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Beifuß: Die Mutter aller Heilpflanzen

Von Sie sind unsere Weggefährten – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer in diesen Wochen einmal einen Spaziergang durch Feld und Flur macht, der kommt an Blumen und Kräutern vorbei, ohne zu wissen, was da eigentlich wächst. Kräutermarie Ursula Maria Buddeus begleitet uns durch den Sommer und stellt uns die vielen Heilkräuter und Heilpflanzen einmal genauer vor. Heute geht‘s um Artemisia vulgaris, den Beifuß.
Beifuß wächst eigentlich überall und kann als Erfrischung gekaut werden. Seine Würze verleiht auch Kartoffelgerichten eine besondere Note. Foto: Lohrmann Beifuß wächst eigentlich überall und kann als Erfrischung gekaut werden. Seine Würze verleiht auch Kartoffelgerichten eine besondere Note. Foto: Lohrmann
Usinger Land. 

"Diese Kreuter gesotten seind seer dienstlich den weiberen zu dampff oder schweyßbädern, dann sie bzingen inen ihre krankheyt, treiben aus das bürdlin und die todten frucht. Sie eröffnen auch die verschlossene muter, brechen und zermalen den stein, und bzingen wider den verstandenen harn."

Dies schrieb der Mediziner und Pflanzenkundler Leonhart Fuchs im 16. Jahrhundert in seinem Kräuterbuch über den Beifuß. Doch schon viel früher wussten Menschen die Kraft dieser Pflanze zu nutzen. Ein Blick in die Geschichtsschreibung beweist: Dem Beifuß könnte man quasi den Beinamen "Mutter aller Heilpflanzen" geben.

Er ist eine ziemlich anspruchslose, auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitete Pflanze. Man findet ihn an Wegrändern genauso wie auf Geröllplätzen. Meist wird er trotz seines hohen Wuchses gar nicht als Heilkraut wahrgenommen, man hält es meistens schlicht für Unkraut.

Der Name liefert bereits einen Teil der Erklärung, warum dieses unauffällige Kraut eigentlich ein begehrenswertes Heilmittel ist: Im alten Rom legte man sich Beifußblätter in die Sandalen, um die Füße auf längeren Wanderungen vor Übermüdung zu schützen. Und noch heute soll dieses Kraut müden Füßen auf die Beine helfen, bindet man es sich ans Bein oder legt es sich in den Schuh.

Darüber hinaus wirkt der Beifuß als verlässliches Heilkraut bei einer Vielzahl an Krankheiten. Ob Blasenentzündung oder Wechseljahresbeschwerden, ob Durchblutungsstörung oder Schlafstörung – ein Aufguss aus Beifuß hilft so manches Leid lindern.

Große Macht

Die Germanen, die die vielseitige Verwendung des Heilkrautes zu schätzen wussten, gaben ihm den Namen "Mugwurz", was gleichbedeutend ist mit "Machtwurz". Große Macht wurde dem Beifuß zudem in der Welt der Schamanen und Zauberer nachgesagt, denen es für magische Rituale diente.

Einem der Bräuche zufolge sollte man sich etwa einen Gürtel aus Beifuß flechten und damit sodann ums Sonnwendfeuer tanzen. Werde der Beifuß-Gürtel anschließend im Feuer verbrannt, sei man das ganze Jahr über vor Krankheiten gefeit, hieß es. In Süddeutschland gibt es noch heute die Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt, wobei Beifuß als unerlässlicher Bestandteil des "Weihbuschens" eingebunden wird.

Göttin Artemis, Beschützerin der Gebärenden und der Tiere, war in der Antike zuständig für Fruchtbarkeit und Heilung. Weil der Beifuß über dieselben Fähigkeiten verfügt, wurde sein wissenschaftlicher Name "Artemisia" von der antiken Göttin abgeleitet.

Kräutermarie Ursula Buddeus bezeichnet den Beifuß als eine Art "natürlichen Kaugummi". Spricht‘s und steckt sich eine Knospenrispe in den Mund. "Man kann sehr lange daran kauen", erklärt sie. "Das sorgt für Erfrischung auf längeren Wanderungen."

Die knospigen Blütenstände des Beifußes schmecken aromatisch mit leicht bitterer Note. Diese Bitterstoffe fördern die Bildung der Magen- und Gallensäfte und somit die Verdauung, etwa von üppigen Mahlzeiten.

Beim Zerreiben des Krautes wird ein würziger Duft freigesetzt. Beifuß wird als traditionelles Gewürz eingesetzt, beispielsweise für Gänsebraten, schmeckt aber auch mit Wild, Rind oder Lammfleisch. Sogar manche Käsesorten und auch Kartoffelgerichte erhalten durch Beifuß ihre spezielle Würze.

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