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Das rätselhafte Bärchen

Von Wie kommt der Berliner Bär in den Kurpark, hatte die TZ ihre Leser gefragt und eine kleine Telefonlawine ausgelöst. Jetzt steht zumindest schon mal fest, wann und von wem der Gedenkstein gesetzt wurde. Doch noch immer sind Fragen offen.
Dieses Foto aus dem Jahr 1976 zeigt den Stein vor seiner Aufstellung im Kurpark. Wer der Steinmetz war, der ihn bearbeitet hat, ist bislang unbekannt. Dieses Foto aus dem Jahr 1976 zeigt den Stein vor seiner Aufstellung im Kurpark. Wer der Steinmetz war, der ihn bearbeitet hat, ist bislang unbekannt.
Bad Homburg. 

"Ich weiß genau, wann der Stein gesetzt wurde, nämlich im November 1976", meldete sich Gerhard Vogt in der Redaktion. Die TZ hatte nämlich eine Anfrage von Christa Junge vom Verein "Berliner Bärenfreunde" erhalten, die diese Meilensteine, die sich überall in Deutschland finden lassen, dokumentiert. Doch bei der Stadt und der Kur hatte ihr niemand weiterhelfen können. Also hatte sie sich mit der Bitte um Hilfe an die TZ gewandt. Er wisse es daher so genau, sagte Vogt, weil er neben dem damaligen OB Armin Klein (CDU) bei der Einweihungsrede gestanden und den Schirm über ihn gehalten habe. "Das war vielleicht ein Sauwetter damals. Es hat gegossen wie aus Eimern."

Damals, am 7. November 1976, wurde der Stein mit dem Berliner Bär und der Entfernungsangabe 548 Kilometer unter dem feierlichen Geläut der Berliner Freiheitsglocke (vom Band) eingeweiht. Es war der Höhepunkt zweier Festwochen, den der "Bund der Berliner und Freunde Berlins", Kreisverband Obertaunus, zu seinem 25-jährigen Bestehen ausgerufen hatte. Dabei gab es Ausstellungen, Diavorträge und einen Jubiläumsball, den die Berliner feierten – zusammen mit dem Homburger Carneval Verein, der 75 Jahre alt wurde, und dem Jubiläum "20 Jahre Partnerschaft mit Mayrhofen".

Kleine Goldbarren

Als zusätzlichen Anreiz für die Bevölkerung verkaufte der Verein Berliner Pfannkuchen. In einigen war die Marmeladenfüllung durch kleine Goldbarren im Wert von 40 Mark ersetzt. Für 2 Mark konnte man drei Stückchen kaufen und hoffen, beim Reinbeißen einen kleinen Goldschatz zu finden. "Später haben wir erfahren, dass wir das gar nicht gedurft hätten. Aber es war eine Riesengeschichte damals. Der Erlös ging an das Berlin-Hilfswerk, das Kinder und Senioren in West-Berlin unterstützte", erinnerte sich Vogt.

Doch wie kam es eigentlich zur Gründung eines Bundes der Berliner in der Kurstadt? "Ich glaube, es lebten zeitweise bis zu 3000 Berliner hier in Bad Homburg", so Vogt. Er selbst wurde 1938 in Berlin geboren, musste 1943 aber flüchten und gelangte über den Umweg Sachsen nach Bad Homburg. "Es waren vor alle Beamte, die hier im Bundesausgleichsamt und der Bundeswertpapierverwaltung arbeitete, deren Vorgängerinstitutionen in Berlin angesiedelt gewesen waren, die nach dem Vier-Mächte-Abkommen aber dort nicht bleiben konnten", sagte Vogt. Die Berliner wurden in der Kurstadt heimisch, bewahrten sich aber ihre Berliner Schnauze. Bei zwei Laternenfesten steuerten sie Festwagen bei.

Alt-Berliner Treiben

Fünf Jahre nach der großen Jubiläum feierte der Verein sein 30-jähriges Bestehen mit einem "Alt-Berliner Treiben" und einem Festkommers in der Englischen Kirche. Danach trudelte das Vereinsleben allmählich aus. Heute erinnert nur noch der Stein in der Kisseleffstraße an das Wirken des Vereins in Bad Homburg, das in Vergessenheit zu geraten drohte – bis die Anfrage aus Berlin ins Haus flatterte.

Doch noch lange sind nicht alle Fragen um den Berliner Bären geklärt. "Wer den Stein bezahlt hat und wer ihn gefertigt hat, weiß ich nicht", sagte Vogt. In seinem Besitz sind jedoch Unterlagen von dem früheren Vorsitzenden des Bundes, Hans Albers. Darin befindet sich auch ein Foto des Steinmetzes, der den Stein bearbeitet hat. Wer weiß, wer es ist, wird gebeten, sich vom kommenden Montag an mit der Taunus Zeitung, Telefon (0 61 72) 92 73 23, in Verbindung zu setzen, damit auch diese letzten fehlenden Puzzleteile noch ergänzt werden können.

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