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Sky-Run: Stöhnen, schwitzen und ab und zu ein Lächeln

Der Messeturm müsste eigentlich explodieren, soviel Energie hat er den 1 400 Läufern beim Sky-Run abverlangt. Die 61 Etagen und über 1200 Stufen haben alle Kraft aus den Sportlern herausgesogen. Auch mit einer besonderen psychischen Belastung mussten sie dabei fertig werden.
Christian Fay kann nach dem anstrengenden Lauf sogar noch lächeln. i Foto: Leonhard Hamerski Christian Fay kann nach dem anstrengenden Lauf sogar noch lächeln. i
Sky-Run. 

Die Strecke ist gar nicht so lang, aber dafür umso knackiger. 61 Stockwerke. Über 1200 Stufen. So weit ist es beim Sky-Run bis zum Ziel, dort ganz oben fast an der Spitze des Frankfurter Messeturms. Wer gestern von den rund 1400 Teilnehmern unten losgelaufen ist, hatte noch einen flotten Schritt drauf. Durch ein Spalier von Cheerleadern mit der Aussicht auf die bunte Frankfurter Außenwelt, durch das Foyer mit der imposant hohen Decke ging es hinein ins Treppenhaus. Eine feindliche Umgebung für jeden Sportlergeist.

Bilderstrecke Skyrun 2018: So sehen Läufer nach 61 Stockwerken aus
Foto: Christophe Braun61 Stockwerke hat der Messeturm - beim Skyrun sprinten Athleten sie in wenigen Minuten hoch. Wir haben die Finisher des Turmlaufs kurz hinter der Ziellinie abgelichtet.61 Stockwerke hat der Messeturm - beim Skyrun sprinten Athleten sie in wenigen Minuten hoch. Wir haben die Finisher des Turmlaufs kurz hinter der Ziellinie abgelichtet.

Kahle weiß-graue Wände, stets weniger als eine Armlänge entfernt. Kein Ziel in Sicht, nur das immer gleiche Bild. Allenfalls die Etagen-Nummern – auch sie sind grau – verändern sich. „Wobei, ich bin mir sicher, ich bin zweimal durch die 36 gelaufen“, sagt Stefan Weigel. Der Feuerwehrmann aus Gemmingen bei Heilbronn weiß, dass das nicht sein kann. Er sagt es trotzdem, weil es zeigt, wie sich die Wahrnehmung unter der physischen Belastung in der tristen Umgebung verändert. „Weil da nichts ist, woran du dich orientieren kannst, beginnst du zu zählen“, sagt Weigel. Erst die Etagen in Fünfer-Schritten, dann jeden Stock für sich. „Ab Etage 30 zählt man die Stufen des Treppenteils.“

Mit der 25 Kilo schweren Ausrüstung, die keine Wärme aus dem Anzug lässt, kommt Stefan Weigel ins Ziel und hat nur die Wassertheke im Blick. Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Mit der 25 Kilo schweren Ausrüstung, die keine Wärme aus dem Anzug lässt, kommt Stefan Weigel ins Ziel und hat nur die Wassertheke im Blick.

Dabei hat Weigel nur 16 Minuten gebraucht. Aber das hat gereicht, um dem doch recht sportlichen 42-Jährigen die Farbe aus dem Gesicht zu treiben. Überhaupt hat die Strecke den meisten alle Kraft aus dem Körper gesogen, als sei sie mit dem Schweiß erst vom Gesicht getropft und dann wieder das Treppenhaus runter gelaufen. Schon in Stockwerk 21 haben viele – verständlicherweise – aufgehört zu joggen. Die Geraden zwischen den Treppenteilen gehen sie, nehmen dann Schwung vor den Stufen, um sie schneller zu überwinden.

Alle Glieder ziehen mit

In Stockwerk 59, also kurz vor dem Ziel, gehen fast alle. Manche stöhnen bei jedem Atemzug, dass man sie schon drei Stock über ihnen hört. Christian Fay gehört dazu. Der Sportstudent ist 26 Jahre alt und läuft gebeugt wie ein 80-Jähriger. Am Treppengeländer zieht er sich nach oben, weil es eben leichter ist, wenn die Arme mithelfen, den Körper nach oben zu befördern. Dafür gehört er zu den wenigen, die lächeln, wenn sie durch das Ziel einlaufen.

Ansonsten ist der Gesichtsausdruck der Läufer überwiegend leer. Sie haben keine Kraft mehr für Mimik. Nur gerade durch, heißt es für die Treppenläufer, sich noch kurz auf den Beinen halten, um zum Wasserstand zu kommen. Dann trinken, sitzen und durchatmen. Auffällig sind da nur die Kinder. Auch für sie gab es eine eigene Disziplin. Oben am Ziel, da wo sich alle erholen, sitzen sie aber auf der Bank, lassen die Beine baumeln und scheinen sich zu fragen: Und was machen wir jetzt hier?

Dass Fay im Gegensatz zu Weigel im Ziel noch lächelt, liegt auch daran, dass Weigel in voller Montur die Treppen lief. Auf dem Rücken die Sauerstoff-Flasche, dazu die feuerfeste Ausrüstung. 25 Kilogramm wiegt alles zusammen. „Na aber zur echten Elite gehöre ich deshalb nicht“, sagt Weigel. „Die richtig Krassen laufen mit Atemschutz.“

Bis der Sauerstoff alle ist

So wie Tobias Weinhaus von der Freiwilligen Feuerwehr Sachsenhausen. Mit ihm kommt ein lautes Piepen durch das Ziel. Es zeigt an, dass sein Sauerstoff aufgebraucht ist. „Zwar ist die Luft aus der Flasche kühler“, sagt Weinhaus. „Man muss aber weniger atmen, damit der Sauerstoff nicht aus geht.“ Er will aufstehen, fällt aber gleich wieder auf die Bank. „Ich merke, dass mir Sauerstoff fehlt. Richtig gut sehe ich gerade nicht.“ Dabei war die Strecke gar nicht so lang. Die wahnsinnige Rekordzeit liegt bei sechs Minuten und 26 Sekunden.

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