch gebildeter Mensch sein, es reicht, einfach nur bei halbwegs wachem Verstand zu sein und die Entwicklungen zu verfolgen“.

Leider Gottes sei eingetreten, was er geahnt hatte. „Ich bin nicht besonders stolz darauf, in dieser Hinsicht recht gehabt zu haben“, sagt Fendrich und prophezeit wieder etwas. Jetzt wird’s politisch: „Wenn wir das nicht in den Griff bekommen mit den Flüchtlingen, dann kommt Afrika. Wenn wir es als westliche Nationen nicht schaffen, vor Ort in Afrika den Leuten ein menschenwürdiges Leben zu verschaffen, dann kommt es zu einer Katastrophe.“

Sein Konzert im Februar in der Festhalle wird also nicht nur gute Musik. Wo Fendrich auftritt, setzt er auch Botschaften ab. Frankfurt mag der Sänger, eigentlich ganz Hessen. Vor etlichen Jahrzehnten war er mal mit Wolf Mahn und den „Rodgau Monotones“ auf Tour. „I mog die Hessen, denn sie haben einen wunderbaren Dialekt“, sagt er schön Wienerisch.

„Frankfurt ist auch eine sehr wichtige Musikstadt. Ich denke da nur an den Produzenten Frank Farian.“ Fendrich „gesteht“: „Ich war damals bei der Platin-Plattenverleihung für ,Milli Vanilli’ in der Discothek ,Dorian Grey’.“ Sie erinnern sich? Die legendäre Disco am Flughafen und die Band, die Ende der 1980er alle Verkaufsrekorde brach, bis herauskam, dass Rob Pilatus und Fab Morvan gar nicht sangen, sondern nur zum Playback die Lippen bewegten.

Fendrichs Musik ist ehrlich. Vor zwei Jahren hat er mit der Arbeit an „Schwarzoderweiss“ begonnen, herausgekommen ist seine Reflexion zum Zeitgeschehen, eine Absage an Fremdenfeindlichkeit und ein klares Bekenntnis zum Humanismus ist. „Ich bin ein richtiger Amerika-Freund, weil es dort die Missgunst, die hier teilweise vorherrscht, gar nicht gibt“, erklärt Fendrich sein neues Lied „Wer schützt Amerika“. Ein Stück weit habe er sein Bild des Landes aber jetzt überprüfen müssen: Der Wahlsieg Trumps habe ihn fassungslos gemacht.

So viel zur Politik. Zurück zur Musik. Am 17. Februar ist Fendrich in der Jahrhunderthalle. „Ich spiele alle meine Hits – und noch ein bisschen mehr. Der Anteil vom neuen Albums ist relativ gering. Ich spiele mehr Songs von ,Besser wird’s nicht’ als bei der damaligen Tournee“, kündigt er an. Wobei ihm das Frankfurter Konzert noch weit weg erschien. Zum Jahreswechsel hatte er ja noch eine TV-Show mit Goldkehlchen Helene Fischer , Michael Bublé und Celine Dion aufzunehmen.

Ins Jahr 2017 startet er mit zwei Wünschen: „Gesundheit und ein gutes Publikum bei meiner Tournee.“ Spricht’s, trinkt den Kaffee und macht sich auf zu einem Dreh. Da wird er vorher aber noch geschminkt.

(es)
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