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Americana- und Folk-Szene: Träumen vom Durchstarten

Der Folk-Musiker Markus Rill mischt die Szene auf.
Schreibt und singt Songs, die etliche Musiker und andere Zuhörer begeistern: Markus Rill. Schreibt und singt Songs, die etliche Musiker und andere Zuhörer begeistern: Markus Rill.
Frankfurt. 

Um seine Person, wie sollte es anders sein, macht er kein großes Aufheben. Dabei zählt der gebürtige Frankfurter Markus Rill zu den gefragtesten und bekanntesten Musikern in einer nicht wirklich kleinen Szene: der Americana- und Folk-Szene.

Zehn CDs hat er aufgenommen. Unzählige Konzerte gespielt. Ein Aufwand, den er nicht nur mit Herzblut betreibt, sondern einer, der sich auch lohnt. Denn Musikgrößen wie der Sänger Tom Waits , die Blues- und Country-Legende Bonnie Raitt , Rosanne Cash , Tochter von Johnny Cash, Country-Sänger Ray Wylie Hubbard und Singer-Songwriterin Gretchen Peters lobten nicht nur seine Songs, sondern empfahlen sie auch weiter. Regelmäßig gehört er zu den Finalisten der „International Songwriting Competition“. Verschiedene seiner Songs erreichten die Finalrunde in den Americana- und Folk-Kategorien des Wettbewerbs mit Jurymitgliedern wie Jerry Lee Lewis und Ray Davies .

Viel Ehre für den Mann, der seit 15 Jahren als Lokaljournalist bei der „Mainpost“ arbeitet. Schon als Schüler und dann auch später während des Studiums schnupperte er Zeitungsluft. Doch weder die Karriere als Musiker noch die Laufbahn als Zeitungsmacher deuteten sich in seiner Kindheit und frühen Jugend an, denn: „Ich habe das Ringen beim ASC Zeilsheim angefangen und war recht talentiert – später war ich ein paar Mal Deutscher Meister im Jugend und Juniorenbereich.“

Rill, der in Aschaffenburg aufwuchs und nun in Würzburg lebt, hat sogar Bundesliga gerungen – beim AC Bavaria Goldbach. Nach dem Abitur wurde das Musikmachen für ihn immer wichtiger. Sein Faible für den guten Ton entdeckt er aber bereits „als Bub“ für sich. Damals hört der kleine Markus mit Vorliebe Shakin’ Stevens , Huey Lewis und John Mellencamp . „Den fand ich damals ganz groß.“ Selbst zur Gitarre griff er allerdings ziemlich spät. Erst im Alter von 17 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die sechs Saiten. „Mit einem Freund habe ich vor dem Abi einen Volkshochschulkurs besucht. Auch weil ich mich sehr zu Singer-Songwritern hingezogen gefühlt habe“, erinnert sich der 46-Jährige. All das mit dem Ziel, „selbst Songs zu schreiben“.

Nach sechs Monaten Unterricht war es dann soweit und Markus Rill schrieb seine ersten eigenen Lieder. „Die Gitarre war nie Selbstzweck, sondern das Vehikel, um zu den Songs zu kommen“, sagt er heute. Während des Studiums – Englisch und Sozialkunde auf Lehramt – machte er sich auf über den großen Teich. Seinen Auslandsaufenthalt während der Studienzeit verbrachte er in Austin in Texas, „weil dort sehr viele von den Songschreibern, die ich verehre, gelebt und gearbeitet haben“.

Austin war der Wendepunkt in seinem Leben. Hier entschied sich der damals 24-Jährige, dass er es als Ringer nicht mehr in die Weltklasse schaffen würde. Er wandte sich ganz der Musik zu. Bereut habe er diesen Schritt nie. „Aber es gab ein paar Jahre, in denen ich mich gefragt habe, ob ich nicht doch ein wenig zu früh mit dem Leistungssport aufgehört habe.“

Bei dem Job als Journalist, den er heute hat, einem Zeitfresser par excellence, stellt sich die Frage, wie er Beruf, musikalische Karriere und das Leben an sich unter einen Hut bekommt. „Das ist schon sehr anstrengend. Ich habe fast jeden Abend irgendetwas. Vor allem in den Zeiten als ich Reporter war, war es schwierig, Konzerte auszumachen unter der Woche.“ Aber einmal Musiker, immer Musiker. Deshalb klappt das alles schon. Zumindest irgendwie.

Drei von seinen zehn Platten nahm Rill in der legendären Musikstadt Nashville auf. „Ich habe dabei herausragende Musiker kennengelernt. Die größten, die es für mich gibt, die zu den gefragtesten Session- und Begleitmusikern gehören – und die fanden mein Zeug prima. Das ist überragend, wenn solche Musiker meine Sachen goutieren.“

Ob er nach zehn eigenen Alben musikalisch dort angekommen ist, wo er wollte, kann er nicht beantworten. „Da sind einige Songs dabei, mit denen bin ich noch zufrieden, die kann ich immer spielen und die funktionieren“, so Rill, der mit seinen „Troublemakers“ eine Band zusammengestellt hat, mit der er auch vollauf zufrieden ist. „Es war früher schwer, Leute zu finden, die zu meiner Art von Musik Zugang hatten.“ Vom Musikmachen leben kann Rill trotz all dieser Lobeshymnen nicht. Aber er sagt: „Ich glaube, die neue CD ,Dream Anyway’ ist eine ganze Ecke zugänglicher.“ Das könnte sich vielleicht positiv auf die Verkaufszahlen auswirken. Das wäre ihm zu wünschen.

(es)
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