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Stadtgeflüster: Unter Schotten: „Was wirklich zählt, ist die Poesie“

Übersetzer Brian Laird deklamierte Robert Burns’ Ode an den Haggis und schlitzte den Schafsmagen traditionell mit dem Messer auf. Foto: Leonhard Hamerski Übersetzer Brian Laird deklamierte Robert Burns’ Ode an den Haggis und schlitzte den Schafsmagen traditionell mit dem Messer auf.

Unglaublich: Da schwingt einer im Bahnhofsviertel ein großes, blitzendes Messer, spricht aufgewühlt und mit hartem Akzent, und die Zuhörer in Abendkleid, Smoking oder Kilt applaudieren: Brian Laird , der Mann mit dem Schlachtermesser, zerteilt einen dampfenden Haggis und deklamiert dabei ein Gedicht des schottischen Nationaldichters Robert „Rabbie“ Burns (1759– 1796). Die „Adress to the Haggis“, eine Huldigung an einen gefüllten Schafsmagen, ist der Höhepunkt jedes „Burns Suppers“.

Seit zehn Jahren lädt die Britische Handelskammer im Rhein-Main-Gebiet zu ihrem „Burns Supper“ in den pompösen historischen Saal der Freimaurer-Loge zur Einigkeit in die Kaiserstraße. Ein Burns Supper ist ein traditioneller Abend, mit dem Leben, Werk und Geist des Dichters gefeiert wird. Burns Suppers gibt es seit mehr als 200 Jahren, und es gibt sie heute immer mehr und immer öfter als früher: Der Dichter ist beliebt, das Schottischsein auch. Firmen, Gesellschaften, Vereine, Schulen oder Familien rund um den Globus feiern Burns. Mehr als 1000 Clubs und Vereine haben sich nach ihm benannt; seine Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und sind doch nur typisch Burns in seiner Sprache, dem Scots Gael. „Burns wurde so oft ins Deutsche übersetzt, so oft wie in keine andere Sprache. Eigentlich ist er auch Deutscher“, sagt Lord Norman Lamont of Lerwick , der die traditionelle „Immortal Memory“-Rede an Burns, das unsterbliche Gedenken, hält. Der auf den Shetlands geborene Lord war Schatzkanzler (Finanzminister) unter Premier John Major ; damals war der spätere Premier David Cameron sein Berater. Zuvor hatte Lamont Major als Chefsekretär im Schatzamt von Maggie Thatcher unterstützt. Lord Lamont sorgte dafür, dass das Vereinigte Königreich nicht der EU-Zone beitrat. In Frankfurt wurde der Brexit-Befürworter oft auf dieses Thema angesprochen, doch er war ganz auf Robert Burns konzentriert: „Was wirklich zählt, das ist die Poesie.“

Festredner waren vor Lord Lamont schon Burns-Spezialisten wie der Literaturprofessor Murray Pittock oder Andy McNeill aus Aschaffenburg, Whisky-Spezialist und Burns-Liebhaber. Haggis ist übrigens keinesfalls so grauslig wie es sich anhört: Der Schafsmagen ist mit Innereien, Zwiebeln und Haferflocken gefüllt, stark gewürzt und wird mit Kartoffelstampf und Steckrüben serviert. Dazu gibt es traditionell reichlich Whisky.

(hv)

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