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Tokio Hotel: Superstars im Elektronikrausch

Die Band „Tokio Hotel“ lebt und liebt in Los Angeles – und gastiert jetzt mit E-Musik in der „Batschkapp“
Nicht mehr im Monsun, sondern im bunten Elektronikgewitter tummeln sich heute die Jungs von „Tokio Hotel“ im musikalischen Sinn: Gitarrist Tom Kaulitz (v. li.), Sänger Bill Kaulitz und der Bassist Georg Listing. Gustav Schäfer spielt das Schlagzeug. Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) Nicht mehr im Monsun, sondern im bunten Elektronikgewitter tummeln sich heute die Jungs von „Tokio Hotel“ im musikalischen Sinn: Gitarrist Tom Kaulitz (v. li.), Sänger Bill Kaulitz und der Bassist Georg Listing. Gustav Schäfer spielt das Schlagzeug.
Frankfurt. 

Tokio Hotel“: Die Band aus – damals – minderjährigen Magdeburgern war einst in aller Munde. Nun ist es seit Jahren schon recht still um die Gruppe der Zwillingsbrüder Bill und Tom Kaulitz, die mit Georg Listing und Gustav Schäfer spielen. Meint man zumindest hierzulande. Musikalisch gab es 2015 dann doch etwas auf die Ohren. Da tobte sich das Quartett, das nun lieber elektronisch zugange ist, im „Gibson“ auf der Zeil aus. In die Schlagzeilen geriet Gitarrist Tom vergangenen September, als er sich scheiden ließ. Allerdings hatte niemand mitbekommen, dass er überhaupt geheiratet hatte. So unwichtig sind die vier inzwischen geworden, von denen zwei (Bill und Tom) vor ziemlich genau sechs Jahren den Sprung über den großen Teich wagten und in die „Stadt der Engel“ zogen.

Dort fühlen sie sich wohl. „Das ist das Schönste an Los Angeles: Man kann sich dort echt gut verstecken“, findet Tom. Aber mal ehrlich, wenn „Tokio Hotel“ wirklich noch so wichtig wären, dann hätte die Hochzeit schon mediale Wellen geschlagen. So aber krähte kein Hahn danach. Auch über die Scheidung gab es nur wenig zu lesen. Bill und Tom kann das nur recht sein. „Wir haben hier ein ganz anderes Leben. Überhaupt leben wir hier“, sagt Tom. „Zu dem Zeitpunkt, als wir aus Deutschland abgehauen sind, waren wir an der Grenze. Damals konnten wir nur im Haus leben, hatten kein Dasein außerhalb der Band. Da haben wir uns gefragt, ob wir so überhaupt weitermachen können und wollen.“ Sie wollten weg.

Alles begann vor etwa elf Jahren, als die Vier dank ihres Hits „Durch den Monsun“ einen abgefahrenen Trip erlebten. Nun, mehr als eine Dekade später, „haben wir als Band nicht das Gefühl, etwas beweisen zu müssen oder unter Druck zu stehen, sondern versuchen, uns vollkommen zu entspannen“, sagt Tom Kaulitz. „Vor sechs Jahren zogen wir nach L.A. und hier haben wir ein ganz neues Leben angefangen. Wir treffen Leute, die wir musikalisch gut finden.“

Allerdings geht es den beiden primär nicht darum, dass sie in Los Angeles mit anderen Künstlern und Musikern in Kontakt treten, „sondern wir meinen das allgemein. Es ist vor allem die Freiheit, die wir hier haben, die wir genießen. Es gab in Deutschland und Europa für uns nichts mehr, denn wir waren an einem Punkt angelangt, an dem wir gar nicht mehr schreiben und komponieren konnten. Wir konnten doch kein richtiges Leben führen. In L.A. dagegen können wir machen, was wir wollen. Das macht es überhaupt möglich, dass wir Musik schreiben und offen sind für Begegnungen mit anderen“. Im Klartext: Dort fallen die Paradiesvögel nicht auf. „Genau“, sagen sie unisono. „L.A. ist insgesamt anders als viele andere Städte. Ein Schmelztiegel vieler Religionen und Kulturen. Hier wundert sich niemand über den anderen. Nichts spielt eine Rolle. Keiner schaut drauf, wie du aus dem Haus gehst“, sagen die Kaulitz-Brüder. Das alles schlug sich auch musikalisch nieder und ein Ergebnis ist das neue Album „Dream Machine“, das im März erscheinen soll – und fast zeitgleich startet ihre Tournee. Am 16. März sind „Tokio Hotel“ in der „Batschkapp“ zu Gast. Die ist zwar ein wenig größer als das „Gibson“ – doch „Tokio Hotel“ füllten einst die Festhalle. Wurmt es sie, dass sie vor immer weniger Leuten spielen? „Das ist etwas ganz Anderes. Eine ganz andere Art von Show. Wir machen schon länger elektronische Musik und auch das neue Album knüpft daran an. Und wir wollen die Läden in eine Club- und Party-Atmosphäre tauchen. Das hat bei der jüngsten Tournee sehr gut funktioniert – vor allem in Läden dieser Größe“, sucht Bill Kaulitz nach Erklärungen, die aber nicht wirklich überzeugend klingen. Doch ihren Humor haben die beiden Magdeburger Ex-Superstars trotz alledem nicht verloren. Und so antworten beide auf die Frage, was sie an Frankfurt am Main besonders schätzen: „Den Flughafen. Der hat einen tollen Raucherbereich!“

(es)
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