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Sie schreibt in Cafés und Zügen

Hat ihr Notebook fast überall dabei – auch beim Frankfurt-Besuch vor der Skyline: Moderatorin Jule Gölsdorf. Foto: Bernd Kammerer (.) Hat ihr Notebook fast überall dabei – auch beim Frankfurt-Besuch vor der Skyline: Moderatorin Jule Gölsdorf.
Frankfurt. 

Bekannt ist Julia Alice Gölsdorf vor allem als Moderatorin: Sie ist sonntags an der Seite von Michael Thürnau in der Live-Sendung „Bingo“ im NDR Fernsehen zu sehen, wo sie auch durch das Format „Mein Nachmittag“ führt. Außerdem spricht die Frau, die alle nur Jule nennen, die Nachrichten beim Sender n-tv. Sie arbeitete aber auch schon für den Hessischen Rundfunk, moderierte „Maintower“ und „Hallo Hessen“. Den Deutschen Fernsehpreis erhielt Jule Gölsdorf im Jahr 2010, in der Sparte „Beste Information“ für die Sendung „logo! Die Welt und ich“. Sechs Tage in der Woche steht oder sitzt sie vor der Fernsehkamera. Doch die 40 Jahre alte Wahlfrankfurterin, die gern und viel reist, findet auch noch die Zeit, zu schreiben – und hat damit Erfolg.

Des Geldes wegen klemmt sie sich nach eigenen Worten nicht hinter das Laptop und tippt: „Man verdient schon etwas, aber leider nicht so viel, dass man davon leben könnte – was ich schade finde.“ Bereits als Kind fing sie mit dem Schreiben an. „Als Nachrichtenjournalistin kratze ich meist nur an der Oberfläche.“ In ihren Büchern möchte sie tiefer gehen.

Zurzeit schreibt sie zum Beispiel an einem Buch über Vorurteile. Unter ihrem Pseudonym Dana Philipps erschienen bereits zwei Bücher, mit Timo Boltz verfasste sie „Harn, aber herzlich“, ein Werk übers Pippimachen. Eine ihrer Kurzgeschichten wurde jüngst im Buch „(Un)gelöst“ veröffentlicht, und unter ihrem Namen erschien jüngst der zweite Band einer Krimireihe, die in Monaco spielt. Er trägt den Titel „Tödliche Vorstellung“. Denn Jule Gölsdorf liebt diesen Stadtstaat am Mittelmeer.

Obwohl schier jeden Tag ein Krimi erscheint oder einer im Fernsehen läuft, ist sie davon überzeugt, dass ihrer doch aus der Masse der Veröffentlichungen heraussticht. „Weil der Handlungsort spannend ist.“ In Monaco träfen die Extreme aufeinander: stinkreiche Menschen, die sich in hässliche Hochhäuser zwängen, um Steuern zu sparen, und ganz arme. „Wo sehr viele Menschen mit sehr viel Geld sind, da herrscht auch sehr viel Neid und Missgunst, so dass sich Situationen zuspitzen“, erklärt Jule Gölsdorf, die sich in der Stadt sehr gut auskennt.

„Aber im Herzen bin ich Frankfurterin“, betont Jule Gölsdorf. „Ein halbes Jahr habe ich gebraucht, um das neue Buch zu schreiben“, sagt Jule Gölsdorf. Sie sitzt gern in Cafés, wenn sie schreibt. „Da hat man auch ein bisschen etwas zum Gucken und kann sich inspirieren lassen“, findet die Moderatorin, die von Berufs wegen auch viel liest. „Aber ich schreibe auch gerne im Zug“, schließlich sei sie viel unterwegs. Und nicht nur in Deutschland.

„Ich habe schon als Kind geschrieben und versuche, meinen Büchern immer ein ,politisches Thema im weitesten Sinne’ zu geben“, schildert sie ihre Vorgehensweise. Das kommt bei den Lesern gut an. Auch bei prominenten. Vor einiger Zeit klopfte Kultregisseur Dieter Wedel bei ihr an, dem das erste Buch gefallen hatte und sagte, „ich solle doch mal ein Drehbuch schreiben“.

Wenn „Mörderisches Monaco“, so der Titel des ersten Bandes, tatsächlich verfilmt werden sollte, dann am liebsten „mit mir in der Hauptrolle“, scherzt Jule Gölsdorf. So abwegig wäre das zwar gar nicht, denn „ein bisschen habe ich auch schon geschauspielert“. So war sie schon im „Tatort“, „Löwenzahn“ oder „Verbotene Liebe“ zu sehen. „Das ist ein Traum, als Autorin die Kommissarin zu spielen. Aber ich sage mir immer: Schuster bleib bei deinen Leisten.“ Doch dann lacht sie. „Vielleicht wäre doch eine Nebenrolle drin.“

In „Mörderisches Monaco“ ging es um Homosexualität im Sport „und jetzt geht es um Wildtiere im Zirkus“, sagt Jule Gölsdorf, die Männer mit festem Händedruck mag. „Männer müssen zupacken, sonst kann ich sie nicht ernstnehmen.“ Bei der Figur ihres Kommissars ließ sie sich übrigens von ihrem Vater Dieter Gölsdorf inspirieren. Der ist im wirklichen Leben Inhaber und Designer der Firma Duesenberg, die Gitarren baut. „Mein Kommissar spielt auch Duesenberg und kocht gerne und isst gern in Restaurants“, erklärt Jule Gölsdorf und erzählt auch gleich, dass Schauspieler Johnny Depp eine Gitarre spielt, die ihr Vater gebaut hat.

Jule Gölsdorf werkelt auch wieder – und zwar am dritten Band. „Bisher bin ich allerdings dabei, die Handlung zusammenzustellen.“ Und – Regisseur Dieter Wedel kann sich freuen – Jule Gölsdorf schreibt tatsächlich am Drehbuch.

(es)
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