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Stadtgeflüster: Sein letztes Theaterstück

Drei Männer und eine Blondine: Christian Wolff, Horst Janson und Hans-Jürgen Bäumler spielen mit Sarah-Jane Janson (von links) im großen Saal des Volkshauses Sossenheim. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Drei Männer und eine Blondine: Christian Wolff, Horst Janson und Hans-Jürgen Bäumler spielen mit Sarah-Jane Janson (von links) im großen Saal des Volkshauses Sossenheim.

Die Karriere des Hans-Jürgen Bäumler sucht ihresgleichen. Als Eiskunstläufer brachte er es mit seiner Partnerin, der Frankfurterin Marika Kilius , zu Weltruhm, als Schlagersänger platzierte er mehrere Titel in den Top Ten und auch als Schauspieler – im Fernsehen und im Theater – machte er sich ebenfalls einen Namen. Und was für einen.

Nun steht der 74-Jährige mit seinem Kollegen Horst Janson , dessen Tochter Sarah-Jane Janson sowie Christian Wolff in dem Stück „Kerle im Herbst“ auf der Bühne. Insgesamt 32 Mal spielt das Quartett diese Komödie von Katrin Wiegand . Am Dienstag, 1. November, sind sie beim Kultur- und Förderkreis Sossenheim im großen Saal des Volkshauses an der Siegener Straße 22 zu Gast.

Für Bäumler-Fans könnte es die letzte Gelegenheit sein, den beliebten Schauspieler live zu sehen. Denn der Bäumler hat nicht mehr so recht Lust. „Ich glaube nicht, dass ein Mensch mehr Erfolg haben könnte, als ich schon hatte“, fasst Bäumler seine Leben in wenigen Worten zusammen. „Als Amateure haben Marika Kilius und ich auf unserem Zenit aufgehört“, sagt er zur sportlichen Laufbahn.

„Damals, als es nur ein Fernsehprogramm gab, da hatten wir einen Bekanntheitsgrad von 95 Prozent, da konnten wir nicht mehr auf die Straße“, erinnert sich Bäumler. „Wenn ich heute zurückschaue, frage ich mich, ob es so etwas überhaupt gegeben haben kann.“

Nach dem Eislaufen war vor dem Eislaufen, und nach der sportlichen Karriere ging es mit der Eis-Revue „Holiday on Ice“ weiter. „Neun Jahre lang war alles ausverkauft.“ Und noch eins sagt Bäumler: „Theater spiele ich auch ganz sicher nicht mehr lange. Das ist vielleicht sogar das letzte Stück.“

Grund: „Man hat doch auch an sich selbst eine Anforderung, eine Latte in einer bestimmten Höhe, die man überspringen möchte. Und ich möchte nicht irgendwo leise dahinsiechend aufhören.“ Arbeiten muss Bäumler, der seit drei Jahrzehnten in Südfrankreich in der Nähe von Cannes lebt, nicht. „Ich habe so schlecht nicht verdient in meiner Vergangenheit und möchte jetzt noch ein bisschen was vom Leben haben“, so Bäumler. Wenn er über Frankreich spricht, gerät er ins Schwärmen. „Es gibt dort keine Statussymbole und keine Kategorisierung von Menschen. Da sitzt mittags der Bürgermeister neben dem Straßenkehrer beim Essen“, erzählt er.

„Es ist nicht so, dass ich mich vom Beruf verabschiede.“ Käme irgendwann ein Anruf, und er hätte irgendwo vier Drehtage, dann würde er es noch machen. „Aber ich will einfach nicht mehr so lange von Zuhause weg sein“, sucht er nach einer weiteren Erklärung. „Das ist mein Hauptproblem. Ich habe doch meine Kinder kaum aufwachsen sehen.“ Bäumler hat vier Enkelkinder – drei Mädchen und einen Jungen. „Es ist einfach schön, nicht den Opa zu spielen, sondern einer sein zu dürfen“, findet der zweifache Vater.

Es sei doch widersprüchlich, vor Tausenden von Leuten den Großvater zu geben und im wahren Leben keiner sein zu können, weil man keine Zeit hat. „Wenn man so wohnt wie wir mitten in der Natur, da wird man von den Enkelkindern natürlich gerne besucht“, weiß Hans-Jürgen Bäumler. „Das möchte ich möglichst lange noch mitbekommen.“

Über das Sterben mache er sich noch keine Gedanken, „aber als mein Großvater 75 Jahre alt wurde, da hieß es schon, es sei ein gnadenreiches Alter. Da habe ich mir gedacht, selbst wenn jetzt nicht mehr viel Zukunft kommt, dann hat man wenigstens noch ein bisschen was mit den Kindern erlebt“.

(es)
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