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Das ganze Leben ändert sich

Im Epilepsiezentrum der Falkensteiner Asklepios-Kliniken behandelt Dr. Karsten Krakow im Durchschnitt 500 Epilepsie-Patienten im Alter ab 16 Jahren. Zudem ist der 43-Jährige im Beirat der neuen EpilepSIE-Stiftung der Diakonie Hessen engagiert. Mit der TZ sprach er über Risiken, Heilungschancen und darüber, warum es manchmal so schwierig ist, die Krankheit zu diagnostizieren. Das Interview führte TZ-Redakteurin Sabine Münstermann
Dr. Karsten Krakow Dr. Karsten Krakow

KARSTEN KRAKOW: Der Begriff Epilepsie ist ein Sammelbecken unterschiedlicher Störungen. Unterscheiden kann man zum einen nach Ursachen. Da gibt es die symptomatischen Epilepsien, bei denen die Epilepsie Folge einer Schädigung des Gehirns ist. Etwa bei einer Gehirnentzündung oder bei einem Gehirntumor. Und da gibt es die im weiteren Sinne genetisch bedingten, sogenannten ideopatischen Epilepsien. Zum anderen kann man Epilepsie anhand der Anfälle differenzieren. Bei fokalen Anfällen entsteht der Anfall nur in einer Region des Gehirns, bei generalisierten Anfällen ist das ganze Gehirn in den Anfall einbezogen.

Unterscheidet sich Epilepsie bei einem Kind von der bei einem Erwachsenen?

KRAKOW: Prinzipiell haben Kinder wie auch Erwachsene ähnliche Symptome: Störungen der Motorik wie Verkrampfungen oder rhythmische Zuckungen der Muskulatur oder Störungen des Bewusstseins. Die Ausprägung indes kann sich bei Kindern deutlich im Vergleich zu Erwachsenen unterscheiden.

Kann man schon bei Babys feststellen, ob sie darunter leiden? Wenn ja, wie?

KRAKOW: Das kann man in der Tat. Dass etwas nicht stimmt, spürt eine Mutter in der Regel, etwa wenn es bei dem Baby zu Verkrampfungen kommt oder es nicht reagiert. Die Schwierigkeit ist dann, die richtige Diagnose zu stellen, dazu ist eine genaue ärztliche Untersuchung notwendig. Sollte dann weiterhin der Verdacht auf eine Epilepsie vorliegen, wird in der Regel ein EEG, also eine Gehirnstrommessung erstellt und eine Darstellung des Gehirns mittels Kernspintomographie ergänzt.

Ist Epilepsie heilbar?

KRAKOW: Grundsätzlich ist die Prognose von Epilepsien recht günstig, es hängt vor allem von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Wer einen Hirntumor hat und deswegen unter Epilepsie leidet, kann, wenn der Tumor entfernt wurde, störungsfrei sein. Ähnliches gilt für Hirnentzündungen oder Hirnblutungen, denn die Epilepsie ist in diesen Fällen die unspezifische Reaktion auf eine Krankheit des Gehirns. Wird die Krankheit behoben, kann auch die Epilepsie verschwinden. Es kann auch zu einer spontanen Besserung oder zu vollständiger Anfallsfreiheit im Krankheitsverlauf kommen.

Wie kann man die anderen Formen der Epilepsie therapieren?

KRAKOW: In erster Linie medikamentös. Erfreulicherweise sind die Chancen hoch, durch die Einnahme von Medikamenten anfallsfrei zu sein, weil die Medizin die Anfälle unterdrückt. Etwa zwei Drittel der Epilepsie-Patienten werden langfristig anfallsfrei.

Wie sieht es mit den psychosozialen Folgen aus, wenn man die Diagnose "Epilepsie" bekommt?

KRAKOW: Das ist in der Tat möglicherweise sogar das wichtigere Thema für die Betroffenen. Denn Epilepsie greift in alle Bereiche des Lebens ein: den Beruf, das soziale Umfeld, die Familienplanung, die Mobilität – das Führen eines Fahrzeugs ist ja bei einer aktiven Epilepsie nicht erlaubt. Hier greift die Arbeit der neuen Stiftung EpilepSIE der Diakonie Hessen. Sie finanziert nämlich die Epilepsie-Beratungsstellen, die über all diese Dinge genau Auskunft geben.

Und können Frauen mit Epilepsie gesunde Kinder bekommen?

KRAKOW: Natürlich. Das Risiko ist nur leicht gegenüber gesunden Müttern erhöht, aber über 90 Prozent aller Frauen mit Epilepsie bekommen völlig gesunde Kinder.

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