E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Ein Herz für alle Hunde

Schäferhund-Mix Ben verliert bei Trainerin Kati Müller langsam seine Angst. 	 Foto: Mai Schäferhund-Mix Ben verliert bei Trainerin Kati Müller langsam seine Angst. Foto: Mai
Wehrheim. 

Es klingelt: Blue, Diego und Cosmo spitzen wachsam die Ohren und geben Laut. Nur Ben, der etwa neunjährige Schäferhund-Mix, verkriecht sich in seine Box und schaut mit traurigen Augen heraus. „Er hat Angst“, erklärt Kati Müller. Ben hatte eine schlimme Vergangenheit, er wurde mit seiner Mutter vor etwa eineinhalb Jahren wegen unerträglicher Zustände in seinem früheren Zuhause beschlagnahmt und kam fast bis auf die Knochen abgemagert ins Tierheim.

Die Mutter überlebte das Drama nicht, Ben fand ein Frauchen, das sich um ihn kümmert. Wenn Frauchen arbeitet, ist sein zweites zuhause bei Kati Müller, denn den ganzen Arbeitstag alleine lassen könne man keinen Hund, und einen so traumatisierten wie Ben schon gar nicht. Kati Müller ist zudem Hundetrainerin, und ihr ist es gelungen, dem Vierbeiner Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Wenn es klingelt, und sich fremde Leute in seinem Bereich breit machen, kommt die Angst zurück, dann traut sich Ben nicht mehr aus seinem sicheren Rückzug heraus. Allerdings liegt er auch ohne Bedrängnis am liebsten in einer Ecke und schläft, denn die dramatischen Erfahrungen sind nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Am Anfang stimmte er in schwierigen Situationen ein monotones Jaulen oder Bellen an, das kaum zu unterbrechen war. Ben hat eine Wirbelsäulenveränderung, braucht beim Gassi gehen Schuhe, damit er sich die Krallen nicht abscheuert, und eine Decke, die den Rücken warm hält. Heute geht es ihm besser, und trotz des traurigen Blicks habe er ein relativ zufriedenes Leben, sagt Kati Müller.

Er habe gute und schlechte Tage, an schlechten verfalle er wieder in das ritualisierte Verhalten, erklärt die ausgebildete Hundetrainerin, die neben ihrem Beruf als Krankenschwester qualifizierte Hundebetreuung anbietet. Bei Kati Müller haben auch Problemhunde eine Chance. Sie kann sich neben ihren drei eigenen Kattle-Dogs um bis zu vier Gasthunde kümmern, das wird vom Veterinäramt nach der Größe des Hauses, der Möglichkeit der Separierung der Hunde und des Auslaufs geprüft und festgelegt – ähnlich wie bei Tagesmüttern. Normalerweise hat sie höchstens zwei. Kati Müller hat besitzt auch einen Sachkundenachweis, hat eine Ausbildung zur Hundetrainerin und für Rettungshundeteams absolviert. Größtenteils übernimmt die 40-Jährige Urlaubsbetreuung, aber sie vertritt auch, wie bei Ben, Frauchen an bestimmten Tagen. Sie nehme diese Arbeit sehr ernst, sagt sie.

Ein Leben ohne Tiere kann sich Kati Müller nicht vorstellen, schon in der Kindheit spielten Hunde eine große Rolle. „Ich kann nicht ohne“, sagt sie kurz und bündig. Hunde seien ehrlich, gucken nicht aufs Äußere, nehmen den Menschen wie er ist. Treu sind sie jedoch nicht unbedingt, eine neue Bezugsperson nehmen sie relativ schnell an, das sei der Überlebenstrieb. Zur guten Beziehung zwischen Mensch und Hund gehörten Respekt und Akzeptanz, es sei wichtig, die individuelle Mentalität des Hundes kennen zu lernen, um Vertrauen zu entwickeln. Hundehalter wie Betreuer müssten dem Vierbeiner aber auch Grenzen setzen und Regeln deutlich machen. Eine davon ist: „Im Haus gibt es keine Rennspiele“, und daran hätten sich bisher alle gehalten. Beim Gassi gehen sei der Radius, in dem sie sich ohne Leine bewegen können, auch genau geregelt. „Man muss sich in die Lage der Spaziergänger versetzen, die entgegenkommen.“ Sie könnten nicht wissen, wie der Hund reagiere, deshalb müsse klar sein, dass der Hundehalter alles im Griff hat. Für Informationen ist Kati Müller unter der Telefonnummer (0163) 5412651 zu erreichen.

(Gerrit Mai)
Zur Startseite Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen