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Seitensprünge und Salonklatsch

Prinz Rainer von Hessen liest als Historiker und Autor aus seinem Buch „Die Hessens“, einer schonungslosen Familiengeschichte. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Prinz Rainer von Hessen liest als Historiker und Autor aus seinem Buch „Die Hessens“, einer schonungslosen Familiengeschichte.
Frankfurt. 

Du glaubst wohl, du bist was Besseres“, ärgerten Prinz Rainer von Hessen (77) die Mitschüler als er nach dem Krieg in Egelsbach nahe Schloss Wolfsgarten die Schulbank drückte. Heute kann er über den Spott lachen, die Bedeutung seines Familiennamens war ihm seinerzeit nicht klar, außerdem nahm er wie alle an der Schulspeisung teil. Von Standesdünkel ist bei dem Historiker nichts zu spüren. Gestern las er im Historischen Museum aus seinem Buch, in dem die wechselvolle Geschichte der uralten Dynastie dokumentiert ist – nicht ohne erotische Klatschgeschichten und dunkle Kapitel auszusparen. So hatte sich sein Vater, Landgraf Philipp , der im Krieg starb, ebenso wie andere Familienmitglieder mit den Nationalsozialisten eingelassen.

Hinter „den Hessens“ steht eine europäische Familie, die eine große Reihe an Landgrafen, Kurfürsten, Großherzögen und Regentinnen stellte. Prunk, Verschwendungssucht und Demenz durch eine im Heerlager eingefangene Syphilis sind im Stammbaum ebenso nachweisbar wie die sprichwörtliche Gutsherrenart.

Philipp der Großmütige, Bigamist und früher Protestant ließ gegen Aufständische im Bauernkrieg derart brutal vorgehen, dass ihn ein Zeitgenosse als „gierig und grausam wie ein Schweinsrüde“ schilderte.

„Nichts wird unter den Teppich gekehrt“, betonte der Autor. Außereheliche Affären gab es unzählige, besonders am Darmstädter Hof wurde mit Tänzerinnen und Schauspielerinnen getändelt, „was aber nicht das freundschaftliche Verhältnis der Ehepartner behinderte, außerdem nahmen sich Ehefrauen genauso das Recht auf Seitensprünge heraus“, so der Forscher über die Blüten von hochadligen Zweckehen.

Die erste Auflage der bebilderten Zeitreise sei schon vor Weihnachten vergriffen gewesen, druckfrisch ging ein Buch an den Onkel des Prinzen, der Ehemann der englischen Königin, Prinz Philip (95). „Er kann noch recht gut Deutsch sprechen, und sein Rückzug von offiziellen Terminen ist wirklich wohlverdient in seinem Alter“, lobte der Neffe und erinnerte an den Auftritt beim Thronjubiläum: „In der Kälte, mit Uniform, und Philip hielt durch, obwohl er schon mehrere schwere Operationen hatte.“

Zur Ehrenrettung von Philipp dem Großmütigen erzählte Rainer von Hessen, was dieser nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes veranlasste: „Er beseitigte die Ursachen für den Aufstand, führte zum Beispiel die Schulbildung unabhängig des sozialen Standes ein.“

(fai)
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