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Stadtgeflüster: Was eine Schottin an Frankfurt liebt

Jill McAusland spielt das Blumenmädchen Eliza im Stück „Pygmalion“ im English Theatre. Foto: Heike Lyding Jill McAusland spielt das Blumenmädchen Eliza im Stück „Pygmalion“ im English Theatre.

The rain in Spain stays mainly in the plain... Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen. Da verknotet sich die Zunge des Blumenmädchens Eliza Doolittle bei der vornehmen Aussprache. Schauspielerin Jill McAusland zeigt noch bis zum 26. Oktober im English Theatre wie aus der derben Rinnsteinpflanze eine anmutige Lilie wird, dem selbstherrlichen „Imageberater“ und Sprachwissenschaftler Professor Higgins sei Dank. Die vor über 100 Jahren von George Bernhard Shaw geschriebene Satire „Pygmalion“ ist für scharfzüngige Dialoge und Witz weithin bekannt.

Was eine tiefe Sprachbarriere ist, hat die Schottin Jill McAusland selbst erfahren als sie mit ihren Eltern von Glasgow in die Nähe von London zog: „Ich war zehn Jahre alt. Die Leute am neuen Ort verstanden mich nicht. So musste ich meinen Akzent wechseln.“ War die Familie unter sich, die 27-Jährige hat drei Brüder, wurde weiter im Heimatdialekt gesprochen. Und noch eine Parallele zu Eliza Doolittle tut sich auf, umgeben von Blumen sieht sich die sympathische Schauspielerin besonders gern. Auf der Freßgass’ taucht sie kurzerhand an einem Blumenladen in ein Blütenmeer, ganz so als wolle sie die Pracht feilbieten. „Entschuldigung“, antwortet sie auf die Frage nach ihrem deutschen Lieblingswort, das ihr in den ersten Wochen in Frankfurt doch sicher begegnet sei. „Entschuldigung. Das Wort klingt einfach schön“, sagt sie lachend.

Große Augen macht sie, als man ihr eine DVD-Sammelbox der britischen Erfolgsserie „Call the Midwife“ (Ruf des Lebens) zeigt und um ein Autogramm bittet. Die Fernsehserie spielt im London der 1950er Jahre und erzählt von Hebammen und Nonnen, die in einem Arbeiterviertel Geburtshilfe leisten. In dem Format aufzutreten ist für britische Schauspieler fast ein Ritterschlag. „Ich war 2015 dabei und spielte eine Schwangere, deren Mutter versuchte, die Geburt des unehelichen Kindes zu verheimlichen. Der Dreh war eine tolle Erfahrung, doch die Szenen sind schon brutal realistisch“, erinnert sie sich. Jill McAusland stellte im Film einen Teenager dar, was man ihr ohne weiteres abnimmt, und nur bei Barbesuchen manchmal zum Problem wird: „Es kommt vor, dass ich meinen Ausweis vorzeigen soll.“

In Frankfurt ist ihr das „Birmingham Pub“ nahe der Konstablerwache zu einem Stück Heimat geworden, wegen der britischen Atmosphäre und den vielen Kollegen, die dort nach der Vorstellung einkehren. Eine Eliza Doolittle, zur blitzsauberen Dame der Gesellschaft geformt, würde dagegen nie an einem Biertresen abhängen, oder? „Viele haben den Film ’My Fair Lady’ im Kopf. Doch in unserem Stück wird eine moderne Eliza gewürdigt, sie ist emanzipierter. Will sie wirklich am Ende bei dem eitlen Professor Higgins bleiben, ihn heiraten? Einer, der aus ihr in einer Art Frankenstein-Experiment ein sprachliches Kunstwerk geschaffen hat?“, fragt die Schauspielerin.

Im English Theatre wird der ewig junge Klassiker unter dem Spielzeit-Motto „Das Monster in uns“ verortet, das ab 11. November mit dem Musical-Thriller „Jekyll & Hyde“ nachzieht. Statt einen anderen zu optimieren, versucht darin der gelehrte Held sich selbst zu einem idealen Menschen zu gestalten – ein Experiment, das in einem Alptraum mündet.

(fai)
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