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Stadtgeflüster: Wie fasten die Frankfurter?

Vor einer Woche, an Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. Das muss nicht immer der Verzicht auf Lebensmittel sein. Viele lassen öfter das Auto stehen und fahren lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit, verzichten auf Schokolade und Gummibärchen, lassen einige Wochen die Finger von Alkohol – oder nehmen die Fastenzeit als Anlass, ungesunde Gewohnheiten wie etwa das Rauchen abzulegen.

Vor einer Woche, an Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. Das muss nicht immer der Verzicht auf Lebensmittel sein. Viele lassen öfter das Auto stehen und fahren lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit, verzichten auf Schokolade und Gummibärchen, lassen einige Wochen die Finger von Alkohol – oder nehmen die Fastenzeit als Anlass, ungesunde Gewohnheiten wie etwa das Rauchen abzulegen.

Dabei steht für viele Menschen nicht der ursprüngliche, religiöse Aspekt des Fastens im Vordergrund, sondern vielmehr, sich zumindest ein paar Wochen im Jahr bewusst zu ernähren und zwischen der Winterzeit und dem Sommer noch einmal in sich zu gehen und den Körper zu entgiften. Doch auch um bewusstes Konsumverhalten geht es, darum, die kleinen Dinge wieder wertzuschätzen. Denn wie köstlich werden Gänsebraten oder Schokoladenei an Ostern sein, wenn man zuvor sechs Wochen darauf verzichtet hat?

40 Tage dauert traditionell die Fastenzeit, bis Karfreitag wird landauf, landab verzichtet. Wir haben nach der ersten Woche sechs bekannte Frankfurter gefragt, ob sie fasten, wenn ja, worin sie Verzicht üben – und natürlich, ob es ihnen bislang gelungen ist und wie sie ihre Chancen sehen, bis zum Ende durchzuhalten.

40 Tage nicht fluchen und tagelang wandern

<span></span> Bild-Zoom Foto: Leonhard-Hamerski

Daniela Cappelluti, Eventmanagerin und Geschäftsführerin des Kreisverbands Frankfurt der Grünen, will bis Karfreitag nicht fluchen. „Das ist wirklich schwer für mich“, gibt sie zu. Denn: „Ich bin schon ein sehr fluchender Mensch.“ Deshalb muss sie nachdenken, bevor sie etwas sagt. „Denn Flüche sind sehr schnell ausgesprochen“, gibt sie zu. Sollte ihr aber doch ein Fluch herausrutschen, will sie künftig 50 Cent in die Spardose ihres Sohnes werfen. „Der freut sich an Ostern dann bestimmt“, sagt sie und lacht. Besonders schwer fällt ihr das selbst ernannte „Fluchfasten“, wenn sie bei einem Eintracht-Spiel ist. „Das ist echt schwierig, dann nicht zu schimpfen."

Außerdem unternimmt Cappelluti wieder eine spezielle Wanderung. „Ich faste erst eine Woche und dann fahre ich an Ostersamstag zum Fastenwandern ins Allgäu“, sagt sie. „Das mache ich schon seit einigen Jahren so.“ Morgens gibt es dann nur einen Tee, abends eine heiße Brühe – und dazwischen wird bis zu sieben Stunden am Tag nur gewandert. „Ab dem dritten Tag bin ich immer richtig fit. Man glaubt gar nicht, wie viel Energie der Körper durch die Verdauung verliert.“

Weniger Fleisch essen

<span></span> Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

„Ich faste jedes Jahr“, sagt Mathias Scherer , amtierender Karnevalsprinz Mathias I. Er versucht, jeglichen Alkohol wegzulassen und weniger Fleisch zu essen. Der 51-Jährige erklärt: „Ich bin zwar Karnevalist durch und durch, für mich hat Karneval aber nicht zwangsläufig etwas mit Alkohol zu tun. Trotzdem habe ich das Bedürfnis, nach der Weihnachtszeit, Silvester und dem Karneval meinem Körper etwas Ruhe zu gönnen, runterzukommen.“ Er gibt offen zu, dass ihm das manchmal schwerfällt: „Ich bin ein Genussmensch – ich liebe gutes Essen und einen guten Wein.“

Weder Kuchen noch Eis

Rachid Rawas Bild-Zoom Foto: Christian Christes (Christian Christes)
Rachid Rawas

„Ich liebe Kuchen und Eis“, sagt Rachid Rawas , SPD-Stadtteilpolitiker und evangelischer Theologe. „Darauf verzichte ich nun auch bis Ostern.“ Jahrzehnte lang habe er extremer gefastet: „Sonst habe ich immer 40 Tage lang nur Wasser und Brot zu mir genommen und alle sieben oder acht Tage alles, was die Natur so hergibt. Denn der Körper braucht ja Nährstoffe und Vitamine“, erklärt er. Doch das sei ihm in diesem Jahr nicht möglich. Deshalb verzichtet er diesmal auf Kuchen und Eis. „Ansonsten ernähre ich mich auch außerhalb der Fastenzeit gesund – und Auto fahre ich auch nicht.“

Auf Alkohol verzichten und Nikotin reduzieren

Roland Frischkorn Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Roland Frischkorn

„Verzichten stört mich gar nicht. Da kommt mir meine Sturheit zugute“, sagt Roland Frischkorn , Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt. Seit Aschermittwoch verzichtet er auf Alkohol, „und ich reduziere das Rauchen von täglich 30 auf zehn Zigaretten“, sagt er. Schon seit einigen Jahren fastet er in Sachen Alkohol und Nikotin – und das nicht nur bis Karfreitag. „Ich versuche das mindestens drei Monate lang durchzuhalten.“ Der Effekt sei immer positiv: „Die Geschmacksnerven erholen sich, und plötzlich empfindet man Gerichte als scharf, die es zuvor nicht waren.“

Lieber Heilfasten

Bild-Zoom Foto: Holger Menzel

Der Discjockey Julien Smith hat sich bewusst gegen das Fasten entschieden. „Ich finde, die Christen machen das sehr selbstgefällig. Die einzigen, die wirklich fasten, sind die Muslime beim Ramadan.“ Stattdessen setzt der Musikfan auf Heilfasten: „Das finde ich viel sinnvoller.“

Kohlenhydrate und Süßigkeiten sind vorerst gestrichen

Galia Brenner Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Galia Brenner

„Eine leckere Pasta zu essen ist das, was mich glücklich macht“, sagt Galia Brener , „Essen ist mein Highlight.“ Trotzdem verzichtet die Influencerin und Designerin derzeit auf jegliche Kohlenhydrate, also „Nudeln und Pizza sowie Süßigkeiten. Und das macht mich schon ziemlich bissig und schlecht gelaunt“, gibt die gebürtige Kanadierin zu. „Aber was macht man nicht alles für die Figur und für Gott.“ Das strenge Fasten durchhalten lässt sie ein Gedanke: „Wenn ich fertig bin, esse ich eine Woche lang jeden Tag eine XXL-Pizza, viele Schokoriegel und trinke ganz viel Cola“, sagt sie.

 

 

 

 

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