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Detektiv im Rathaus

Eigentlich ist Dirk Schlösser ja Architekt. Was der Bauamtsmitarbeiter aber beim alten Rathaus in Wilhelmsdorf leistet, ähnelt eher einer detektivischen Arbeit. Auch derzeit begibt er sich auf Spurensuche im alten Gemäuer.
Schöne Fassade, an der aber der Putz bröckelt. Und das ist beileibe nicht das einzige Problem, das das Wilhelmsdorfer Schmuckstück aufweist. 	Foto: tas Schöne Fassade, an der aber der Putz bröckelt. Und das ist beileibe nicht das einzige Problem, das das Wilhelmsdorfer Schmuckstück aufweist. Foto: tas
Wilhelmsdorf. 

Ein Blick auf den Spazierstock, einmal in der Hand gedreht, und schon wusste Sherlock Holmes sofort, wer der Mörder ist. Ganz so leicht wie der berühmteste Detektiv der englischen Literatur hat es Dirk Schlösser vom Bauamt Usingen leider nicht. "Aber es ist in der Tat so ein bisschen wie Detektivarbeit", sagt er mit Blick auf das alte Rathaus in Wilhelmsdorf. Denn dort ist der Architekt, der das Sanierungsprojekt von Anfang an betreute, derzeit mit allen Fachfirmen auf Spuren- oder besser, auf Fehlersuche. Der Grund: An den Wetterseiten bröckelt der Putz ab, und ins Backes regnet es rein.

"Den Putz kann man mit einem Spachtel mühelos ablösen", ist Schlösser entsetzt. Die Wetterseiten liegen allerdings nicht, wie man vermuten könnte, an der Straßenseite, sondern betreffen den Eingangsbereich sowie die Seite zum Nachbargrundstück.

Gute Arbeit bescheinigt Schlösser den Firmen, die mit Fachwissen und Sachverstand arbeiteten, dennoch. Dass das Fachwerk als Ursache in Frage kommt, schließt Schlösser aus. "Wir haben nur alte Hölzer verwendet, die auch genug Zeit zum Einstehen bekommen haben. Genauso wie man früher baute", erläutert er. Auch der Maler habe eine saubere Arbeit abgeliefert und der spezielle Putz, der für das denkmalgeschützte Gebäude verwendet wurde, sei an anderen Objekten bestens erprobt.

30 000 Euro für dichtes Dach

Schlösser vermutet, dass es sich um einen Materialfehler handelt, der eben nur in dieser Charge vorgekommen sei. Das werde nun untersucht. Fakt sei für ihn aber, dass die Stadt die Kosten nicht zu verantworten habe, die nun entstehen, um den alten Putz zu entfernen und den neuen Spezialputz wieder aufzutragen.

Ganz so billig wird die Stadt allerdings im Hinblick auf die Dichtung des Backes-Daches nicht davonkommen. Denn die Kosten für die Dachabdichtung von 30 000 Euro wird sie erst einmal berappen müssen, wenn sie nicht auf Dauer immense Heizkosten im Winter bezahlen will, um die Räume trocken zu halten. Der Fehler liege in diesem Fall bei einer Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege, sagt Schlösser. Das habe bei der Dachsanierung zur Auflage gemacht, dass die Steine, wie früher, zu sehen sind.

Das historische Dach sei aber wie zwei übereinander gestellte Zelte aufgebaut, deren Hohlraum mit Mutterboden gefüllt war. "Das hat die Feuchtigkeit weitgehend aufgenommen, allerdings auch dafür gesorgt, dass dort Pflanzen gut wachsen konnten", erklärt Schlösser. Damit aber das Grün dort keinen Halt mehr findet, wurde der Mutterboden entfernt und die untere "Zeltschicht" entfernt, die einzige Dachschicht aufwendig per Hand verfugt. Die Stadt habe von Anfang an ein besseres Verfahren vorgeschlagen, das sogenannte Torkretierungsverfahren. Das maschinelle Spritzverfahren lasse zwar die Struktur der Steine erahnen, aber sie seien nicht ganz zu sehen. "Wir wollten eine vollflächige Auftragung, so dass man hinterher nur noch die Struktur sieht", erläutert Schlösser. Damit wäre das Dach dicht gewesen.

Nein vom Denkmalschutz

Das Landesamt wollte es anders. Nun muss nachgebessert werden und die Stadt hofft, dass sich das Denkmalamt mit Fördermitteln an der Ausbesserung beteiligt, weil der Fehler nicht auf Seiten der Stadt lag. Zwar hat Schlösser die Mittel für den kommenden Haushalt beantragt, doch so lange da nichts bewilligt ist, kann der Architekt nur hoffen, dass der Winter nicht so streng oder gar regnerisch wird, denn das würde die Heizkosten gewaltig nach oben treiben. Ein klares Nein gab‘s seitens des Denkmalamtes auch für den gewünschten Spritzschutz an der Straßenseite. Das hatte der Ortsbeirat angeregt und die Stadt dafür Geld zur Verfügung gestellt, als nach dem ersten Winter klar war, wie stark Schmutz und Salz die Wand beeinträchtigen würden. "Da wird einem dann nichts anderes übrig bleiben, als die Wand zu säubern und regelmäßig neu zu streichen", sagte Schlösser.

Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) brachte eine andere Idee ins Spiel, nämlich eine Fahrbahnverengung, die den dichten Verkehr etwas vom Rathaus wegführen würde. "Das wäre ein Beispiel und könnte eine Möglichkeit sein", sagte er auf Nachfrage der TZ. Erfahrung hat Wilhelmsdorf im Rahmen der Baustelle damit schon. Und wenn die wieder aufgemacht wird, könnten sich die Bürger überlegen, ob sie sich daran nicht gewöhnen wollen.

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