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„Die große Resonanz motiviert uns“

Die erste Etappe auf dem Weg, das Andenken an Königsteiner NS-Opfer wiederzubeleben, ist geschafft. TZ-Redakteur Stefan Jung zog mit Petra Geis, Mitinitiatorin und Sprecherin der „Initiative Stolpersteine“, eine Zwischenbilanz.

Frau Geis, nachdem am Montag der letzte der ersten 18 Stolpersteine gelegt und die Ausstellung in der Stadtbücherei (siehe rechts) eröffnet war - mit welchem Gefühl sind Sie da nach Hause gegangen.

PETRA GEIS: Da war von vielem etwas. Zunächst mal fiel da natürlich die Anspannung etwas ab, die doch in den Tagen vor der Verlegung mehr und mehr zunahm. Irgendwann war da auch ein wenig Müdigkeit, die mich überkam. Vor allem aber war da auch das gute Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein und weitermachen zu wollen. Die große Resonanz, die unser Anliegen in der Stadt fand, gibt uns allen in der Initiative einen Schub und motiviert uns.

Hat Sie der große Zuspruch der Bevölkerung überrascht?

GEIS: Auf jeden Fall. Es war beeindruckend, wie viele Leute zu der Verlegung, aber auch zum Vortrag von Gunter Demnig am Sonntag gekommen waren. Wir hatten natürlich alle darauf gehofft, dass die Bevölkerung unser Anliegen teilt. Aber rechnen konnten wir damit natürlich nicht. Umso mehr sind wir jetzt begeistert.

Wenn Sie von „wir“ sprechen, dann sprechen Sie von einer Initiativ-Gruppe, in der Menschen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung, aus Politik, Kirche und Gesellschaft gemeinsam tätig waren. Wie passt so etwas zusammen?

GEIS: In unserem Fall sehr gut. Das Team hat in dem Jahr, in dem wir an unserem Projekt gearbeitet haben, sehr gut und harmonisch funktioniert. Jeder hat seine ganz spezifischen Fähigkeiten und Ideen eingebracht und so entstand ein tragfähiges Netzwerk. Sicher muss man sich bei der Arbeit in einer Gruppe auch selbst immer ein wenig zurücknehmen. Wir hatten jedoch das Glück, dass wir ein Ziel hatten, das uns alle geeint hat. Wir wollten und wollen die Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors wachhalten.

Wo lagen dabei die größten Schwierigkeiten?

GEIS: In den vorbereitenden Arbeiten, in dem Bemühen, das Ganze inhaltlich anzustoßen. Die Arbeit in den Archiven, die Suche nach Hinweisen ausgehend von der Königsteiner Meldekartei der 1930er Jahre - das was schon Kärrnerarbeit. Aber sie hat sich gelohnt.

Petra Geis Bild-Zoom
Petra Geis

Hat die Arbeit an dem Projekt bei Ihnen persönlich etwas verändert, haben Sie heute einen anderen Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus?

GEIS: Letzteres sicher nicht. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte der Juden in Deutschland. Mit 20 habe ich „Kaiserhofstraße 12“ von Valentin Senger gelesen. Über diesen Roman bin ich in das Thema eingestiegen. Was die Arbeit an den Stolpersteinen so besonders gemacht hat, ist die Begegnung mit Menschen, mit Schicksalen aus der eigenen Stadt. Man versucht sich da hineinzudenken, die Opfer entstammten schließlich zum Teil der Generation meiner Eltern und waren Teil der Stadt, so wie ich es heute bin. Da entwickelt sich etwas von persönlicher Identifikation.

Auch mit denen, die in der Zeit der NS-Diktatur weder zu den Opfern, noch zu den Tätern gehörten? Mit denen also, die weg- oder zumindest nicht aufschauten?

GEIS: Natürlich stellt man sich die Frage: Wie hätte ich damals reagiert? Hätte ich zu den Mutigen gehört, mich auf die Seite der Opfer gestellt? Ich wäre froh, das von mir sagen zu können. Aber ich habe darauf keine Antwort. Darum geht es auch nicht bei der Aktion Stolpersteine. Wir wollen nicht mit dem Finger auf die zeigen, die nichts getan haben. Wir wollen mit den Steinen die in Erinnerung rufen, die zu Opfern wurden, ihr Andenken hochhalten und so im alltäglichen Leben der Stadt stets aufs Neue klarmachen, dass so etwas nie mehr passieren darf und wie gut wir es haben, dass wir in einer Demokratie leben dürfen.

Ausstellung: Im Griff der Bürokratie des NS-Terrors

Die Arbeit der „Initiative Stolpersteine“, die am Montag in der Verlegung von 18 Steinen in Königstein ihren ersten, aber nicht letzten Niederschlag fand, hat bei vielen Bürgern der Kurstadt Interesse geweckt und Fragen angestoßen.

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Wie geht es jetzt weiter?

GEIS: Darüber wollen wir bei unserem nächsten Treffen im Dezember sprechen. Da werden wir schauen, was gut war, was verbessert werden kann und beraten, was wir machen. Ich denke, für alle sprechen zu können, wenn ich sage, dass wir natürlich weitermachen wollen und werden. Wir haben noch Paten, die bereit sind, Stolpersteine zu übernehmen, und es gibt noch Geschichten und Schicksale von Königsteinern, die bekannt gemacht werden müssen.

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