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Vokuz rappt um sein Leben

Dass ein berühmter Rapper seine Songs über die Sozialen Medien teilte, empfindet der 22-jährige Rapper Daniel Räuber alias Vokuz als Ritterschlag. Vor fünf Jahren ist der Bad Hersfelder erblindet. „Die Musik gab mir Lebensqualität zurück“, sagt er. Foto: Michael Faust Dass ein berühmter Rapper seine Songs über die Sozialen Medien teilte, empfindet der 22-jährige Rapper Daniel Räuber alias Vokuz als Ritterschlag. Vor fünf Jahren ist der Bad Hersfelder erblindet. „Die Musik gab mir Lebensqualität zurück“, sagt er.

Siehst du nix, wird alles andere klar“, rappt Daniel Räuber alias Vokuz kurz auf dem Eisernen Steg an. Den Album-Song „Kompass“, aus dem diese Zeile stammt, hat der 22-Jährige aus Bad Hersfeld gemeinsam mit dem Soul-Popsänger Sebastian Hämer („The Voice of Germany“) aufgenommen. Räubers Texte sind abseits des typischen Gangsta-Rap, ballern etwas sanfter auf den wunden Punkt.

Mit einer Sehbehinderung auf die Welt gekommen, erblindete der Hesse mit 17 Jahren fast vollständig. Was blieb, ist „wie durch eine stark beschlagene Autoscheibe schauen“, beschreibt er. Doch der Nachwuchs-Rapper will nicht auf sein Handicap reduziert werden, bloß keine falsche Rücksicht, was er im knallharten Musik-Business ohnehin nicht erwarten kann. Mit Labrador-Hündin Lina, die ihn im Alltag unterstützt, ist er oft in Frankfurt unterwegs, fast täglich fährt er ins Fechenheimer Industriegebiet, wo er an der Pop-Akademie mitten in der Ausbildung zum Tontechniker steckt.

Anfangs sei die Musik eine Art Selbsttherapie gewesen, ein Ventil, ermutigt vom Bruder, der das Talent für den Sprechgesang erkannte. „Dafür bin ich ihm dankbar, dass er mich fast gezwungen hat weiter zu rappen. Die Erblindung war doch ein ziemlicher Schlag in die Seite. Die Musik gab mir Lebensqualität zurück und ist heute ein großer Teil meines Lebens. Sie ist mein Fokus, daher der Künstlername“, so der Sänger. Mehr noch: „Auch ohne die Erblindung würde ich rappen, das weiß ich. Mit 14 Jahren fing ich damit an. Je ernster aber mein Leben wurde, mit 16 Jahren erhielt ich die finale Diagnose, desto klarer wurde, wie wichtig der Rap für mich ist.“

Irgendwann nur noch Musik zu machen, peilt der Wahl-Frankfurter an, sein Credo sagt dahingehend alles: „Am Ende des Tages möchte ich alles gegeben haben. Zeit will ich hundertprozentig nutzen, man weiß nie, was kommt.“ Die ersten Songs, privat ins Netz gestellt, klangen noch ziemlich düster, in Krankheit und Trauer verfangen. Daraus ist ein lyrischer Optimismus geworden, auf den bereits Rap-Größen wie Kool Savas aufmerksam wurden. Tausendfach werden die Musikvideos von Vokuz im Netz angeklickt. Zwei entstanden auf Mallorca an sturmumtosten Klippen, ganz in der Nähe lebt heute Räubers Bruder. „Dass Kool Savas, der König des Deutsch-Rap, einen meiner Songs über die sozialen Medien teilte, empfinde ich als Ritterschlag. Und dieses Feedback sagt mir, ich bin auf dem richtigen Weg.“ Die Bodenhaftung verliert er dabei nicht: „Kool Savas hat mich nun wahrgenommen, aber ich biedere mich nie an. Jetzt gebe ich wieder Gas und versuche ihn und andere durch gute Songs auf mich aufmerksam zu machen.“

Ein großer Clubgänger sei er privat nicht, erzählt der Rapper. Lieber hängt er mit Freunden am Mainufer und im Niddapark ab oder bastelt mit Musiker-Kollegen im privaten Tonstudio. Langsam ziehen die Auftritte an, neulich war er in Berlin, demnächst steht ein Festival an der Mosel an. „Ich will nie wieder sagen, dass es für irgendwas zu spät ist“, heißt es im neuen Song „Welle“, der, in einem Offenbacher Tonstudio produziert, am 18. August erscheint. Das Thema ist ihm biografisch nah: „Es gibt positive und negative Wellen im Leben. Ich nehme jede Welle mit, egal was kommt.“

(fai)
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