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Stadtgeflüster: Spatz und Engel – wenn Diven sich treffen

Schauspielerin Heleen Joor spielt im Fritz Rémond Theater Edith Piaf. Foto: Heike Lyding Schauspielerin Heleen Joor spielt im Fritz Rémond Theater Edith Piaf.

Da haben die Schauspielerinnen und Sängerinnen Heleen Joor und Susanne Rader gut lachen, denn in ihren Rollen als Edith Piaf und Marlene Dietrich teilen sie sich einen Mann. Mime Steffen Wilhelm schlüpft beim schillernden Diventreffen „Spatz und Engel“ im Fritz Rémond Theater in mehr als zehn Rollen. Am Donnerstag, 19. Oktober, ist Premiere, und bis dahin muss der Wiesbadener und Mitbegründer des Vereins Volkstheater Hessen noch ein Chanson auf dem Akkordeon lernen, obwohl er das Instrument noch nie gespielt hat. „Und singen werde ich auch, aber das kann ich. Ich stand unter anderem ,im weißen Rössl‘ als Oberkellner Leopold auf der Bühne“, zeigt er sich gelassen. Für die Szenenwechsel, also das Räumen von Requisiten, hat Autor und Regisseur Daniel Große Boymann den 52-Jährigen ebenfalls engagiert. Kurzum, Wilhelm ist ständig in Aktion, auch wenn er nicht gerade in dem musikalischen Schauspiel in rascher Folge Komponisten, Agenten oder einen Boxer darstellt. Letzterer war ein flüchtiges Glück, eine Affäre der Piaf, die 1963 mit nur 47 Jahren starb.

Hört man mit geschlossenen Augen Heleen Joor „Non, je ne regrette rien“ singen, meint man, der echte „Spatz von Paris“ steht da, so verblüffend ist die Ähnlichkeit der rauchigen Stimmen. Die Niederländerin, die in Berlin aufgewachsen ist, geht ganz in den Chansons auf: „Meine Mutter hörte Piafs Lieder, als ich Kind war. Das Timbre ist ein Geschenk. Wenn ich singe, spüre ich die Edith Piaf.“ Die Tragik mancher Texte ist ihr bewusst, „es gibt Tage, da wirken Lieder stark nach, danach erde ich mich dann. ,Mon Dieu‘ ist so ein Lied.“

Was Edith Piaf und Marlene Dietrich verband, vielleicht sogar auf sexueller Ebene, fasziniert noch heute viele Fans. Das Stück erzählt die tiefe Freundschaft der beiden Frauen und spannt den Bogen von 1948 bis zum frühen Tod der Französin. „Die Piaf begrub man mit einem Kreuz um den Hals, das ihr Marlene Dietrich geschenkt hatte. Und diese wiederum behielt zeitlebens einen Zettel ihrer Freundin, darauf: ,Vergiss nie, dass ich dich liebe‘“, weiß Daniel Große Boymann, „Marlene-Hosen, Perlenkleid und wohl auch der legendäre Schwanenmantel“, beschreibt Rader ihre Garderobe. Im Stück gibt sie den patenten Vamp und scheut keine Kussszene mit der Kollegin. „Als ich die beiden zum ersten Mal bei der Probe erlebte, stellten sich bei mir die Nackenhaare auf, ich war hin und weg: Augenweide und Ohrenschmaus“, lobt Wilhelm.

Über Dietrichs Karriere ist eine Menge zwischen Dichtung und Wahrheit überliefert, gleichwohl steht für die Wienerin Susanne Rader fest: „In ihrer frühen Zeit war sie ein bisschen wie ein Punk, denkt man an die androgyne Kleidung und das Wilde. Hollywood machte aus ihr eine Kunstfigur. Doch sie blieb eine Naturgewalt.“ Im Bühnen-Epilog treffen die Legenden noch einmal aufeinander, die Dietrich schon lange bettlägerig. „Was du ewig liebst, bleibt ewig dein“, so der Tenor. Suff, Drogen, Hits, große Gefühle, Herzschmerz und Einsamkeit – die Summe zweier Leben.

Tickets

Bernhard-Grzimek-Allee 1, Telefon: 43 51 66, Karten für die Premiere kosten an der Kasse zwischen 21,50 und 33,50 Euro, für alle weiteren Vorstellungen 17,50 und 28,50 Euro.

(fai)
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