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Die Stadt braucht frische Luft

Von Ist die Homburger Luft noch zu retten? Die Stadt arbeitet daran. Doch jetzt warnt ein Experte: Nicht nur der Verkehr verpestet die Champagnerluft, auch zu viele Waldgebiete können sich negativ auswirken. Von Marc Kolbe
Der Lärmschutzwall an der Saalburgchaussee wirkt wie eine Barriere gegen die von den Feldberghängen abfließenden Hangwinde. Die Folge: Bad Homburg geht die Frischluft aus.	Foto: Jochen Reichwein Der Lärmschutzwall an der Saalburgchaussee wirkt wie eine Barriere gegen die von den Feldberghängen abfließenden Hangwinde. Die Folge: Bad Homburg geht die Frischluft aus. Foto: Jochen Reichwein
Bad Homburg. 

Sie ist seit Jahrzehnten eines der Markenzeichen der Kurstadt, die beinahe schon sprichwörtliche Champagnerluft. Doch in letzter Zeit hat sie einen schalen Beigeschmack bekommen, die gute Homburger Luft. Die Situation ist ernst, sogar der Status als Luftkurort ist in Gefahr. Die Feinstaub- und Stickoxidwerte nähern sich bedrohlich den erlaubten Grenzwerten. Ein Grund dafür ist natürlich der Autoverkehr, der auch in Bad Homburg in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem, auf das jetzt Dr. Wolfgang Bühnemann aufmerksam macht. Der Dornholzhäuser ist ein Experte. Nicht nur, dass er 25 Jahre im Naturschutzbeirat der Stadt saß (davon fünf Jahre als Vorsitzender), der studierte Landwirt war jahrzehntelang als Berater, Planer und Gutachter in landwirtschaftlichen und kommunalen Einrichtungen aktiv.

Jetzt macht sich Bühnemann ernsthafte Sorgen um die Frischluftzufuhr für unsere Stadt. Er warnt davor, dass es immer weniger Gebiete rund um Bad Homburg gibt, in denen Kaltluft entsteht. Dafür gebe es immer mehr Hindernisse, die der Zufuhr von Frischluft entgegenstünden.

Grundsätzlich wirkt der Taunus als Barriere beim großräumigen Luftaustausch. Außerdem kommt es durch Bebauung zu Veränderungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeiten im Stadtgebiet. Es bilden sich Wärmeinseln mit hohen Tagestemperaturen und geringer nächtlicher Abkühlung. Das führt zu verstärkten Inversionswetterlagen und Dunstglocken über dem Stadtgebiet.

In früheren Zeiten, so Dr. Bühnemann, hätten jedoch lokale Windsysteme diese negativen Effekte ausgeglichen und so entscheidend zur Champagnerluft beigetragen. Es handelt sich dabei um Kaltluft, die als Hangwinde vom Taunus wehen und später - meistens den Bachläufen folgend - zu Talwinden werden. Diese Kaltluft wird im Stadtgebiet als Frischluftzufuhr wahrgenommen.

Für diesen Effekt sind jedoch zwei Aspekte wichtig: Zum einen entsteht Kaltluft in erster Linie auf Wiesen und Äckern - Wälder spielen dabei keine Rolle. Zum anderen darf es keine Hindernisse geben, die die Hang- und Talwinde blockieren. Und hier liegt das Problem: Bühnemann sieht zwischen den Taunushängen und dem ad Homburger Stadtgebiet etliche Barrieren.

"Wie ältere Landkarten deutlich zeigen, haben sich nicht nur im Bereich von Dornholzhausen die für die Innenstadt wichtigen Kaltluft-Entstehungsgebiete erheblich verkleinert", erklärt Bühnemann.

Die Buschwiesen, die Braumannswiesen oder auch die Fohlenweide des Gestüts Erlenhof - wo heute Wald- und Buschriegel die abfließende Kaltluft aufstauen, habe es früher große Wiesenflächen gegeben. Aber auch die nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Hochhäuser in Kirdorf sowie die erst vor wenigen Jahren hochgezogenen Lärmschutzwälle an der Saalburgchaussee verhindern, dass die Kurstadt regelmäßig mit Frischluft versorgt wird.

Wolle man also die Champagnerluft retten, dürfe man nicht nur über den Verkehr in der Innenstadt nachdenken, sondern müsse auch im Flächennutzungsplan für entsprechende Freiflächen sorgen.

In der Stadtverwaltung ist man sich der Thematik durchaus bewusst. "Projektbezogen wird die Kaltluftzufuhr bereits beim Schaffen von Planungsrecht geprüft", sagt Stadtsprecher Andreas Möring und nennt als Beispiel die Ansiedlung der Hochtaunus-Kliniken am Kronenhof. Was die Anmerkungen von Dr. Bühnemann angeht, so würde man sich bei der Stadt freuen, wenn der Dornholzhäuser der Verwaltung seine Erkenntnisse und Unterlagen zur Verfügung stellen würde.

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