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Ein Garten fürs Volk

Von Es ist soweit! Nach dem Kleinen Tannenwald, der vor fünf Jahren wiedereröffnet wurde, kann nun ein weiterer der Homburger Prinzengärten von der Öffentlichkeit genutzt werden: der Gustavsgarten.
Der Dorische Tempel ist eine von zahlreichen Attraktionen, die der Gustavsgarten zu bieten hat. Entsprechend groß war gestern das Interesse der Premieren-Besucher. Der Dorische Tempel ist eine von zahlreichen Attraktionen, die der Gustavsgarten zu bieten hat. Entsprechend groß war gestern das Interesse der Premieren-Besucher.
Bad Homburg. 

Der Andrang vor der prachtvollen Villa mit der Hausnummer 2 und dem goldenen Klingelschild mit dem Namen "Lorenz" ist groß. Fast könnte man meinen, dass es sich bei dem Gebäude um eine Sehenswürdigkeit von Weltrang handelt. "Bei der Besichtigung der Frauenkirche in Dresden war ähnlich viel los", ist eine Stimme aus der Menschenmenge zu vernehmen. Mit der berühmten Kirche an der Elbe kann es die Villa Wertheimber zwar noch nicht aufnehmen, aber wer weiß, wie das in einigen Jahren aussieht?

Seit gestern jedenfalls ist der Gustavsgarten an der Tannenwaldallee, auf dessen Gelände sich auch der ehemalige Wohnsitz des Frankfurter Bankiers Julius Wertheimber befindet, wieder öffentlich zugänglich. Bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen nutzten zahlreiche Besucher den Feiertag, um das weitläufige Areal zu erkunden – besonders groß war das Interesse an einer Führung durch besagte Villa.

Dort dreht derzeit der Hessische Rundfunk (HR) den Fernsehfilm "Das letzte Wort", der im Frühjahr 2013 im Ersten ausgestrahlt werden soll (TZ berichtete). Nur in Kleingruppen à 20 Personen wurde den Besuchern Zugang zu dem imposanten Gebäude gewährt, was dem Interesse keinen Abbruch tat. Im Inneren führte Produktionsleiter Arno Maass durch das Erdgeschoss und stellte das HR-Filmset vor.

Auf der großen Wiese vor der Villa übergaben derweil OB Michael Korwisi (Grüne) und Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) den Prinzengarten offiziell der Öffentlichkeit. In seiner Rede versprach Korwisi: "Auf dem Gelände wird es künftig keine Bebauung geben. Garten und Park sollen erhalten bleiben" – was von den Besuchern mit großem Beifall quittiert wurde. Auch das weitere Vorgehen der Stadt skizzierte der Oberbürgermeister: Noch im Herbst diesen Jahres werden die Gebäude aus den 1970er und 1980er-Jahren, in denen einst die Neurologische Klinik untergebracht war, abgerissen. Die Villa, die derzeit noch mit dem Klinikgebäude verbunden ist, wird freigestellt und renoviert. Ebenso das zu der Villa gehörige Pförtnerhaus und der Dorische Tempel, die allesamt unter Denkmalschutz stehen. "Nach nur 15 Jahren war es relativ leicht, die Parkanlage wiederherzustellen – im Vergleich zum Kleinen Tannenwald in unmittelbarer Nachbarschaft."

Holger Heinze aus dem Fachbereich Städtebau gab anschließend einen kurzen Überblick über die historische Entwicklung des Gustavsgartens. Seinen geschichtlichen Rückblick gliederte er in verschiedene Phasen: Die erste Phase wurde in den 1820er-Jahren von Louise Friederike und ihrem Gemahl Gustav von Hessen-Homburg, nach dem der Garten benannt ist, geprägt. Die spätere Landgräfin, die schwerhörig war, zog sich hierhin gerne vom Leben am Hofe zurück. Außerdem errichtete das Paar im Garten einen Gedenkstein an den früh verstorbenen Sohn.

1898 wurde das Areal von Bankier Julius Wertheimber gekauft, der das Grundstück um vier Hektar erweiterte und Villa, Pförtnerhaus und eine Remise errichten ließ. Ihn bezeichnete Heinze als "ersten historischen Pendler", der zwischen Homburg und dem Frankfurter Bankiershaus pendelte.

Enkelin zu Besuch

Im Dritten Reich wurde der jüdische Hausherr von den Nationalsozialisten enteignet. Das Grundstück wurde fortan vom Reichsarbeitsdienst (RAD) genutzt, nach Kriegsende von der US-Armee. Schließlich wurde das Grundstück an die Erben des Bankiers zurückgegeben, die das Areal schließlich an die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland verkauften. Eine Enkelin Wertheimbers war gestern anlässlich der Wiedereröffnung sogar in die Kurstadt gekommen.

Der Gustavsgarten ist zu den folgenden Zeiten geöffnet. Vom 1. April bis 31. Oktober, von 9.30 bis 20 Uhr (Sommersaison) und vom 1. November bis 31. März, von 9.30 bis 17 Uhr (Wintersaison).

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