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Die unbekannte Krankheit

Von Viele Krankheiten sind in der Öffentlichkeit stets präsent, wie etwa Diabetes oder Demenz. Über Epilepsie weiß man hingegen nur wenig. Das wollen die KFG-Schüler nun ändern.
Georg Thoma (ganz links) lässt sich von den KFG-Schülern Björn Zäuner, Robert Schreiber, Liv Hofacker und Tanja Neuhalfen (von links) die Plakate zum Thema Epilepsie erklären.	Foto: Jochen Reichwein Georg Thoma (ganz links) lässt sich von den KFG-Schülern Björn Zäuner, Robert Schreiber, Liv Hofacker und Tanja Neuhalfen (von links) die Plakate zum Thema Epilepsie erklären. Foto: Jochen Reichwein
Bad Homburg. 

Einen geeigneteren Zeitpunkt als den gestrigen Montag für die Präsentation der Plakataktion zum Thema "Epilepsie und Gesellschaft" hätte sich das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) nicht aussuchen können. Am Vorabend wurde die Krankheit Epilepsie im "Tatort" thematisiert und damit einem Millionenpublikum zugänglich gemacht: Die Kieler Polizistin Sarah Brandt erleidet während der Ermittlungen einen epileptischen Anfall. Sie muss regelmäßig Tabletten einnehmen und hat Angst, ihren Job zu verlieren.

Auch die Aktion "Epilepsie und Gesellschaft" von KFG-Kunstlehrerin Dr. Nevenka Kroschewski und Schülern der Jahrgangsstufe Q 2 zielt darauf ab, dass die Krankheit im öffentlichen Bewusstsein deutlicher wahrgenommen wird – immerhin sind in Hessen rund 40 000 Menschen an Epilepsie erkrankt.

Provokante Texte

Im vergangenen Schulhalbjahr haben sich zwei KFG-Kunst-Grundkurse intensiv mit der Krankheit beschäftigt. Im Februar waren Bernhard Brunst von der Homburger Epilepsie-Beratungsstelle des Diakonischen Werkes und Georg Thoma, der als Betroffener für die EpilepSIE-Stiftung der Diakonie in Hessen tätig ist, im KFG. "Wir haben im Unterricht mit den Jugendlichen über mögliche Gefahren gesprochen, aber auch, was die Krankheit ausmacht", erklärt Brunst, und Lehrerin Nevenka Kroschewski ergänzt: "Inklusive der theoretischen Vorarbeit haben wir uns von Februar bis Juni mit den Bildern beschäftigt."

Die Ergebnisse werden künftig als Wanderausstellung an verschiedenen Orten der Region zu sehen sein. Auf den bunten Plakaten ist etwa zu lesen: "Epilepsie ist keine Krankheit, Intoleranz ist es"; "Im Kampf gegen den Krampf, lass dich nicht runterziehen" oder aber "Anna (21) hat Epilepsie, Lisa (23) ist intolerant – eine hat eine Heilungschance." Auch Georg Thoma ist vom Resultat begeistert: "Mir fehlen die Worte. Einfach klasse, was ihr hier gemacht habt."

OP hat geholfen

Wenn man hessenweit von 40 000 Epileptikern ausgeht, müsste es statistisch gesehen auch Betroffene am Bad Homburger Gymnasium geben. "An einen Vorfall kann ich mich in den letzten Jahren nicht erinnern, aber wir wissen, dass es an unserer Schule Jugendliche gibt, die diese Krankheit haben. Vorsicht ist da insbesondere bei Klassenfahrten geboten", so Schulleiterin Heike Zinke

Mit neun Jahren hatte Georg Thoma seinen ersten Epilepsie-Anfall. Trotz des Handicaps hat der Homburger viele Reisen unternommen und aktiv Sport getrieben. Lange Zeit hat er Tabletten eingenommen, vor neun Jahren erfolgte dann eine Operation am Kopf: "Mir wurde ein Stück des Schläfenlappens entfernt. Seitdem habe ich keinen Anfall mehr gehabt."

Am Sonntagabend blieb offen, wie es mit der "Tatort"-Figur weitergehen wird. Bernhard Brunst kennt das Problem. Auch er hat Klienten, die als Polizisten tätig sind: "Die Krankheit muss zunächst von einem Facharzt diagnostiziert werden. Üblicherweise werden die Betroffenen dann in den Innendienst versetzt. Sie dürfen weder eine Schusswaffe tragen, noch müssen sie im Schichtdienst arbeiten."

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