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Stadtgeflüster: Übersetzerin mit Japan-Faible

Den japanischen Bestsellerautor Haruki Murakami übersetzt Ursula Gräfe (hier in der Buchhandlung „Weltenleser“) sehr gern. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Den japanischen Bestsellerautor Haruki Murakami übersetzt Ursula Gräfe (hier in der Buchhandlung „Weltenleser“) sehr gern.

Mr. Darcy ist schon ein Traummann“, schmunzelt die Frankfurterin Ursula Gräfe . Sie muss es wissen, kennt die Übersetzerin doch den versnobten Helden aus Jane Austens Roman „Stolz und Vorteil“ Wort für Wort. Kürzlich erschien die vollständig neu bearbeitete deutsche Ausgabe des Klassikers, eine Fleißarbeit für die Wort-Expertin aus dem Nordend. „Jetzt ist alles in einem schöneren Fluss und hat ein kleines bisschen mehr Witz, hoffe ich“, sagt sie über das Ergebnis.

Erstaunliche Parallelen sieht die Übersetzerin zum japanischen Bestsellerautor Haruki Murakami , dessen deutsche Stimme Ursula Gräfe ebenfalls ist: „Einerseits liefern sie psychologische Einblicke, andererseits sind sie zurückhaltend. Aber Austen und Murakami schaffen es, den Leser für die Figuren in einer Weise zu interessieren, die Spaß macht.“

Derzeit arbeitet die Übersetzerin an einem neuen Werk des Japaners; um was es geht, ist aber „noch geheim“. Nur soviel verrät sie: „Motto ist erneut ein musikalisches Stück.“

Bei Bestsellerautoren muss es schnell gehen mit der Übersetzung, dafür sitzt Gräfe schon im Morgengrauen am Schreibtisch. „Meist bis nachmittags. Nachtarbeit liegt mir nicht.“ Die japanischen Schriftzeichen zu verstehen, hat sie im Studium der Japanologie an der Goethe-Universität gelernt, „ein visuelles Gedächtnis ist von Vorteil“, weiß sie. Aus „Abenteuerlust“ habe sie das Studium begonnen, „obwohl ich fast nichts über Japan wusste.“

Im Elternhaus, der Vater war Musiker, wurden solche Neigungen gefördert. „Die japanische Sprache funktioniert anders, keine Artikel und kein Plural beispielsweise. Auch steht der atmosphärische Aspekt im Vordergrund, weniger die kausale Logik.

Die deutsche Übersetzung muss also die Stimmung einfangen und dabei auch mit Widersprüchen umzugehen wissen.“ Gleichwohl sei sie davon entfernt, die Sprache perfekt zu beherrschen. „Es gibt unzählige gleichlautende Worte, Japanisch ist eine enorm kontextbezogene Sprache.“ Tief steigt Ursula Gräfe in die Gedankenwelt von Murakami und anderen japanischen Autoren ein, und macht sich die Mühe, den Gebrauch von Gegenständen zu recherchieren. „Bei Murakami kam einmal eine Pistole vor, also ging ich in Fachgeschäft in der Berliner Straße und ließ mir diesen Waffentyp genau erklären.“ Den Autor hat die Frankfurterin mehrmals getroffen, erlebte ihn mit seiner Ehefrau Yoko als ausgesprochen höflich. Gräfe sagt: „In Japan sind Schriftsteller Stars. Auftritte in der Öffentlichkeit werden erwartet. Doch Murakami hat sich dem bisher weitgehend widersetzt; keine TV-Auftritte, kaum Interviews. Das nehmen ihm Literaturkritiker übel, man lästert, seine Romane seien ,batakusai’, also ,riechen nach Butter’, sprich nach westlichem Ausland, was ich aber ungerechtfertigt finde.“

Sieht die Übersetzerin „ihre“ Bücher im Verkaufsregal, so wie beim Gespräch in der Buchhandlung „Weltenleser“ im Oeder Weg, erfüllt das die 60-Jährige mit Stolz: „Das Wesen des Übersetzers ist es, im Verborgenen zu wirken. Doch es gibt nichts Schöneres auf der Welt“. Und wenn’s stressig wird, findet sie Hilfe in den eigenen Werken – darin gibt der Indien-Fan nämlich Tipps aus der buddhistischen Philosophie wie diesen goldenen Grundsatz: „Alles in Maßen.“

(fai)
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