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Alles hört auf sein Kommando

Von Das Tatort-Duo Thiel und Boerne in Münster und deren Kollege Borowski in Kiel hören auf sein Kommando. Auch die Frankfurter Ermittler Frank Steier und Conny Mey ermittelten unter den Augen von Lars Kraume. Denn sein Beruf ist Regisseur. Und er hat einen Großteil seiner Jugend im Taunus verbracht.
Der kleine Lars. Bilder > Der kleine Lars.
Bad Homburg. 

Dass nach Nina Kunzendorf nun auch Joachim Król sein Amt als Tatort-Ermittler aufgegeben hat, bedauert Lars Kraume sehr: „Es ist schade, dass meine beiden Kommissare jetzt beide nicht mehr im Dienst sind. Ich hoffe, dass die ARD unsere Folgen ab und zu wiederholt, weil ich Nina Kunzendorf und Joachim Król großartig als Team fand.“ Während die Tatort-Gemeinde die Frankfurter Ermittler kennt, weiß indes kaum jemand, dass mit Lars Kraume ein Homburger Bub Regie geführt hat. Für einige Folgen lieferte er sogar noch das Drehbuch.

Obwohl erst 40 Jahre alt hat er sich als Regisseur schon einen festen Platz in der Szene erarbeitet. Geboren in Italien, wuchs Kraume zunächst in Pfaffenwiesbach auf. 1985 zog die Familie in die Kurstadt, wo der heutige Regisseur das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium besuchte. „Ich hatte eine tolle Jugend“, erzählt er. Einen Großteil seiner Freizeit verbrachte er mit Freunden im Jubiläumspark, wo er am liebsten Baseball spielte. Im Sommer gehörte das Seedammbad zu seinen Favoriten. „Und das Altstadtfest habe ich geliebt.“

 

Liebe zur Fotografie

 

Und dann gab es noch den Ort, an dem er mit Feuereifer arbeitete und experimentierte: „Die Dunkelkammer der Schule“, verrät Kraume. „Hier habe ich viele Nachmittage verbracht.“ Schon mit 12 Jahren habe er angefangen, Freunde zu fotografieren. Sein Vater, ein Grafiker aus der Werbebranche, stattete den Sohn mit dem nötigen Fotogerät aus. 1992 hatte er das Abi in der Tasche. Die Bundeswehr rief. „Ich bekam aber als Zivildienstleistender eine Stelle beim DRK, wo ich zeitweise als Rettungssanitäter mitfuhr.“

Der erste Einsatz für den Kriegsdienstverweigerer: „Verletzter nach Schießerei.“ Wenn er es heute mit Schießerei zu tun hat, geht es meist um Mord. Das Blut kommt dann aber aus der Flasche und wird nach Drehende einfach abgewischt. Dass sein Beruf mit Bildern zu tun haben würde, war für den Gonzenheimer schon in der Schule klare Sache. Eigentlich aber gehörte seine Leidenschaft ja der Fotografie. Als Assistent bei namhaften Fotografen vertiefte er sein Können, drehte aber auch da schon einen ersten Kurzfilm - und blieb bei den bewegten Bildern. Er bewarb sich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, erhielt die Zusage und zog 1994 in die Hauptstadt, wo er bis heute lebt.

„Das erste Jahr war sehr schwierig“, erzählt er. Was er an Technik und Fachwissen lernte, nahm ihm gleichzeitig auch etwas von der „eigenen naiven Kreativität“, mit der er erste Kurzfilme mit Bravour gedreht hatte. Dann aber löste sich der Knoten und das Gespür für die Bilder, deren Inszenierung und Wirkung - alles war wieder da. Mehr noch: Die neuen Arbeiten waren noch besser als die Vorgänger. Zwei Kurzfilme produzierte Kraume in dieser Zeit. Mit einem von ihnen machte er das ZDF auf sich aufmerksam. Der Film: „Life is Too Short to Dance with Ugly Women“ wurde bei ARTE ausgestrahlt, das ZDF beteiligte sich an der Finanzierung von Kraumes Abschlussfilm an der Hochschule. „Dunckel“ hieß dieser Spielfilm, der so einschlug, dass der Homburger 1998 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Knapp zehn Jahre später erhielt er die begehrte Auszeichnung noch einmal. Und er bekam den Deutschen Fernsehpreis. Ausgezeichnet wurde dabei seine Regiearbeit für den Film „Guten Morgen, Herr Grothe“. Seit 10 Jahren gehört Lars Kraume auch zum erlesenen Kreis der Tatort-Regisseure. Eigentlich kurzfristig für einen erkrankten Kollegen eingesprungen, beeindruckte er 2003 mit seinem ersten Münster-Tatort offenbar so sehr, dass er seither insgesamt neun Tatort-Folgen gedreht hat.

 

Vorfreude auf Münster

 

Vor allem die Frankfurter Ermittler hat er dabei in Szene gesetzt. Der Frankfurter Tatort Kommissar Joachim Król hält ihn für „eine echte Kanone“. Auch als Drehbuchautor schätzt man ihn mittlerweile. Im Herbst geht es wieder zum Tatort nach Münster. Auf die Zusammenarbeit mit den beliebten Ermittlern Thiel und Boerne freut sich der Wahl-Berliner schon jetzt, sind Axel Prahl und Jan Josef Liefers doch auch ohne Scheinwerferlicht äußerst sympathisch und kurzweilig.

Und Bad Homburg? Einige Tatort-Szenen wurden schon im Taunus gedreht. Aber bekommen wir auch einmal unseren eigenen Tatort? „Das weiß nur der Hessische Rundfunk“, gibt Lars Kraume die Frage weiter. Trösten wir uns also solange damit, dass immerhin der Homburger Bub noch regelmäßig die Kurstadt besucht. Denn Eltern und Schwester leben noch hier.

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