Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Stadtgeflüster: Wim Wenders mag die Romantik

Star-Regisseur Wim Wenders schwärmt für die Romantikstadt Frankfurt - und hofft, dass es ihm bald viele Menschen gleichtun.
Nader Maleki (Mitte) hat soeben die hessische „Ehrenurkunde für Kunst und Kultur“ verliehen bekommen. Seine Frau Maryam  präsentiert die Urkunde, Minister Boris Rhein (CDU) die Trophäe, den Landeslöwen. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Nader Maleki (Mitte) hat soeben die hessische „Ehrenurkunde für Kunst und Kultur“ verliehen bekommen. Seine Frau Maryam präsentiert die Urkunde, Minister Boris Rhein (CDU) die Trophäe, den Landeslöwen.

Frankfurt ist die heimliche Hauptstadt der Romantik – demnächst nicht mehr“, sagte Wim Wenders und meint damit, dass Frankfurt mit dem Romantik-Museum bald offiziell Hauptstadt dieser besonderen Epoche sein wird. Wenders war am Samstag im Grandhotel Hessischer Hof Stargast beim exklusiven Benefiz Dinner für das Museum. Gastgeberin war die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU).

Das Deutsche Romantik-Museum entsteht derzeit neben dem Goethe-Haus und wird das „Ensemble aus Goethe-Haus und Gemäldegalerie der Goethezeit um einen Erweiterungsbau ergänzen. Basis hierfür ist die einzigartige Sammlung zur Literatur der deutschen Romantik, die in den vergangenen 100 Jahren vom Freien Deutschen Hochstift, dem Träger des Goethe-Hauses und Goethe-Museums, zusammengetragen wurde. Die Grundfinanzierung in Höhe von 16 Millionen Euro für den Neubau und die Einrichtung der Dauerausstellung ist bereits gesichert. Doch um es noch angemessen auszustatten, braucht es noch Geld. Die Eröffnung ist für Anfang 2020 geplant.

Eduard M. Singer , Generaldirektor des Hessischen Hofs, möchte mit dem Benefiz-Dinner das Museum beim Spenden sammeln unterstützen. An den Tischen, die an diesem Abend nach berühmten Romantikern benannt sind, sitzen viele besondere Gäste der Frankfurter Stadtgesellschaft. Am Tisch „Carl Gustav Carus“ eben Stargast Wenders, neben sich Roth und Anne Bohnenkamp-Renken , die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts. Wenders erzählt später, dass die Maler dieser Epoche, darunter eben Carus und Caspar David Friedrich, seine größten Helden seien. So zeigt er auch in seiner Rede, wie sein neuer Film „Submergence“, der im Februar in die Kinos kommt, mit einer Szene beginnt, in der Hauptdarsteller James McAvoy in einem Museum vor dem Gemälde „Mönch am Meer“ von Friedrich steht. Wenders erklärt, dass er seinen Drehplan ganz nach der Dämmerung richten würde – der zentralen Tageszeit in der Romantik. So freut sich Wenders, für einen Abend lang eine Art „Zugpferd“ für das Romantik Museum zu sein. „Ich finde, die Romantik ist eine wichtige Epoche der Weltgeschichte. Und nicht nur der Geschichte, sondern auch der Gegenwart“, sagt Wenders. Besonders für junge Menschen sei sie wichtig zur Sinnfindung.

Petra Roth ist ganz „atemlos“ an diesem Abend, weil man diesen wichtigen Filmemacher für diesen Zweck gewinnen konnte. „Für so einen Abend muss man jemanden finden, der die Inhalte authentisch rüberbringt. Und das ist bei Wenders der Fall“, sagt sie.

Ein Schlüsselerlebnis für Wenders, erzählt er in einem Gespräch, sei die Lektüre von Goethes „Leiden des jungen Werthers“ gewesen. „Das lesen ja heute noch junge Leute in der ganzen Welt, weil das nach wie vor relevant ist und nach wie vor ein Lebensgefühl trifft. Romantik ist nichts Abgeschlossenes“, so Wenders. Als er zum ersten mal vor einem Gemälde von Friedrich stand, „war das ein unglaubliches Aha-Erlebnis. Ich war vom Donner gerührt.“ Und als er in der Schule den Werther las, habe ihn das „komplett umgehauen“. „Das war ein heißer Stoff. Der hatte dann auch nicht mehr viel mit Schule zu tun“, erinnert sich Wenders.

Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, ist ganz begeistert, dass sich der Filmemacher an diesem Abend für das Romantik-Museum einsetzt. „Wenders’ ganzes Werk als Filmemacher und als Fotograf ist geprägt von Bezügen zu den Künstlern der Romantik“, schwärmt Bohnekamp-Renken. Sie liebt Wenders’ Filme. Ihre frühste Erinnerung an sein Werk ist, als sie als 15-Jährige „Falsche Bewegung“ gesehen hat. Darin rückt Wenders Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ in die heutige Zeit. „Das ist ein Film, der ungemein rätselhaft ist. Ein ungemein poetischer und romantischer Film“, sagt Bohnenkamp-Renken. Die Hochschullehrerin ist die Vorkämpferin für das Museum. Sie hat Wim Wenders schon 2014 auf einem Literaturfestival zur Romantik erlebt. „Wim Wenders hat mich fasziniert“, erzählt Bohnenkamp-Renken.

Wenders ist mit Frankfurt sehr verbunden. Hier hat er Anfang der Siebziger einige Jahre gelebt. So war der Abend für ihn auch ein kleines Heimspiel, ein erfolgreiches obendrein: 1,3 Millionen Euro kamen zusammen. „Das Ergebnis macht uns sehr glücklich“, sagt Kristina Faber , Mitarbeiterin des Romantik-Museums.

(ama)

Zur Startseite Mehr aus Stadtgeflüster

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse