Die simple Gleichung des Genusses

Zum sechsten Mal bereits galt es am Sonntagabend, den Königsteiner Gourmet-8-Gipfel in der Villa Rothschild zu erklimmen. Alljährlich ein Vergnügen für den Gaumen und eine Herausforderung für die Hotel-Crew. Am Ende jedoch konnten alle – Gäste und Mitarbeiter – zufrieden ein Kreuz hinter den Gipfel setzen.
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Königstein. 

13 : 8 + 136,5 = Genuss² – hmm . . . Nackte Zahlen können ja so lecker sein. Zumindest beim G 8-Gipfel in der Villa Rothschild Kempinski. Wenn dort wie am Sonntagabend acht Top-Maîtres – mit 13 Michelin-Stern und 136,5 Gault-Millau-Punkten im Kochgeschirr – an die Herdplatten treten, kann dabei eigentlich nur kulinarischer Genuss hoch zwei herauskommen. Eine vermeintlich simple Gleichung.

Dabei geht schnell vergessen, wie viel Arbeit dahintersteckt, fast 400 Gäste nach allen Regeln der Gastro-Kunst zu verwöhnen und dabei noch den Eindruck zu vermitteln, dass alles locker und fröhlich vonstattengeht. Aber was heißt hier "Eindruck vermitteln"?

"Natürlich ist es viel Arbeit, aber es macht auch richtig viel Spaß", insistiert Lars Leyendecker lachend. Der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit der beiden Königsteiner Kempinski-Hotels – Villa Rothschild und Falkenstein Grand – ist so wie seine Kollegen am Sonntagabend im Dauereinsatz.

Das aber macht ihm nichts aus. Im Gegenteil. "Es macht richtig Laune zu sehen, dass alles passt und es den Gästen gefällt. In dem Moment weiß man, dass die Monate der Vorarbeit sich gelohnt haben", unterstreicht Leyendecker.

Beim Gipfel, das ist klar, sind alle Mitarbeiter der "Kurstadt-Kempis" gefordert. Auf gut 100 schätzt Leyendecker deren Zahl. Die Arbeit im Team läuft reibungslos, jeder hat seine Aufgabe und weiß, wo er anpacken muss.

Wuseln und warten

Hier zahlen sich die Erfahrungswerte aus, die man in den vergangenen Jahren sammeln konnte. Immerhin ist das bereits der sechste Gipfel des Genusses. Da spielt sich vieles ein. Nur so ist auch zu erklären, dass der Aufbau für die Großveranstaltung bis zum Eintreffen der Gäste am frühen Abend geschafft ist, obwohl damit erst am Sonntagmittag begonnen werden konnte. "Die Hotelgäste sollen schließlich noch in aller Ruhe ihr Frühstück zu sich nehmen können", konstatiert Lars Leyendecker ganz entspannt im Gewusel aus Servicekräften, Köchen und gut gelaunten Gästen, die die Hauptküche der Villa kurzerhand zur Partyzone erklärt haben.

Genau so soll es sein – locker, leger und doch ambitioniert. Insbesondere, wenn es um das geht, was auf Tellern und in Schalen in die Hände der sich selbst bedienenden Kundschaft wandert. Hier steht und fällt alles mit Christoph Rainer.

Der mit zwei Sternen hessenweit höchstdekorierte Chefkoch der Villa lässt Jahr für Jahr seine guten Kontakte in die perfekt vernetzte Branche spielen, um ein möglichst illustres Line-up der Kochlöffel-Koryphäen nach Königstein zu bringen. "Christoph Rainer nennt uns die Kollegen, die er für die Veranstaltung gewinnen konnte, und wir beginnen dann, das Programm darum zu bauen", betont Leyendecker.

Als hätte es noch eines Hinweises bedurft, das war er: Die Stars stehen an diesem Abend eindeutig hinterm Herd. 13 Sterne verteilt auf acht Köche – so viele Himmelslichter strahlten noch nie über dem G 8-Gipfel. Allein drei davon steuert am Sonntag Sven Elverfeld bei. Damit zählt der Meisterkoch zum Besten, was Deutschlands Gourmet-Tempel zu bieten haben. Und das, obwohl der Maître vermeintlich in der kulinarischen Diaspora zaubert.

Sterne über der Autostadt

Sein Restaurant "Aqua" findet sich im Wolfsburger Ritz-Carlton und damit just dort, wo der Feinkost-Laie vorrangig "Kohl und Pinkel" sowie andere volks(wagen)nahe Gerichte erwarten würde. Von wegen: In Königstein zieht Elverfeld die Gäste mit Saibling und Kaviar aus Tainach samt Kohlrabi, Dill und Sauerklee in Scharen und vor allem in Schlangen an seine Kochstelle im Souterrain.

Antizyklisch zum Erfolg

Etwas Geduld sollte der Gast schon mitbringen, wenn er in den Genuss eines echten Drei-Sterne-Häppchens kommen will. Oder aber er setzt auf das antizyklische Essen. Wer hat denn gesetzlich festgelegt, dass immer erst die Vorspeise und dann der Hauptgang kommen darf? Eine Finte, zu der gerade der eine oder andere Stammgast schon mal greift, wenn es gilt, Wartezeiten zu verkürzen.

Apropos Stammgäste – deren Zahl steigt mit jedem Gipfel-Jahr, weiß Lars Leyendecker. Werbung müssen die Veranstalter für den Gourmet-Treff gar nicht erst machen. Im Gegenteil. Der Fachmann für Vermarktung muss seinen eigenen Tatendrang zügeln, will er nicht schuld daran sein, dass Interessenten in größerer Zahl abgewiesen werden müssen. Mit gut 400 Gästen sind die Kapazitäten in dem kleinen, feinen Boutique-Hotel, in dem einst die Baronin von Rothschild residierte, weitgehend ausgereizt. Leyendecker: "Die meisten Gäste kommen von selbst auf uns zu. Wir können davon ausgehen, dass morgen schon wieder das Telefon klingelt und die ersten Vorbestellungen für das kommende Jahr eingehen."

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