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Seit 70 Jahren ist im Zoo Theater

Seit 22 Jahren leitet Professor Claus Helmer das Fritz Rémond Theater im Zoo. Das Foto zeigt eine Szene seines ersten Auftritts mit Fritz Rémond in diesem Haus. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Seit 22 Jahren leitet Professor Claus Helmer das Fritz Rémond Theater im Zoo. Das Foto zeigt eine Szene seines ersten Auftritts mit Fritz Rémond in diesem Haus.
Frankfurt. 

Vor genau 70 Jahren hat das Fritz Rémond Theater als eines der ersten Schauspielhäuser nach dem Zweiten Weltkrieg seine Pforten geöffnet. „Ich weiß gar nicht, ob es in Hessen noch ein anderes Haus gibt, das so alt ist wie unseres“, grübelt Impresario Professor Claus Helmer , der es seit 22 Jahren leitet. Doch obwohl gestern der „offizielle“ Geburtstag war, blieb zum Feiern keine Zeit: „Wir haben einfach viel zu viel zu tun.“ Denn in für Theaterhäuser schlechten Zeiten läuft es für das Etablissement recht gut. „Wir geben im Jahr gut 265 Vorstellungen und haben ungefähr 70 000 Zuschauer, was einer Auslastung von 75 bis 80 Prozent entspricht.“ Seit der Gründung vor sieben Jahrzehnten wurden in dem Theaterhaus mehr als 620 Stücke auf die Bühne gebracht.

Das aktuelle Stück „Chaos auf Schloss Haversham“ „ist das Geschenk an mich und das Theater“, erklärt Helmer, der auch „Die Komödie“ leitet. Das Stück sei technisch sehr aufwendig, sehr teuer und sehr gut besucht – so gut, dass nur noch wenige Tickets zu haben sind. Helmer ist zufrieden. Denn: „Unser Publikum ist sehr jung. Darum beneidet mich so mancher Kollege.“ Überwältigt habe ihn vor Kurzem, „als ein 17-Jähriger nach einer Vorstellung sagte, er werde regelmäßig ins Theater gehen, weil es auf der Bühne lebendig zugehe“. In 52 Jahren, die er am Theater ist, war das eins der größten Komplimente.

Dabei hat Helmer im Fritz-Rémond-Theater viel erlebt: Büstenhalter und andere Damenunterwäsche flogen schon auf die Bühne. Und Johannes Heesters erlitt während einer Aufführung von „Ein gesegnetes Alter“ mit 94 Jahren einen Blinddarmdurchbruch. „Er hat bis zum Ende gespielt“, erinnert sich der Theaterdirektor. Einmal durften die Zuschauer den Raum nicht verlassen, weil ein Wolf aus dem Zoo ausgebrochen war. „Aber das war vor meiner Zeit“, sagt Helmer. Nur wenige Jahre hingegen ist es her, dass Schriftsteller Daniel Kehlmann aufgebracht während der Erstaufführung seines „Der Mentor“ das Schauspielhaus verließ. Er war unzufrieden damit, wie sein Text umgeschrieben worden war. „Ich habe nie mehr von ihm gehört“, sagt Helmer. Solche Geschichten um das Haus, das früher „Kleines Theater im Zoo“ hieß, gibt es unzählige.

Es war die Idee von Zoodirektor Bernhard Grzimek, das zerstörte Gesellschaftshaus für kulturelle Zwecke zu nutzen. Der Plan funktionierte: Trotz der Beeinträchtigungen, unter denen der Spielbetrieb litt – Kriegsschäden –, etablierte es sich. In diesem Theater, dem einzigen der Welt in einem zoologischen Garten, traten unter anderem Curd Jürgens, Heinz Rühmann, Karlheinz Böhm, Theo Lingen, Inge Meysel, Jutta Speidel oder Hans-Joachim Kulenkampff auf. „Mit einigen war ich befreundet“, so Helmer, der sich auch an turbulente Szenen jenseits der Bühne erinnert.

„Manchmal kracht es, weil ich es bin, der die Richtung angeben muss“, weiß der Theaterchef, der 1965 als damals 21-Jähriger im Stück „Telemachus Clay“ erstmals an der Seite Rémonds in dessen Theater auftrat. Rémond starb 1976, danach wurde das Theater nach ihm benannt und 1995 übernahm Helmer es. „Es war hoch verschuldet.“ Helmer brachte es aus den roten Zahlen. „Mir ging es darum, den guten Namen Rémonds und das Theater zu erhalten.“ Auch dieser Plan ging auf.

(es)
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