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Wie Hessens Prinzessinen lebten

Landgraf Donatus von Hessen  vor einem der Werke, die derzeit im Ikonen-Museum zu sehen sind. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Landgraf Donatus von Hessen vor einem der Werke, die derzeit im Ikonen-Museum zu sehen sind.

Liebe, Glanz und Untergang“, titelt die neue Ausstellung im Frankfurter Ikonen-Museum und fasst damit hohe und dunklere Momente zusammen, auf welche die meisten royalen Häuser zurückschauen können. Vier Prinzessinnen aus dem Haus Hessen heirateten russische Herrscher: Ihrem Leben weit entfernt vom Darmstädter Hof ist die opulente Schau gewidmet, die gestern im Beisein von Landgraf Donatus von Hessen eröffnet wurde. Das 51-jährige Oberhaupt des Hauses Hessen – Ururur-Enkel von Queen Victoria und Großneffe der amtierenden Queen – ist mit den Prinzessinnen engstens verwandt.

Die bekannteste unter ihnen ist Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein, die im Sommer 1918 mit ihrem Ehemann, Zar Nikolaus II., und den fünf gemeinsamen Kindern von Revolutionären erschossen wurde. Die Kuraufenthalte und Besuche des Paars in Darmstadt, Bad Nauheim und Gießen sind gut dokumentiert.

Museumsleiter Dr. Richard Zacharuk (rechts) und Oleg Ksenofontov, Botschaftsrat der Russischen Förderation. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Museumsleiter Dr. Richard Zacharuk (rechts) und Oleg Ksenofontov, Botschaftsrat der Russischen Förderation.

Die Abdankung des letzten Zaren vor einhundert Jahren nimmt die Schau zum Anlass, an die Prinzessinnen zu erinnern. Vor allem deren persönlicher Besitz, vom bemalten Fächer bis hin zu kostbarem Schmuck, die prachtvollen Roben sowie die privaten Notizbücher, Briefe und Fotografien zeichnen ein intimes Bild der vier Großfürstinnen und Zarinnen, von dem sich die zahlreichen Gäste überzeugen konnten. Einiges erfährt man über die russische „Brautschau“ in Europa in einer Zeit, als royale Ehen dynastisch motiviert waren und die Liebe oft erst mit der Zeit kam oder man sich für diese Nischen suchte.

Eine außereheliche Liaison der frommen Natalja Alexejewna, geborene Wilhelmine Luise von Hessen-Darmstadt, wird von den Ausstellungsmachern ebenso wenig unter den Teppich gekehrt wie andere Hofgeheimnisse. „Wir zeigen mehr als 320 Exponate. Erstmals finden die Leihgaben in einem deutschen Museum zusammen, über 25 Leihgeber unterstützen dieses einzigartige Projekt, darunter sind die wichtigsten Museen Russlands vertreten. Einige Stücke kommen aus den USA und aus Aserbaidschan“, so Museumsdirektor Richard Zacharuk. Er zeigte ein Exponat mit Lokalkolorit, aufwendig illustrierte Spielkarten nach Entwürfen eines Künstlers der Frankfurter Spielkartenfabrik Donhof, ein Kleinod aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Als Prototypen für die stilisierten Darstellungen auf den Karten dienten die Fotografien eines russischen Benefiz-Kostümballs.

„Ein sehr berührendes Stück ist der Abreißkalender, welcher kurz vor dem Tod der letzten Zarin endet“, erklärte der Museumsleiter weiter. Bei allen Prinzessinnen endete das Leben auf tragische Weise, ob Tuberkulose, Tod im Kindbett mit 21 Jahren oder Ermordung. „Fast könnte man von einem Fluch sprechen, verteilt über zwei Jahrhunderte. Gleichwohl ist es ein Spiegelbild der damaligen Zeit“, resümierte Richard Zacharuk.

Für die Ausstellung, die bis zum 26. Februar läuft, hegt er einen Wunsch: „Mit ihr kann man ein Zeichen setzen: Wir – Deutschland und Russland – waren uns schon einmal näher. Wir sind verwandt und uns verbindet viel.“

Russisch sprechen könne er leider nicht, gab Landgraf Donatus von Hessen zu, erwies sich aber als Kenner der hessisch-russischen Ehe-Allianzen. „Toll gearbeitet sind die emaillierten ’Zarenbecher’ mit dem Zarenwappen, mit solchen bin ich aufgewachsen. Sie wurden auch bei den Krönungsfeierlichkeiten von Nikolaus II. im Jahr 1896 ans Volk verschenkt. Bei der Verteilung gab es eine Massenpanik, über 1300 Menschen kamen dabei zu Tode.“ Die bis heute größte Katastrophe dieser Art hätte als schlechtes Omen für die Zukunft der Zarenfamilie gelten können.

Seide, Atlas und viel Gold – wie feudal die russischen Herrscherinnen lebten, macht diese Schau deutlich. Großes Gefallen fand Landgraf Donatus an den historischen Menükarten, die eigens für Feste und Tischgesellschaften angefertigt wurden und die von den Spezialitäten der französischen Küche berichten. „Einmal hat mein Vater noch so etwas anfertigen lassen“, erinnerte sich der Adlige.

Apropos französische Lebensart: Die Korrespondenz der Prinzessinnen erfolgte auf Französisch, der russische Hof gab sich europäisch – genau wie das enge Schnürmieder zu tragen war es comme il faut, also vorbildlich, Französisch zu parlieren.

(fai)

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